|

Geschichte schreiben - vorschreiben - umschreiben? von Max Michels von den Beatagenten
Die Enthüllungen über den Polizisten Karl-Heinz Kurras, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, zeigen einmal mehr, dass sich manche Ereignisse am Ende wohl doch nicht so abgespielt haben, wie es der brave filzpantoffelbewehrte Bürger in seiner Morgenzeitung lesen kann. Otto Normalbürger erschauerte seinerzeit über diese Gestalten, die ihm scheinbar alles das nehmen wollten, was er sich im Wirtschaftswunderland mühsam Deutschland erarbeitet hatte. Und was hatte man denn überhaupt gegen diesen netten Herrn aus dem Iran mit seiner hübschen Frau, wie hieß sie noch gleich?
Nun frage ich mich schon seit geraumer Zeit, was "unsere" Schlapphüte eigentlich für Luschen waren. Die westdeutsche Polizei, am Ende noch unterwandert von DDR-IMs und kein Spion in den Reihen der "Kollegen" im Osten? Die haben das alles nicht mitgekriegt? Ja, haben die denn geschlafen? Man fasst es nicht. Ja, wenn Schlingensief damals schon gelebt hätte ...
.. hätte man jetzt das Ganze vielleicht als ein inszeniertes Theaterstückchen in der FAZ vermarkten können. So aber beginnen die Hobbyhistoriker aller Couleur ihren mit wohlfeilen Argumenten gespickten Feldzug gegen die Interpretationen der jeweils anderen Sichtweise. Ich gestehe, dass ich mir angewöhnt habe, zuerst auf das Wesentliche zu sehen. In diesem Fall ist das ein toter Mensch, der Student Benno Ohnesorg. Erschossen von einem anderen Menschen. Polizist oder Geheimagent, "Staatsschutz" Ost oder "Staatsschutz West", es ist irgendwie barbarisch. Nein, die Geschichte muss nicht umgeschrieben werden. Diese nicht.
zum Thema "im Dunkeln..."ein Beitrag im Redaktionsblog von TdZ
|