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Die Könnensgesellschaft - mit guter Arbeit aus der Krise. Eine neue Bedeutung für selbstbestimmte Arbeit. Eine Buchbesprechung von Klaus Jacobsen
Christine Ax ist Philosophin und Ökonomin. Mit "Die Könnensgesellschaft" legt sie ein kämpferisches Sachbuch vor. Dass Arbeit sich unter Freiheitsbedingungen entfalten kann, ist für sie Bedingung für Nachhaltigkeit und Zukunft. Wir alle müssen ein neues Verständnis von Wachstum und Wohlstand entwickeln und sinnlosem Konsum entsagen, um aus dem ökologischen und sozialen Dilemma heraus zu kommen. Europa kommt nach Christine Ax auf dem Weg zu nachhaltiger Wirtschaft von unten, aus gestärkten Regionen, eine besondere Rolle zu. Das Bedingungslose Grundeinkommen scheint ihr "am ehesten geeignet, die Arbeitsgesellschaft in eine neue soziale und ökologische Balance zu bringen."
Konsum ist kein Ersatz für die von ihr aufgezeigte Notwendigkeit, in einem lebenslangen Prozess Fähigkeiten zu entwickeln, sich mit eigenen Grenzen auseinanderzusetzen und an ihnen zu wachsen. Dass der Mensch "nur Ruhe findet, wenn er zu sich selbst unterwegs ist", kennzeichnet das Leiden unserer westlichen Kultur, "das ein in diesem Sinne ungelebtes Leben erzeugt".
Christine Ax benennt die Fehlentwicklungen in Politik und Wirtschaft und fordert, dass für die Krise des Kapitalismus nicht die Opfer dieser Verhältnisse, die über Hartz IV abgestraft werden, zahlen; Vielmehr sollen die Finanzeliten in die Verantwortung genommen werden. Da das Paradigma der Massenproduktion in gesättigten Märkten absurd ist, benötigen wir demnach eine "Wiederbelebung der Vielfalt der Künste (...) als Schlüssel für eine postindustrielle, (...) nachhaltige Gesellschaft".
Die Autorin zeigt auf, dass gerade die aktuelle Politik die Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten – nur 0,2 % aller Unternehmen – durch das Primat der Exportorientierung besonders bevorteilt und die überwältigende Anzahl mittelständiger Betriebe – heute sind mehr als 80 % Kleinbetriebe mit bis zu 10 Mitarbeitern – Opfer dieser Politik sind.
Trotz von ihr genannter apokalyptischer Visionen von sogen. Effizienz der Nano-und Gentechnologie als Vorboten zuküftiger Industrialisierung haben wir Menschen mit unseren Lebensentwürfen und Kaufentscheidungen es noch in der Hand, selbstbestimmter Arbeit neue Bedeutung zu geben.
In weiten Teilen des Buches widmet Christine Ax sich dem Arbeitsbegriff im Verlaufe der Geschichte und gibt viele Beispiele, wo Menschen Veränderungen angehen und Gesellschaft neu gestalten. Es geht ihr nicht um ein Zurück in die Vergangenheit, sondern darum, das Wissen und Können der Jahrhunderte neu zu bewerten und zu nutzen.
"Die Könnensgesellschaft" kann als Anregung für ein verantwortlicheres Handeln und als Teil der Aufbruchsbewegung gesehen werden, die heute z.B. einen fairen Welthandel und breite Bürgerbeteiligung an allen relevanten gesellschaftlichen Entscheidungen fordert.
Christine Ax Die Könnensgesellschaft Mit guter Arbeit aus der Krise 2009 Rhombos-Verlag, Berlin
Nachtrag von Klaus Jacobsen: zur Ergänzung und spirituellen Vertiefung empfehle ich: Hildegard Kurt Wachsen! Über das Geistige in der Nachhaltigkeit 2010 Verlag Johannes M. Mayer, Stuttgart
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