Themen der Zeit
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Kein Aufreger

mm/tdz. 14.02.2008 - Im Oktober 2007 hatte der Balinger Journalist Michael Grandt zwei Strafanzeigen gegen anthroposophische Buchhandlungen in Deutschland wegen der Verbreitung "rassistischer" Schriften gestellt. Das Medienecho darauf war verhalten, weil die Aufregung mit der Entscheidung der BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) vom September 2007, die beiden Steiner Bücher "Die Mission der einzelnen Volksseelen" und "Geisteswissenschaftliche Menschenkunde" nicht auf den Index zu setzen, bereits abgeebbt war. Der Rudolf Steiner Verlag hatte sich verpflichtet, innerhalb der nächsten zwei Jahre eine kommentierte Ausgabe vorzulegen. Wenig später räumte Grandt in einer Mitteilung an die Redaktion von Themen der Zeit ein: "meine beiden strafanzeigen gegen die anthroposophischen buchhandlungen in deutschland wegen der verbreitung des buches sind eingestellt worden." Eine Strafanzeige Grandts gegen den Rudolf Steiner Verlag in Dornach war gar nicht erst an die zuständige Schweizer Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden.

Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt hatte Grandt auch bei der Staatsanwaltschaft Solothurn gegen den Leiter des Rudolf Steiner Archivs Strafanzeige wegen volksverhetzender Aussagen erstattet. Nach Grandts Auffassung hätte Dr.Walter Kugler in einem Interview mit einem Schweizer Fernsehsender die "rassistischen" Aussagen Steiners gegenüber dem Judentum relativiert. Die Einleitung einer Strafuntersuchung wurde von der Solothurner Staatsanwaltschaft abgelehnt. Im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigte die zuständige Sprecherin Sabine Husi, dass "in dieser Sache ein Nichteintretensentscheid erfolgt ist. Ein Straftatbestand nach Art. 261bis des Schweizerischen Strafgesetzbuches ist nicht gegeben. Das bedeutet, dass keine Strafuntersuchung in dieser Sache eröffnet wird. Das Verfahren ist damit rechtskräftig abgeschlossen."

Die Rudolf Steiner Nachlassverwaltung hatte schon vor einiger Zeit mitgeteilt, dass ca. 15 Bücher aus dem Gesamtwerk Rudolf Steiners neu aufgelegt würden. Ob damit Hardcore-Kritikern wie Grandt, Lichte oder Jana Husman-Kastein der Wind aus den Segeln genommen ist, bleibt fraglich, denn wie es scheint, zielen diese eher auf die gesamte Anthroposophie als auf die wenigen Stellen im Gesamtwerk Steiners, die aus heutiger Sicht als rassistisch aufgefasst werden können. Die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland hatte dazu in einer Veröffentlichung Stellung genommen. Zitat: "Im heutigen Sprachempfinden kann an einigen Stellen der Eindruck einer rassebezogenen Ausdrucksform entstehen; ernsthafte Prüfung von Inhalt und Kontext wird aber jederzeit eine gegenteilige Intention erkennbar machen."
Diese Mitteilung war von den Medien allerdings weitgehend ignoriert worden.

 

 

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