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Gute Zahlen statt guter Nachrichten von Max Michels von den Beatagenten
Während der Prozess gegen Yunus und Rigo, die beiden Schüler einer Berliner Waldorfschule, in vielen Online-Publikationen ein Thema war, schien die Nachricht vom Freispruch manchen Medien, wie der Tagesschau-Online oder der Zeit-Online, diesem Vorgang offensichtlich keine Zeile, besser gesagt keinen Tastendruck wert zu sein.
Da hatte doch die Meldung über die Umsatzzahlen von Playmobil einen wesentlich höheren Informationsgehalt. Playmobil ist eine Art "Plaste-Second-Life" für 7-12 Jährige. Der Wirtschaftskrise zum Trotz hat man dort den Umsatz im Jahre 2009 um 5% gesteigert. Die Erlöse seien auf 474 Millionen Euro geklettert, heißt es in der Meldung.
Damit aber nicht genug, sollen die kleinen Männchen noch "cooler" werden, in Zukunft werden mehr "technische Funktionen" in die "Playmobil-Welt" einziehen: "Alarmanlage und Überwachungskamera mit USB-Anschluss gehören ebenso in die Welt der kleinen Spione wie ein Metalldetektor". Ein Körperscanner ist - wie es scheint - noch nicht dabei, das aber dürfte nur eine Frage der Zeit sein, denn: "Die Kinder verabschieden sich immer schneller vom "braven" Spielzeug", wurde die Geschäftsführerin Andrea Schauer zitiert. Da darf man doch hoffen, dass die lieben Kleinen in Zukunft schon etwas früher Bescheid wissen, was da so alles auf sie zukommt, wenn sie sich nämlich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort aufhalten.
Doch natürlich sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, bis hin zur Einführung eines Playmobil-Blackwater-Armeechens lässt sich schließlich alles denken. Wie wäre es - nach dem Freispruch eines "Playmobil Landgerichts" - mit Cocktail trinkenden Waldorfschülern? Vielleicht kommen sie dann so in die Top-News?
Nein, wir wollen nicht undankbar sein; denn was die Welt braucht, sind gute Zahlen statt guter Nachrichten. Da stehen 474 Millionen Euro, 2,3 Milliarden Playmobil-Figuren und 3060 Mitarbeiter gegen zwei Schüler, die ja nur - aufgrund eher fadenscheiniger "Beweise" - fünf Monate im Knast gesessen haben.
Manchmal fragt man sich, in welcher Welt wir eigentlich leben. Gibt es bei Playmobil eigentlich einen Knast? Ich würde dann schon einmal vorsorglich "Haftpflicht" für die "Top-Agents" und die Polizisten hinter den Überwachungskameras vorschlagen.
Vielleicht bin ich ja einfach auch nur altmodisch, aber das ging mir eben so durch den Kopf.
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