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Mediation als Friedensmission und Krisenprävention Konfliktbearbeitung, Kompetenzaufbau und Versöhnung in Namibia Ein Beitrag von Prof. Angela Mickley
Die Autorin skizziert in diesem Artikel den Weg von der Idee einer mehrdimensionalen zivilen Krisenintervention bis zur Entwicklung und praktischen Erprobung eines konkreten Modells. Gezeigt werden soll, welche Rolle Mediation in einer stärker krisenpräventiv orientierten deutschen Außenpolitik spielen könnte und wie präventiv wirksame Alternativen zu militärischen UN- oder AU- Friedensmissionen aussehen können.
Konfliktbearbeitung in politischen Konflikten
In internationaler Krisenbewältigung und UN-Friedensmissionen wird Mediation als diplomatisches Mittel und sozial wirkungsvolle Methode wesentlich häufiger genutzt, als in den gängigen Informationsmedien erscheint. Dennoch wird sie kaum als Bestandteil politischer Verhandlungen und Interventionen in bewaffnete Konflikte anerkannt und in Strukturen internationaler Krisenbeilegung eingefügt.
Dagegen hat die konstruktive Rolle von Mediation in unterschiedlichen Verfahren der mikro- und mesosozialen Konfliktregelung, in Familien, Schulen, Wirtschaft, Verwaltung, Politik usw. längst zu exponentiell wachsender Verbreitung geführt. Methodendifferenzierung und Anwendungsbreite entwickelten sich ebenso umfassend wie schnell, und gegenwärtig steht mit diesen Formen ergebnisorientierter, kompetenzsteigernder Konfliktbearbeitung eine Vielzahl situationsadäquater Varianten zur Verfügung. Dies hat bereits Niederschlag in innen- wie aussenpolitischer Planung oder Praxis gefunden, jedoch nicht in der Struktur politischer Konfliktregelung und als kontinuierliche Ressource einer gesellschaftlich verankerten, systematischen Nutzung von Mediation. Sie könnte, parallel zu politischen Verhandlungen mit den Akteuren in Krisengebieten durchgeführt, in lokalen und auf der sozialen Mikroebene durchgeführten Konfliktbearbeitungen erheblich zur Erhöhung der Sicherheitslage beitragen.
Das seit den 90er Jahren zunehmend genutzte Konzept der „Human Security" definiert Sicherheit nicht nur als die Abwesenheit von Kriegen und Gewaltausübung, sondern misst Sicherheit entsprechend dem Begriff des positiven Friedens an der Qualität des wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Überlebens und der kulturellen Gestaltungsmöglichkeiten.
In internationalen wird wie in regionalen und nationalen Zusammenhängen auf Krisensituationen in der Regel spät reagiert, d.h. wenn Konflikte bereits bewaffnet ausgetragen werden. Interventionen sind dann meist militärischer Natur, weil mit wachsender Eskalation die Verhandlungswege reduziert sind und Gewalt nur noch mit Macht eingeschränkt werden kann. Die ökologischen, menschlich-sozialen, politischen und wirtschaftlichen Folgen für das betroffene Land wie für die beteiligten Parteien sind verheerend. Zivile Wege, die parallel zur Einschränkung der Gewalt die zugrunde liegenden Konflikte und Interessendivergenzen ansprechen und in den angestrebten langfristigen Regelungen berücksichtigen, sind weniger kostenintensiv, werden derzeit jedoch nur vereinzelt genutzt.
Im Aktionsplan der Bundesregierung „Zivile Krisenprävention, Konfliktlösung und Friedenskon- solidierung" vom 12. Mai 2004 werden neben der Notwendigkeit ziviler Erweiterung von Krisenintervention Anwendungsfelder und Methoden der Prävention benannt, jedoch hauptsächlich die Bewältigung bewaffneter Konflikte erwähnt. Ein aus mehreren Ministerien zusammengestelltes Krisenzentrum leistet die Koordination, verfügt jedoch nur über methodische und finanzielle Mittel, die einen Bruchteil militärischer Ausstattung darstellen.
Der seit 1998 beim BMZ angesiedelte Zivile Friedensdienst (ZFD), sendet einzelne Fachleute nach einer vierwöchigen Zusatzausbildung in Krisen- und ehemalige Kriegsgebiete, d.h. mit einer personellen Ausstattung, die kaum den Notwendigkeiten nachhaltigen Friedensaufbaus Rechnung trägt. Diese trotzdem sehr engagiert ausgeübten Aufträge sind im Aktionsradius auf den direkten Einsatzort begrenzt, leisten auf der sozialen Mikro- und Mesoebene wichtige Arbeit und legen häufig entscheidende Grundlagen für spätere Verständigung und Friedensentwicklung. Gelegentlicher Zugang zur wirtschaftlichen oder politischen Meso- oder Makroebene bietet erweiterte Aktionsmöglichkeiten in der Region.
