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 |  | Zwei "Regierungsvertreter brauchen "Üran" |
Komm, wir fahren nach Brunsbüttel. Eindrücke von einer großartigen Aktion. Über 120.000 Menschen demonstrieren in Schleswig-Holstein, Hessen und NRW für eine Zukunft ohne Atomkraftwerke. Zwei meiner Kinder und ich waren dabei. Ein persönlicher Stimmungsbericht.
mm/tdz. 25.4.2010 - Stopp! Ein Polizeiwagen mit zwei Beamten steht ca. 1500 Meter vor der Otto-Hahn-Strasse in Brunsbüttel, dem Standort des Atom-Reaktors. Nun ja, ein Spaziergang an so einem schönen Tag ist ja auch nicht zu verachten. Und die Aussicht auf eine Menschenkette, deren Anfang - oder deren Ende - hier in Brunsbüttel ist, macht den Entschluss einigermaßen leicht. Zwei Tage vor dem 24. Jahrestag von Tschernobyl und angesichts der Bestrebungen, die AKW-Laufzeiten zu verlängern, soll die Aktion zeigen, dass die Regierungskoalition mit Widerstand gegen den Ausstieg aus dem Ausstieg rechnen muss.
Als wir ankommen, wird gerade auf der Bühne die PA-Anlage eingerichtet, schließlich soll Jan Delay bei der Abschlusskundgebung auftreten, da braucht es schon ein bisschen Power. Ein paar Stände sind aufgebaut, es gibt "Atomkraft-Nein Danke" Fahnen zu kaufen und gegen eine Spende Fahnen vom BUND und Trillerpfeifen. Dann sind da auch noch die Aktivisten vom Kollektief Rampenplan aus Uetrecht, die immer mit ihrer mobilen Küche im Einsatz sind, wenn es darum geht, Menschen zu beköstigen, die sich für eine lebenswertere Umwelt oder andere sinnvolle gesellschaftliche Ziele engagieren.
Nach und nach treffen immer mehr Leute ein, es sind sehr viele junge, aber auch sehr viele ältere Menschen, denen man ansieht, dass sie nicht zum ersten Mal an einer solchen Aktion teilnehmen. Dennoch ist es alles andere als Routine, die Erwartungen sind groß: Wird es gelingen, tatsächlich die Menschen zu mobilisieren, die notwendig sind, eine Menschenkette zu bilden, die am Ende 120 Kilometer lang sein wird?
Als es losgeht, laufen wir ca. einen Kilometer, es wird viel gelacht, die Stimmung ist sehr gut, immer wieder kommen die zwei als "Regierungsvertreter" verkleideten Gestalten mit ihren langen Nasen vorbei und werben "für" Atomkraft: "Wir brauchen Atomkraft!", und dann noch: "Warum sind wir in Afghanistan? Da gibts schließlich Üran". Drum.
Ein wunderbares Wetter, es ist frisch, die Sonne lacht vom Himmel, die Windräder in der Nähe stehen allerdings still. Dann ist es soweit, um 14:30 Uhr ist zwar die Kette nicht überall geschlossen, aber es haben sich insgesamt - so ist es zu vernehmen - tatsächlich 120.000 Menschen auf den Weg gemacht, um zu zeigen, das sie gewillt sind, gegen Atomkraft und den Ausstieg aus dem Ausstieg dieser Technologie zu kämpfen. Sie reisten mit Bussen, Autos, Fahrrädern und auch zu Fuß an. Dazu kommen noch die Vielen, die an den AKW-Standorten Biblis und Ahaus ebenfalls demonstrieren.
Als alle wieder an der Bühne eingetroffen sind, beginnt die Kundgebung, es werden einige Reden gehalten, die Freude über den großen Erfolg steht den Rednern ins Gesicht geschrieben. Jubelnd begrüßt von der Demonstrantenschar, erscheint Jan Delay mit seinen Freunden. "Nur einige Protestlieder", kündigt er an; und dann rappt er gemeinsam mit Das Bo, was das Zeug hält.
Es ist eine wirklich grandiose Stimmung unter den Teilnehmern, die noch verstärkt wird durch die Gewissheit, Teil einer Bewegung zu sein, die etwas schaffen kann, was manchmal schon verloren geglaubt scheint. Eine Kultur des Protestes, die für etwas kämpft und nicht gegen etwas; und auch getragen von der Hoffnung, dass der Sound von Jan Delay und seiner Band all denen die Ohren klingen lassen möge, deren Entscheidungen noch Einfluss auf die Generationen haben werden, die nach uns kommen.
Als Jan Delay seinen Auftritt beendet hat, machen wir uns nach einer kleinen Weile gemeinsam mit vielen anderen auf den Heimweg. Das Fest wird hier noch weitergehen, noch weitere Reden werden gehalten und andere Musiker erfreuen die Demonstranten. Das gute Gefühl, bei dieser eindrucksvollen Aktion dabeigewesen zu sein, wird uns auf unserem fast 400 Kilometer langen Heimweg begleiten. Ein bisschen müde, aber noch ein - obligatorisches - Fischbrötchen an den Landungsbrücken muss sein. Hier wird gerade die Bühne abgebaut. Und dann geht es zurück nach Hause.
Den Initiatoren dieser Aktion gilt es, Dank zu sagen und anzuerkennen, was sie hier auf die Beine gestellt haben. Eine Menschenkette vom "Schrottreaktor" Brunsbüttel bis nach Krümmel bei Hamburg. Und als ich zu Hause müde ins Bett falle, ist mir noch im Ohr, was die beiden langnasigen "Regierungsvertreter" in Brunsbüttel so ironisch postuliert haben: "Warum sind wir in Afghanistan?" Ja, warum eigentlich?
Webseite der KETTENreRAKTION
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ATOMKraft NEIN DANKE
das mit dem uran ist interessant, das macht sinn, was sonst irgendwie komisch aussieht
Atomkraft - Nein Danke!