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"Arm und Reich - Gesellschaft in der Zerreißprobe" Das Nachtcafé des SWR
Gestern bei Wieland Backes im Nachtcafe. Nach der Einleitung, dem Gespräch mit der Diakonin, hatte ich mehr erwartet, irgendwie war ich ein wenig enttäuscht. "Arm und reich. Driftet die Gesellschaft auseinander?" So lautete es in den Ankündigungen. Niedlich, wie die Damen und Herren sich wanden, um zu erläutern, was sie unter Armut verstehen. Ja doch, sagt Frau Muth, ich habe auch schon einmal einen Hartz IV Empfänger gesehen. Aber so richtig auch wieder nicht. Und der Schauspieler mit der Stimme wie Till Schweiger kauft bei Plus und bemerkt, dass die Kunden keine Bio-Lebensmittel kaufen. Na prima. Der Orgelspieler mit seinem Millionen-Erbe hat mir am besten gefallen. Authentischer blöd sein kann man eigentlich nicht mehr. Der Politikwissenschaftler wollte den Hartz IV Leuten gleich noch was wegnehmen, weil die, was ebenfalls in der Sendung unwidersprochen deutlich wurde, sowieso viel zu viel haben und manche fahren davon sogar noch nach Mallorca. Irgendwas kann da doch nicht stimmen. Auf die Reichen, die dort auftraten, kann man beim besten Willen nicht neidisch sein. Eher muss man Mitleid empfinden. Die haben es ja wirklich nicht so einfach, ihr Geld durchzubringen, die Gewerkschafts-Funktionärin sprach immer treffend von "Kohle". Wenn sie sprach, sah man förmlich den Bergmann vor sich, wie er mit seinem Presslufthammer das Grubengold aus der Tiefe holte. Obwohl es Götz Werner nicht gelang, seine Vision vom Grundeinkommen deutlich zu machen, schien er mir der einzige in der Runde zu sein, der eine Idee von verantwortlichem Handeln vermitteln konnte. Zu sehr waren alle auf sich selbst fixiert und dem Moderator schien die Angelegenheit irgendwann auch nicht mehr ganz geheuer zu sein. Als die Rede auf Herrn Ackermann kam, war ich fast den Tränen nahe, ob der Lobeshymnen, viel mehr als bei dem zeitarbeitenden Hauptschüler, der einem ja nun aber wirklich ein bisschen leid tun konnte. Der Satz, dass er schon mal Reis mit Senf isst, weil seine "Kohle" eben nicht für mehr reicht, ging in der "Werbeeinblendung" für die Kaviar-Kosmetikcreme von Frau Muth unter. Ein wenig erinnerte mich die ganze Debatte an die RTL-Talkshows von Hans Meiser oder Ilona Christen. Aber wie gesagt: ich hatte mir ein bisschen mehr davon versprochen.
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