Projektdesign
Gerade weil die Erfolge mit diesem geringen Einsatz so überzeugend sind, drängen sich nötige Erweiterungen umso mehr ins Blickfeld. Der Aktionsplan sieht einen erweiterten Rahmen ziviler Interventionsmethodik vor und es lag nahe, in einem Modellprojekt die Ansätze einer möglichen Krisenprävention durchzuführen, zu evaluieren, die Transferelemente für andere Konstellationen zu identifizieren und allgemeingültige Rahmenbedingungen zu benennen.
Der erste Schritt zur Präzisierung des Projektdesigns mit den namibischen Partnern: Eine Gruppe von Experten identifiziert mit den Leitern nationaler Institutionen die Defizitbereiche, erarbeitet die gewünschten Kompetenzergebnisse für die benannten Gruppen und Institutionen und konzipiert daraus die erforderlichen Vorgehensweisen. Dann werden gezielt deutsche und namibische Kooperationspartner und Finanzierung gesucht und die geplanten Weiterbildungen in Konfliktbearbeitung und Mediation für Schlüsselakteure im Mikro-, Meso- und Makrobereich durchgeführt.
Mit den so geschaffenen Kompetenzen und Netzwerken werden neben konstruktiver Interessenvertretung Grundlagen für die Gestaltung gesamtgesellschaftlicher Versöhnungsprozesse geschaffen. Unabhängig von akuten Konflikten werden neben Kompetenzaufbau auch Veränderungen der persönlichen Haltung und Einstellung zu Wertesystemen initiiert, die langfristig eine stabilisierende Wirkung auf die soziale und politische Handlungskompetenz der Beteiligten ausüben und die Lebenssituation der Bevölkerung verbessern helfen.
Hiermit würde beispielhaft gezeigt, wie einer krisenhaften Entwicklung frühzeitig begegnet und gewaltsame Konfliktaustragung kurzfristig verhindert werden kann. Mittel- und langfristig geht es zusätzlich um die Integration traditioneller Konfliktlösungsstrategien und die daran anknüpfende Entwicklung bzw. Aktivierung lokaler und kulturspezifischer Mediationsformen.
An dieser Stelle zeichnete sich Namibia mit seiner besonderen historischen Beziehung zu Deutschland als geeignet für ein solches Mehr-Ebenen Projekt ab.
Hintergrund zu Namibia
Namibias sozio-politische Situation ist die einer Transformationsgesellschaft mit kolonialer Geschichte, aus der auch die besondere Verantwortung Deutschlands stammt, sowie Apartheid und Befreiungskampf, aus denen die kollektiven Traumata in allen Bereichen des Gesellschafts- und Arbeitslebens nachwirken. Die gesamtgesellschaftliche Situation ist gekennzeichnet von hohem Aufklärungs- und Versöhnungsbedarf aus dem Unrecht der Vergangenheit und einer trotz Unterschiedlichkeit, Dissens und Feindseligkeit hohen Bereitschaft zu Versöhnung und friedlichem Dialog mit ehemaligen Feinden. Ebenso besteht eine hohe Motivation, die Probleme des Landes gemeinsam und zum Wohle aller Namibier zu lösen. Die Methoden hierfür fehlen allerdings und der südafrikanische Weg einer Wahrheitskommission wurde in Namibia zugunsten einer „Orientierung an der Zukunft" abgelehnt.
Land- und Ressourcenverteilung, Rassismus, Stammesfehden, wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Korruption, Folgen der Globalisierung, erodierende Sozialstrukturen durch HIV und AIDS, sowie weitgehend tolerierte Gewalt gegen Frauen und Kinder bilden weitere Konfliktfelder, die Namibier als dringend bearbeitungsbedürftig benennen.
Viele dieser potentiell Konflikt generierenden Faktoren sind charakteristisch für das Südliche Afrika oder andere ehemalige Kolonialstaaten, in denen die Defizite aus der Vergangenheit nicht aufgearbeitet wurden. Hier hätte ein gesamtgesellschaftlicher Lösungsansatz globale Vorbildfunktion für Konfliktkonstellationen, die soziale und wirtschaftliche Systeme bis in die heutige Zeit belasten. Die dramatisch wachsenden Flüchtlingsströme nach Europa sind nur ein Anzeichen für eine Eskalation der asymmetrischen Beziehungen Europas mit den ehemaligen Kolonien, die bereits als wachsendes Sicherheitsproblem gesehen werden.
