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Kopf schlägt Kapital


zu einem Buch von Günther Faltin
von Otto Ulrich

Jeder kann Entrepreneur
werden!
Die ganz andere Art,
ein Unternehmen zu gründen

"Es ist die Qualität der Idee, die den Ausschlag gibt." Nur scheinbar ist damit schon alles gesagt, denn das weiß doch eigentlich jedes Kind. Nur, hatten denn all die vielen Gründer neuer Unternehmen keine Ideen? Warum scheitern sie reihenweise, bis zu 80 Prozent schon nach 5 Jahren? Waren ihre Ideen nicht neu genug, waren sie nicht unkonventionell genug, wurden sie gar falsch beraten? Was ist da los?
Hier setzt Günther Faltin an, ob als Sozialromantiker oder als Sozialrevolutionär, es wird sich noch zeigen. Zunächst einmal geht es ihm darum, die wenig motivierende Bankrottwelle, und die damit wohl zusammenhängende, offenbar eingefahrene also wenig fördernde konventionelle Gründungsberatung zu überwinden. Etwas ist falsch an der Art, wie versucht wird, Unternehmen zu gründen. Dabei geht es auch ganz anders: Faltin möchte Menschen, die zwar Ideen aber zumeist kein Geld haben, davon überzeugen, dass es möglich ist zum erfolgreichen Unternehmer aufzusteigen. Dies ist mehr als nur ein schöner Traum: An vielen Beispielen wird gezeigt, wie jeder ganz praktisch an eigenen Ideen arbeiten kann, sie wie ein Puzzle kombiniert und daraus etwas Neues schafft das eigene Unternehmen. Je unkonventioneller man denkt, um so besser!

Dazu muss aber, wie eindrucksvoll begründet wird, zunächst das alte, rein kaufmännische Unternehmerbild überwunden werden, die Zeit des „Entrepreneur scheint gekommen, „die zweite Stufe der Aufklärung ist zu zünden. Der Gründer vom Typ: „Extremsportler mit masochistischem Einschlag sollte der Vergangenheit angehören.
Im „Entrepreneur, in diesem breiter gefassten angelsächsischen Verständnis vom Unternehmer schwingt mit, um was es immer mehr geht: den Schöpfer der Idee, wie die Idee selber, das Ideen-Kunstwerk in den Mittelpunkt zu stellen und daran zu glauben! Nur dies macht es möglich, Visionen in die Wirklichkeiten zu bringen, die diese so sehr braucht.

Nicht Trends nachlaufen, Patente und neue Technologien sollten lediglich als Rohmaterial genutzt werden, Businesspläne werden als falscher Glaube entlarvt, sie treiben die angehenden Gründer in die Arme von Banken und Arbeitsamt was genau nicht weiter hilft: es geht um den Prozess, also darum, künstlerisch anmutend, eher als Komponist seines werdenden Unternehmens frei zu bleiben von ablenkenden Fußangeln. Es geht eben nicht darum, als „Selbstständiger alles selbst zu machen und das ständig Faltin zeigt, wie dieser Falle entgangen werden kann hat er doch dieses selber, obwohl kein Teekenner(!), erfolgreich mit seiner Idee, der „Teekampagne, seit 1995 bewiesen, was eine Geschichte neben anderen in diesem so facettenreichen und immer wieder überraschenden Buch ist.

Wie der Autor - Professor an der Freien Universität in Berlin, er hat dort den Arbeitsbereich Entrepreneurship aufgebaut zum Entrepreneur wurde, ist ein spannender Aspekt in diesem Buch, das, zumal auch noch ganz allgemein verständlich geschrieben, sich aber durchaus wie ein praller Lebensratgeber eben für alle liest: denn jeder kann sein eigner Entrepreneur sein, womit Günter Faltin nicht nur Josef Beuys abwandelt sondern auch gleich anzeigt, was mit zum Geheimnis des erfolgreichen Entrepreneurs gehört, will dieser doch ein Unternehmen der ganz anderen Art gründen.

Im Anhang befindet sich ein Interview, das der Autor mit Muhammed Yunus, dem Friedensnobelpreisträger von 2007 geführt hat, in diesem geht es darum anzuerkennen , dass es stets um mehr geht als nur um die Verbesserung der ökonomischen Lage. Immer und auch weiterhin gilt: „Kopf schlägt Kapital, es geht noch immer darum: wer gute, neue, möglichst unkonventionelle Ideen hat, der bekommt auch das Geld, um seine Vision in die Welt zu bringen.
Geld ist allemal da, und nun zeigt Günter Faltin, auch und gerade mit seinem „Labor für Entrepreneurship wo er schon erfolgreiche und noch werdende Gründer um sich versammelt hat wie es möglich ist, was Professor Yunus aus seiner großen internationalen Erfahrung bestätigt, „dass alle Menschen geborene Unternehmer sind!

Dieses müsste ihnen nur immer wieder gesagt werden, sie müssten immer wieder neu ermutigt werden davon auch Gebrauch zu machen: es gilt an sich selbst zu glauben, an seine Ideen, seine Visionen, seine Träume. Dies gilt auch für jene, die nicht ausgebildet sind, dem Bettler, der Bettlerin aus Bangladesh, Indien oder Afrika womit durch dieses Interview der Anschluss zur laufenden Weltdebatte hergestellt wird: Allen Menschen eine Chance zu öffnen, an sich selbst zu glauben, in sich die Fähigkeiten zu erkennen, die Dinge selbstständig anzufassen.

„Bildung sollte die Menschen ermutigen, selbstständig zu denken und ihre Talente zu entdecken, anstatt nur den Weg für eine spätere Anstellung in einem Unternehmen zu ebenen. Man sollte sich nicht davon abhalten lassen, herauszufinden, dass man auch Dinge ganz anders machen kann womit sich dieses faszinierende Buch endgültig als das ausweist was es offenbar auch anstrebt: Wege zu zeigen, die es möglicher machen, die Probleme der Welt zu lösen.
Die Beweise dafür kann jeder legen, der den Mut hat, sich daneben zu bewegen, um hier, außerhalb der eingefahrenen Bahnen des Alltags und des Denkens mutige neue Wege in die Zukunft zu gehen. Das Buch kann und will wohl auch dazu eine große Hilfe sein.

Günter Faltin ist ein Sozialrevolutionär, er glaubt an den Menschen und seine noch zu entwickelnden Möglichkeiten und er zeigt an vielen Beispielen, wie erfolgreiche Unternehmen zunächst im Kopfe entstehen, „... und je mehr sie einem vollendeten Kunstwerk gleichen, desto mehr werden sie sich durchsetzen.

 

Günter Faltin: Kopf schlägt Kapital.
Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen.
Von der Lust ein Entrepreneur zu sein.

248 Seiten

Hanser Münschen 2008
ISBN-10: 3446415645
ISBN-13: 978-3446415645

 

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