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Thema Gaza

Hinweis: Dieser Beitrag war einige Tage bei Anthromedia, dem anthroposophischen Internet-Portal zu lesen. Am Sonntag, den 18.1.2008 wurde er wieder vom Netz genommen. Im Anschluss an den Beitrag finden Sie einen offenen Brief von Johannes Anders an die "anthropsophischen Freunde und zugewandten Orte" . Auf dem Seitenspiegel finden Sie einen Kommentar mit dem Thema "Zensur in der Anthrosphäre?"

Fakten zum Nahost-Krieg

von Johannes Anders

Es wird von vielen westlichen Politikern und zugewandten Medien gebetsmühlenartig wiederholt, dass der Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen das alleinige Verbrechen in der Gegend sei, das seit langem und als einziges an allem Schuld ist.
Von den eigentlichen Ursachen, von der systematischen Vertreibung der Palästinenser seit 1948, der Zerstörung vieler ihrer Dörfer und Behausungen und der damit verbundenen Auslöschung der Ortsbezeichnungen auf den Karten, von der jahrzehntelangen Besatzung, vom zunehmenden Ausbau der israelischen Siedlungen auf besetztem Gebiet und der damit verbundenen Okkupation des Landes, vom Mauerbau, von unerträglichen Schikanen durch eine Vielzahl von über das gesamte palästinensische Gebiet verteilten Checkpoints, von seit langem immer wieder gezielten Tötungen von palästinensischen Widerstandskämpfern und "Terroristen", sowie Hamas-Politikern, die in international anerkannten demokratischen Wahlen gewählt wurden(!), von der systematischen Abriegelung des Gaza-Streifens seit eineinhalb Jahren und weiteren, damit verbundenen menschenrechts- und völkerrechtswidrigen Aktionen - das alles wird als Ursache nicht genannt und erkannt, auch nicht die grosse Zahl der von Israel immer wieder negierten UNO-Resolutionen und IKRK-Berichte.
Registriert wird auch nicht oder aber als sogenannt unvermeidlich dargestellt, dass die Bombardements ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung erfolgen, dabei viele Kinder getötet werden und seit neuestem vom israelischen Militär international geächtete Phosphorbomben eingesetzt werden. Nach aktuellen Meldungen (13. Januar 2009) finden die Bodenkämpfe ohne Rücksicht auf die Bevölkerung nun auch in dicht besiedelten Teilen um und in Gaza statt und vor Ort befindliche Hilfsorganisationen wie Médecins Sans Frontières klagen an, dass ihre Hilfstransporte beschossen werden. Wenn Aussenministerin Livni nun beklagt, dass der internationale Antisemitismus zunehme und immer mehr Synagogen und Friedhöfe betroffen sind - wen wundert‘s? 
Gemäss Tagesschau-Berichten vom Samstag, 10. Januar 2009, ist die Grenze zum Gaza-Streifen neuerdings ein Ausflugsziel, zu dem neugierige Besucher aus Israel angereist kommen, um das Kriegsspektakel aus nächster Nähe beobachten zu können, mit vierrädrigen, kleinen Geländefahrzeugen, wie man sie von touristischen Wüstenausflügen, etwa vom Sinai her, kennt. 

Johannes Anders 22. Januar 2009

Liebe anthroposophische Freunde und zugewandten Orte,

wieder einmal musste ich leider feststellen, dass die Leute von info3 - Anthroposophie im Dialog - Info3-Verlagsgesellschaft - Brüll & Heisterkamp KG mit ihrem INMEDIA-Argus der Presse-Newsletter zwar gute Info-Arbeit leisten, dass sie aber zu anderen Themen, hier speziell zum Nahost-Problem, sich mit bemerkenswerten Vorurteilen und Scheuklappen ausrüsten (Herr Heisterkamp warf mir im Zusammenhang mit meinem bei ANTHROMEDIA erschienenen - inzwischen wieder entfernten! - Kommentar zu Nahost einen gewöhnlichen, humanistisch aufgeblähten Antisemitismus vor, wie ihn manche Schweizer haben, wie er meint).

Alle neutralen Politiker, Nahostpublizisten, Wissenschaftler, Historiker und Medienfachleute, auch israelische, und vor allem die, die vor Ort arbeiten, betonen immer wieder, dass Kritik an der israelischen Politik und Antisemitismus zwei grundverschiedene Dinge sind***; ein Gleichsetzen und Vermischen dieser beiden Themenkomplexe ist unverantwortlich und schadet letzten Endes den Juden und dem jüdischen Staat.

Diese jahrzehntelange Erkenntnis ist an den info3-Leuten anscheinend spurlos vorübergegangen, womit eigentlich auch dem Ansehen der Anthroposophie in der Öffentlichkeit Schaden zugefügt wird.

Mit herzlichen Grüssen

Johannes Anders

*** P.S.: Wenn man sich die Mühe macht, regelmässig, über längere Zeiträume und damit nachhaltig unabhängige Medien zu verfolgen, erhält man gute, mit der Zeit ihre Objektivität untermauernde Beurteilungen der Situation und der geschichtlichen Fakten, z.B. von den NZZ-Korrespondenten VIKTOR KOCHER und vorher während langer Jahre ARNOLD HOTTINGER (NZZ, eine antisemitische Zeitung?), von der israelischen Zeitung HA'ARETZ (auch sie natürlich weit davon entfernt, antisemitisch zu sein), von der langjährigen Nahost-Korrespondentin von Schweizer Radio DRS, IREN MEIER (eine Antisemitin?), aber auch von ebenfalls über jeden Zweifel erhabenen Fachleuten und Nahostkennern wie ALFRED GROSSER, GÜNTER LÜDERS, HELGA BAUMGARTEN, GIDON LEVY, AMIRA HASS, der bekannten palästinensischen Schriftstellerin und Friedenspreisträgerin SUMAYA FARHAT NASER, der ebenfalls palästinensischen Dozentin, Wissenschaftlerin, Autorin und Politikerin HANAN ASHRAWI, dem israelischen Autor DAVID GROSSMANN, oder dem berühmten Dirigenten und engagierten Leiter des aus jungen Musikern aus Israel, Palästina und anderen Nationen zusammengesetzten und von ihm geförderten West-Eastern Divan Orchestra DANIEL BARENBOIM, um nur diese wenigen Namen zu nennen.

 

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