Kulturelle Prägungen afrikanischen und europäischen Ursprungs, sowie Wertvorstellungen tausender Namibier aus Exilaufenthalten in unterschiedlichen politischen Systemen, divergieren stark und führen zu komplexen, schwierig zu bearbeitenden Konfliktsituationen.
Die Kompetenz, mit diesen Konflikten effektiv umzugehen, würde sozio-politische Entscheidungsprozesse erleichtern, beschleunigen und eine nachhaltig friedliche Entwicklung des Landes bei gleichzeitiger Wertschätzung der bestehenden Vielfalt gewährleisten.
Namibias Regierungs-, Verwaltungs- und Universitätselite sucht intensiv in aller Welt nach akademischen und politischen Konzepten, mit denen sich diese junge Demokratie im krisengeplagten afrikanischen Kontext und einer wirtschaftlich globalisierten Welt behaupten kann. Training, Ausbildung oder Studiengänge in Konfliktbearbeitung oder Mediation gibt es in Namibia bislang nicht.
Projektentstehung
Das südliche Afrika rückte seit Ende der 80er Jahre mit zahlreichen Beispielen erfolgreicher politischer Veränderung durch gewaltfreie Aktion und Mediation in das Blickfeld interessierter Experten. Im Rahmen meiner Recherchen zum südafrikanischen Transformationsprozess und einem methodischen Vergleich mit deutschen Bemühungen um politische Vergangenheitsbewältigung ab 2001, wiesen südafrikanische und namibische Vertreter aus Kirche, Wirtschaft und Politik ausdrücklich auf nötigen Kompetenzaufbau in Interessenausgleich, Konfliktbearbeitung und Versöhnung hin. Sie äußerten den Wunsch nach unabhängigen Experten, um z. B. lokale Multiplikatoren in Mediation auszubilden.
Damit soll die verfügbare Konfliktlösungskompetenz im Land erhöht und ein regionales Netzwerk von Fachleuten geschaffen werden. Dies wäre im Alltag (Familie, Schule, Arbeit, Gericht, Politik), für Krisenprävention im nationalen oder regionalen Kontext und für mögliche Interventionen in afrikanischen Krisen nutzbar. Die damit verbundene ethische Haltung und methodische Differenzierung wäre zusätzlich für gesamtgesellschaftlich zu bearbeitende Versöhnungsprozesse anwendbar. In Südafrika wurden hierzu lokale Fähigkeiten genutzt und gezielt weiterentwickelt, eine landesweit arbeitende Versöhnungskommission eingerichtet und damit der Thematik sowie dem schwer messbaren Bedarf und den hohen Opferzahlen wenigstens symbolisch Rechnung getragen.
Die ursprüngliche Projektidee beinhaltete:
die friedliche Qualität politischer Auseinandersetzungen fördern und lokale Konfliktkompetenz stärken und weiter entwickeln,
ein tragfähiges soziales und politisches Netz aufzubauen und somit eine Eskalation wie etwa in Zimbabwe zu verhindern,
eine deutliche und politisch nutzbare Geste der Versöhnung demonstrieren und zugleich Methoden für die Gestaltung des steinigen Versöhnungsprozesses liefern,
die politische Lage entspannen und die historisch belastete Beziehung zwischen Deutschland und Namibia nachhaltig verbessern und
an einem relativ übersichtlichen Beispiel (knapp zwei Millionen Einwohner, Konflikte in Anfangsstadien einer krisenhaften Eskalation) die zivilen Dimensionen außenpolitischer Initiativen sichtbar machen.
Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, Parlamentarier, Afrika-Experten und Mediatoren bewerteten die Projektidee Ende 2003 positiv und regten weitere Ausgestaltung an. Letztendlich begannen wir das Projekt als zivilgesellschaftliche, unabhängige Initiative und führen es bereits drei Jahre in dieser Weise fort.
Nach Vorgesprächen mit Kollegen und Experten und einer Erkundungsmission mit zwei Studenten der FH Potsdam 2004, wurde im April 2005 die „Initiative for Active Conflict Transformation in Namibia" (I-ACT) ins Leben gerufen, Trainings und Workshops mit Teilnehmern aus einigen Schlüsselinstitutionen durchgeführt und eine auf Konfliktkompetenz fokussierte Kooperation mit der University of Namibia (UNAM) begonnen.
Kernelemente des Projektes sind:
Schaffen eines grundlegenden Verständnisses und einer individuellen Kompetenz von Konfliktbearbeitung und Mediation bei Schlüsselpersonen in Ministerien, Verwaltung, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und regionalen Bevölkerungsgruppen.
