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Sind wir nicht alle ein wenig überlastet? Herr zu Guttenberg auf allen Kanälen. Max Michels von den Beatagenten macht sich einige Gedanken.
Ein bisschen viel Guttenberg in den letzten Tagen. Die Spekulationen über seine Rückkehr schießen ins Kraut und wenn das so weitergeht, wird bald jeder glauben, er ist schon längst wieder da. Infolgedessen wird sich vermutlich kaum jemand wundern, wenn er die deutsche Politik tatsächlich wieder heimsucht. Neu gestylt und ungegelt dürfte er dann wieder eine Klientel erfreuen, der Politik weitgehend schnuppe ist, wenn nur das Outfit stimmt. Die Logik des Herrn von und zu Guttenberg aber ist frappierend: er behauptet allen Ernstes, er könne gar nicht bewusst plagiiert haben, denn wenn er es getan hätte, würde er sich nicht so dumm angestellt haben. Seinen Umgang mit den Daten, die er gesammelt hätte, nennt er selbst schludrig. Außerdem sei er überlastet gewesen, sie wissen schon - Frau und Kind daheim, da kann man sich doch nicht konzentrieren. Oder so ähnlich. Was soll man diesem Herrn eigentlich noch abnehmen?
Über das Buch von Giovanni Lorenzeo, dem Chefredakteur der Zeit, der dem "Promotionsschwindler" Guttenberg bis zuletzt und offensichtlich darüber hinaus die Stange hält, schreibt die Taz: "Die Kapitelnamen, die das Gespräch gliedern, bewegen sich in ihrer Monumentalität zwischen Dostojewski und Thomas Mann: Aufstieg und Fall, Herkunft und Prägung, Politik und Parteien, Gegenwart und Zukunft. Es gibt Familien, in denen jene Melange aus Pathos und Verlogenheit gepflegt wird: Vielleicht ist dieses Buch ein gutes Weihnachtsgeschenk."
Pathos und Verlogenheit. Diese Mischung ist in der Tat - so meine ich - der eigentliche Untergang des Abendlandes, aber angesichts solcher "Charakterfiguren" in leitenden Funktionen, immerhin war Guttenberg mal Kriegs- und Wirtschaftsminister, verwundert es auch nicht, wenn wir uns mit ziemlich schnellen Schritten dem Verfallsdatum dieser Gesellschaft nähern.
Sollte es, was zu vermuten ist, tatsächlich zu einem Comeback dieses Herrn in die deutsche Politik und in Verantwortungsbereiche kommen, in denen es auf Lauterkeit und Integrität ankommt, wäre nach meiner Auffassung noch weniger zu retten, als es ohnehin schon ist. Adel verpflichtet? Es fragt sich allerdings, wozu.
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