|

Ein Kommentar von Max Michels von den Beatagenten
Die Wittener Studenten kämpfen um ihre Uni. Nicht nur, dass sie finanziell tief in die eigene Tasche greifen, um das Überleben ihrer Uni zu sichern, sie sind davon überzeugt, dass Deutschland diese Universität braucht und das die Uni jetzt auch Deutschland braucht. In der Tat dürfte es für die Bildungslandschaft in unserem Land ein herber Verlust sein, wenn diese Universität ihre Pforten schließen müsste. Dem Experimentierstatus ist die Universität längst entwachsen, in den Bereichen Medizin und Wirtschaftswissenschaften werden hervorragende Ergebnisse erzielt. Die Motivation der Studenten, etwas zu lernen - und zwar praxisorientiert - ist hoch, etwas Besseres kann eigentlich der deutschen Bildungslandschaft nicht passieren.
Und da sollte es nicht möglich sein, einige Millionen Fördergelder locker zu machen, um eine nachgewiesenermaßen exzellente Hochschularbeit zu stützen und dauerhaft möglich zu machen? Zumal diese Fördergelder bereits in den Haushalt eingestellt waren. Nebenbei: Für 8 Milliarden(!) Euro legt die Landesregierung ein Investitionsprogramm zur Hochschulmodernisierung auf. Bis 2020 sollen die Hochschulen in NRW modernisiert und saniert werden. Der Finanzminister Helmut Linssen dazu: "Das beste Konjunkturpaket sind Investitionen in Bildung und Innovationen." Wie wahr.
Angesichts dieser Zahlen darf man aber sicher auch einmal ganz vorsichtig nach der Verhältnismäßigkeit fragen. Wie wäre es, die Möglichkeiten auch für diejenigen auf einen guten Stand zu bringen, die mit Mut und Tatkraft versuchen eine unabhängige Forschung und Lehre möglich zu machen, was vielleicht nicht überall in der Universitätslandschaft möglich ist? Vollmundige Worte eines Innovationsministers, der von Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre spricht, sind sicher ganz schön; bautechnisch auch auf dem neuesten Stand zu sein, ist ein lohnendes Unterfangen. Wie aber steht es mit der Förderung für Ideen und dafür, Eigenverantwortlichkeit möglich zu machen, damit sie auch auf Dauer tragfähig bleiben kann?
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es um Anderes geht, als um die paar Millionen. Wo der Staat seine Macht demonstriert und mit einem Federstrich die Zukunftsperspektiven von 1200 Studierenden und 600 Mitarbeitern zunichte machen kann, wirken stolz vorgetragene Bekundungen von "besten Rahmenbedingungen" für Bildung und Forschung seltsam hohl.
Da mutet es kurios an, wenn der Staat erst dann eine Förderung ermöglicht, wenn Sponsoren soviel Geld in ein Projekt stecken, dass diese Förderung eigentlich schon nicht mehr nötig wäre. Denn wie anders soll man die Hinweise auf die strategischen Partnerschaften mit der "SRH" oder "Droege" interpretieren? Es kann doch nur bedeuten, dass Fördergelder geflossen wären, wenn es Nachweise für diese Partnerschaften gegeben hätte.
Wer aber ist eigentlich der Staat, wenn nicht seine Bürger und hier ganz besonders die jungen Bürger, die am Beginn ihrer Ausbildung stehen und - wie im Fall der Uni Witten-Herdecke - versuchen, ihre Belange selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen? Das Weblog, das die Studenten anlässlich der Krise eingerichtet haben, zeigt, dass viele einflussreiche Menschen hinter dem Konzept dieser ersten privaten Universität in Deutschland stehen. Den Worten sollten Taten folgen, damit die Uni tatsächlich eine "Private Hochschule" sein kann. Und zwar nicht in einem "elitären" oder gar "abgehobenen" Sinne, sondern, weil die finanzielle Unabhängigkeit erst eine wirklich freie Forschung und Lehre ermöglicht, wie sie gerade in Zeiten wie den jetzigen dringend gebraucht wird. Es scheint allerdings, dass Regierungen, gleich welcher politischen Richtung, so etwas wirklich nicht besonders gut ertragen können.
|