Etablieren einer ganzheitlichen Ausbildung im Land, die von lokalen Mediatoren und Trainern weiterentwickelt wird.
Aufbau eines Pools von vernetzten Konfliktexperten, die in Krisenfällen schnell im Land verfügbar und flexibel einsetzbar sind.
Gerade in einem Land wie Namibia mit über einem Dutzend unterschiedlicher Kulturen ist es elementar wichtig, lokale Trainer auszubilden, die die kulturellen Hintergründe und Stammessprachen kennen. Hierdurch fließen traditionelle Methoden der Konfliktlösung in Ausbildung und Praxis ein und langfristig werden die Lehrmodule in den lokalen Sprachen entwickelt. Die angestrebte „Namibianisierung" von Projekt und Ausbildung wäre damit gewährleistet.
Die kontinuierliche Ausweitung der Trainings auf alle kulturellen Gruppen beeinflusst zudem die Kommunikation und das gegenseitige Verständnis der zwar im gleichen Land lebenden, aber mit Vorurteilen begegnenden Gruppen nachhaltig positiv. Hierdurch wird ein heilender Dialog- und Versöhnungsprozess initiiert, methodisch unterfüttert und nachhaltig begleitet.
Bis heute haben ein Dutzend ehrenamtlicher Experten viel Zeit, Energie und weit über hunderttausend Euro in das Projekt gegeben.
Ergebnisse und Entwicklungsperspektiven
Was haben wir in den drei Jahren erreicht? Wie gingen namibische Politiker und Beamte mit den Methoden um? Sind bereits Ergebnisse sichtbar und werden die Impulse aufgenommen und weiterentwickelt?
Seit Anfang 2005 nahmen über 100 Beamte, Akademiker, Psychologen, Schulleiter, Lehrer, Schüler, Studenten, Sozialarbeiter, Psychologen, ehemalige Freiheitskämpfer sowie Mitarbeiter des direkt dem Präsidenten unterstellten Ombudsmannes und führender Nichtregierungsorganisationen mit hoher Motivation an unseren Workshops in Konfliktbearbeitung und Mediation teil.
Wir konnten im Kultur-, Politik- und Rechtsbereich neben den Workshops auch einzelne Bearbeitungen fachlich begleiten oder selbst durchführen und damit wertvolle Erfahrungen ermöglichen und lernten viel über afrikanische und namibische Besonderheiten.
Unsere Teilnehmer nutzen das Wissen und die Erfahrungen in ihren familiären und beruflichen Zusammenhängen und sorgen für weitere Verbreitung dieser Ansätze im Land. Die gewünschten Adaptionen der Methodik wurden in den laufenden Workshops von allen Beteiligten angeregt, die unterschiedlichen Sprachen und Kulturen angehörten. Mit diesem interaktiven Teil der Seminare ergaben sich häufig sehr unterhaltsame Sequenzen, wenn alle, wir eingeschlossen, mit Engagement die kulturellen Differenzierungen der eigenen Konfliktverhaltensweisen darstellten oder weitere Besonderheiten etwa der Eingeborenen in Regionen Deutschlands, Namibias und anderer Teile der Welt zum Besten gaben, die in der Gruppe vertreten waren. Sowohl Unterschiede wie Übereinstimmungen riefen Erstaunen hervor, erleichterten nebenbei die Anpassung unserer Materialien an die regionalen Bedürfnisse und erhöhten das Bewusstsein der Teilnehmer für die Notwendigkeit und Bandbreite interkultureller Verständigung in Konflikten.
Vermehrte Anfragen für Vorträge, Seminare und Trainings, sowie für komplette Weiterbildung in Mediation zeigen das grosse Interesse. Die Anfragen kommen von freien Trägern, politischen Parteien, Bildungsinstitutionen und Regierung, umfassen inhaltlich den nationalen Katastrophenschutz, Mediation in Arbeitsrecht und Landreform, Human Security im Masterstudiengang in Strategie und Sicherheit, sowie allgemeine Führungskompetenzen.
Die derzeit entstehende Verwaltungshochschule der Regierung meldete Interesse an obligatorischen Kursen in Konfliktbearbeitung an, wobei die deutsche Regierung durch ihre Vertretung in Windhoek jedoch keine finanzielle Unterstützung leisten konnte.
Andere Staaten nehmen auf diesem Gebiet gezielt Einfluss, so entsenden z. B. die französische École Nationale d'Administration und Indien langfristig Berater und Dozenten.
