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 |  | das paderborner hasenfenster april 2011 |
Ein uraltes Symbol und seine Darstellung in den unterschiedlichsten Zeiten. Von der chinesischen Seidenstraße nach Europa. Das Dreihasenfenster in Paderborn und der Hase bei Joseph Beuys. von Regina Reinsperger
Im chinesischen Tierkreis ist der Hase das vierte Tier und sitzt nach altem chinesischem Glauben noch heute im Mond und gilt deshalb als Attribut der Mondgottheiten. Wird der Hase weiß dargestellt, ist er über 1000 Jahre alt und ein Symbol für Göttlichkeit und Langlebigkeit, ein roter Hase steht für Frieden, Glück und Wohlstand. Als lunares Symbol symbolisiert er zudem Weiblichkeit, Fruchtbarkeit, Verjüngung, Wiedergeburt und Intuition.
Auch die Legende von Buddha und dem Hasen ist bekannt: der Hase bot sich selbst dem im irdischen Leib verkörperten Buddha zur Speise an und sprang ins Feuer. Seitdem symbolisiert der Hase im Buddhismus vollkommene Selbstaufopferung und um das Andenken an sein Opfer zu ehren, versetzte Buddha das Bild des Hasen in den Mond.
Über die chinesische Seidenstraße kam das Hasensymbol vermutlich schon in der Antike über Kleinasien und die Mittelmeerkulturen nach Europa. Erste frühchristliche Darstellungen finden sich auf Tonlampen, Töpferwaren Epitaphien, Reliefs und in den Katakomben.
Die in Deutschland bekannteste Darstellung ist das Dreihasenfenster im spätgotischen Kreuzgang des Paderborner Doms. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert und man sieht im Maßwerkkreis drei Hasen in einem gleichseitigen Dreieck angeordnet. Die Hasen sind in Bewegung und ihre Bewegungsform erinnert an ein buddhistisches „Rad des Lebens". Die Besonderheit der Darstellung drückt der Volksmund so aus: „Der Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei" – die Hasen sind an den Ohren so vereinigt, dass jeder Hase seine beiden Ohren hat, aber insgesamt nur drei zu sehen sind. Das Fenster dürfte zu den am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt Paderborn gehören.
Die Anordnung: Kreis und Dreieck der Ohren wird als Hinweis auf die Trinität angesehen. Die verdeckten Ohren sind aber auch ein Zeichen für den Mond, der ja ganz, halb oder gar nicht zu sehen ist. Die im Rad springenden Hasen symbolisieren zusätzlich den Kreislauf der Zeit: die Schnelligkeit mit der ein menschliches Leben vergeht, also ein „Memento-mori-Symbol.
Ähnliche Darstellungen wie in Paderborn finden sich auch in anderen Kirchen, das Motiv war im 16. Jahrhundert sehr beliebt. Auch Dürer malte ein Bild „Die heilige Familie mit den drei Hasen", auf einem Flügel des Hochaltares des Freiburger Münsters spielen zwei Hasen zu Füssen der schwangeren Maria und Elisabeth. Heiligenattribut ist der Hase beim heiligen Martin von Tours und Albert von Siena. Auch im Wappen der Stadt Hasloch ist das Motiv der drei Hasen zu finden.
In der profanen Kunst wurde der Hase ebenfalls vielfältig dargestellt, Dürers Hasen kennt wohl jeder und auch die unzähligen Stillleben, auf denen ein Hase als erlegte Jagdbeute und künftiger Braten dargestellt ist.
Einen besonderen Bezug zum Hasen hatte auch Joseph Beuys: "Für mich ist der Hase das Symbol für die Inkarnation, Denn der Hase macht das ganz real, was der Mensch nur in Gedanken kann. Er gräbt sich ein, er gräbt sich einen Bau. Er inkarniert sich in die Erde, und das allein ist wichtig." Seine bekannte Performance vom 26.11.1965 nannte er: "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt." *
Es ist Ostern, das Fest der Auferstehung und des neuen Lebens, also lassen wir den Hasen leben und freuen uns mit den Kindern über den Osterhasen, der in der Nacht zum ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond wieder so viele schöne, bunte Eier gebracht hat.
* wikipedia
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