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 |  | | Holzstich von Ambrosius Holbein * |
Werbelastiger Nichtartikel ohne erkennbare Relevanz
Ein Kommentar von Max Michels
Die armen Konsumenten, die nicht wissen, wo sie ihr Geld lassen können, haben seit einigen Tagen endlich eine Möglichkeit mehr, sinnvolle und nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen. Denn jetzt gibt es Utopia.de (Kauf dir eine bessere Welt!), die Alternative für den umweltbewussten Verbraucher. Hier ist ab sofort nämlich wirklich alles Öko. Und der Manufaktum-Kunde, der seinen Edelstahl-Briefkasten deshalb so klein wählt, damit der Nachbar sehen kann, wenn der Katalog gekommmen ist (Stichwort: neue Statussymbole), hat ein neues Betätigungsfeld. Er kann jetzt auch Utopist werden.
Für die Nutzer der Webseite ist der Mehrwert auf den ersten Blick eher gering, denn hat man erst einmal die etwas nervige Animation zu Beginn überwunden, findet man eigentlich nichts, was es nicht schon gibt. Nämlich im Fachgeschäft ihres Vertrauens oder im Bioladen auf der anderen Straßenseite. Soziale Netzwerke von Mensch zu Mensch sind schließlich auch nicht zu verachten.
Aber ganz im Ernst: Dieses Portal richtet sich natürlich nicht an jeden. Es sind Angebote für Kulturell-Kreative, Lohas, Neo-Ökos oder Bio-Diesel-Porsche-Fahrer. Diese neue Zielguppe lässt sich mit nachhaltig verpackem Glanz, ein bisschen Glamour und den guten alten Methoden, nämlich klassischer Werbung, besonders gut überzeugen. Wie lange wird es wohl dauern, bis man den Chef von McDonalds-Deutschland auf der Startseite begrüßen kann und findet: Eigentlich ist er doch ganz nett.
Bei Wikipedia allerdings ist ein Artikel unter dem Stichwort Utopia allerdings bereits rausgeflogen: " 8.Nov. 2007 .... (Diskussion | Beiträge) hat „Utopia (Website)" gelöscht (SLA Werbelastiger Nichtartikel zu einem Internetportal ohne erkennbare Relevanz)."
Wer nun aber glaubt, der Autor dieser Zeilen sei ganz und gar gegen diese Werbeform, der irrt sich. Er findet nämlich beim zweiten Hingucken die ganze Sache gar nicht so übel. Man braucht aber etwas Zeit, um durchzublicken. Aber schließlich haben die meisten Müslis auch fast 30 Jahre vom Körnerbrei zum Health-Breakfast gebraucht. Ein bisschen Geduld sollte man also schon haben.
www.utopia.de
* Bildquelle Wikipedia: Einband des Romans "Utopia" von Thomas Morus ( Titelseite der Ausgabe von 1518 (Holzstich von Ambrosius Holbein)
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