Zur Optimierung seiner politisch folgenreichen Entscheidungen hat das Landministerium begonnen, Mediationsweiterbildung für die Communal Land Boards durchzuführen, die für Landverteilung in ihren Regionen verantwortlich sind, sowie zukünftig für Minister und Staatssekretäre. Mit dem Schritt, die administrativ Verantwortlichen auch mit der erforderlichen methodischen Kompetenz auszustatten, betritt Namibia nicht nur in Afrika neue Wege der politischen Entscheidungsgestaltung.
Mit großem Interesse ist in Zukunft zu verfolgen, wie die vielfältigen Methoden der Konfliktbearbeitung und konsensualen Entscheidungsfindung in den Prozess der Landreform Einzug finden und inwieweit dies einer befürchteten Eskalation entgegenzuwirken vermag. Die Landreform ist jedoch nur ein Aspekt, der für den Aufbau krisenpräventiver Netzwerke mit flexibel verfügbarer Konfliktkompetenz in Namibia spricht.
Ein weiterer Konfliktherd sind die lauter werdenden Forderungen der Opfer der Kolonialzeit (hauptsächlich das Volk der Herero, seit Oktober 2006 unterstützt vom namibischen Parlament) nach Dialog und Versöhnung, denen seitens der deutschen Regierung bislang unzureichend begegnet wurde. Befürchtete Reparationszahlungen scheinen wie ein Damoklesschwert über einer möglichen Begegnung zu schweben, während auf namibischer Seite Unmut und potentielle Bereitschaft wachsen, Gewalt als Mittel in Erwägung zu ziehen. Die Gestaltung eines sozialen Prozesses für Versöhnung zwischen den vielen Betroffenen könnte dafür hilfreiche Wege bieten. Ein erstes Konzept haben wir auf Anfrage von Herero-Politikern entwickelt.
Die nächsten Projektschritte:
Bei Finanzierung der Hochschulkooperation durch den Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD), sollen an der University of Namibia Konfliktbearbeitung und Mediation in den Wirtschafts-, Rechts- und Sozialfakultäten der UNAM gelehrt und parallel hierzu entsprechende Lehrkräfte ausgebildet werden, so dass Konfliktmanagement langfristig in die Curricula aufgenommen werden kann.
Die Einbindung akademischer Institutionen wie der UNAM in weitere Workshops und Aktivitäten scheint ausgesprochen sinnvoll und wird von namibischer Seite als politisch wichtig angesehen, um unser Projekt auf neutraler akademischer Ebene zu positionieren.
Im März 2007 nutzten ehemalige Teilnehmer in unserer Open Space Konferenz den Austausch und die Vernetzung mit unterschiedlichen Berufs- und Bevölkerungsgruppen, und initiierten weitere Schritte zur Verbreitung von Mediation und ziviler Konfliktbearbeitung in Namibia. SWAPO Women's Council veranstaltete mit uns für sein Exekutivkomitee, darunter Ministerinnen, und die regionalen Koordinatorinnen einen ersten Workshop zu Konfliktbearbeitung, dem noch dieses Jahr zwei weitere folgen sollen.
Im April 2007 beschäftigten sich ranghohe, erfahrene Militärs im Modul Human Security des neuen Masterstudienganges Strategie und Sicherheit an der UNAM drei Wochen lang mit Möglichkeiten der waffenlosen Konfliktbearbeitung und diskutierten die erforderliche Veränderung der Mandatierung von UN und African Union Friedensmissionen.
Der Beginn einer mehrmonatigen ganzheitlichen Ausbildung ist bei gesicherter Finanzierung Anfang 2008 möglich. Nach deren Auswertung wird die Gestaltung folgender Kurse in namibische Hände übergehen und ausländische Experten lediglich als Berater für Konfliktfälle, Coach oder als Trainer für spezielle Module zur Verfügung stehen.
Weiterhin gilt es, zur Unterstützung der Arbeit in Namibia adäquate Strukturen in Deutschland zu schaffen, um das vorhandene Engagement effektiver zu nutzen.
Auf der SADC und weiteren regionalen Ebenen der African Union gibt es längst Interesse an Erweiterung von Friedensmissionen mit zivilen Mitteln, Konferenzen mit SADC Vertretern behandeln zivile Aspekte von Sicherheit und die Vereinten Nationen suchen präventive Alternativen zu ineffektiven und teuren Peace Keeping Missions. Dies nicht nur wegen der extrem reduzierten Kampfkraft vieler Truppen (bis auf 20% durch HIV-Belastung, Ausrüstungs- und Trainingsdefizi-te), sondern weil die Notwendigkeit nachhaltiger Krisenbewältigung mit Methoden ziviler Konfliktbearbeitung immer deutlicher als Mittel der Intervention gesehen wird.
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