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ein Kommentar von Michael Mentzel auch als Audio-Beitrag bei TdZ-Radio >>
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat dem Antrag auf Indizierung zweier Steiner Bücher nicht stattgegeben. Der Herausgeber, die Nachlassverwaltung in Dornach, hat sich verpflichtet, spätestens innerhalb eines Jahres eine kritisch kommentierte Ausgabe der beiden Werke vorzulegen.
Ist es ein Sieg für die Anthroposophie? Es ist ein Sieg der Vernunft. Der wohl entscheidende Passus in der Begründung lautet für mich: "aus heutiger Sicht". Was heißt das anderes, als dass wir uns angesichts unserer jüngsten Vergangenheit nicht mehr in einer in einer solchen Weise mitteilen können und dürfen, wie es Rudolf Steiner seinerzeit in Wort und Schrift an einigen Stellen seines umfangreichen Werkes getan hat. Daraus kann durchaus auch eine Verpflichtung erwachsen, eine kritische Kommentierung vorzunehmen. Zu Recht wird von Jens Heisterkamp von der Zeitschrift Info3 deshalb angemerkt, dass dies bereits vor Jahren von der niederländischen Kommission empfohlen wurde. Dass die als rassistisch zu bewertenden Textpassagen Rudolf Steiners aber, selbst wenn sie so gemeint w ä r e n, wie die Kritiker implizieren, keinen Einfluss auf das Leben in den anthroposophischen Arbeitszusammenhängen haben, dürfte nach einem Blick in die unterschiedlichsten Praxisfelder eindeutig sein.
Zu befürchten ist gleichwohl, dass die Damen und Herren Kritiker das auch weiterhin nicht sonderlich interessieren wird, denn sie haben sich dem Kampf gegen eine für sie unverständliche Weltsicht verschrieben. Und damit gegen eine Weltsicht, deren praxisbezogene Auswirkungen sehr viele Menschen als hilf- und segensreich empfinden. Ein Blick in ein anthroposophisch geführtes Altenheim oder eine Jugendhilfe-Einrichtung könnte vielleicht auch den Kollegen der schreibenden Zunft die Augen darüber öffnen, was eigentlich unter anthroposophischen Arbeits- und Praxisfeldern zu verstehen ist. Manchmal reicht auch ein Blick in etwas regionalere Gefilde des bundesdeutschen Blätterwaldes, um zu verstehen, was hier gemeint ist.
Und noch etwas; Eine aus den Fugen geratende Welt und der Horror, der uns jeden Abend durch die Tagesschau und andere "Leitmedien" frei Haus in unsere Wohnzimmer geliefert wird, sollten doch eigentlich ausreichend Stoff bieten, um uns davon zu überzeugen, dass es wichtigere Dinge auf der Welt gibt, als die Suche nach dubiosen und "aus heutiger Sicht rassistisch zu bewertenden" Textstellen im Werk eines Mannes, der eben auch nur ein Mensch war. Aufgaben, die sich aus einem "vernünftigen" Umgang mit Rudolf Steiner ergeben könnten, gibt es wahrhaftig genug.
Um nicht falsch verstanden zu werden, ich möchte damit der Frage nach der "heutigen Sicht" nicht aus dem Wege gehen. Dass sich aber manche Kritiker im Lichte ihrer Erkenntnisse dazu versteigen Steiner in die direkte Nähe des "größten Feldherrn aller Zeiten" zu rücken, ist angesichts der Realität doch mehr als absurd.
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mm/tdz.08.09.2007
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