Themen der Zeit
 Suche  | Links  | Kontakt  | Impressum 
 
 
 
 
 

 


 

zur Nachrichten-Übersicht


Große Kehrwoche in Stuttgart

01.10.2010

Stuttgart 21. Wasserwerfer und Reizgas gegen Kinder und Jugendliche
von Michael Mentzel

Die Schwaben sind ein ordentliches Volk. Legionen von Berichterstattern haben bisher ein Bild von Stuttgart gezeichnet, wie es sauberer nicht sein könnte. Und auch wenn es manchmal auch überzeichnet schien mit all der Ordentlichkeit, ist den Stuttgartern offensichtlich schon seit geraumer Zeit der Kragen geplatzt. Unverdrossen wird in Stuttgart demonstriert: gegen eine Stadt- und Landesregierung, die scheinbar ohne Sinn und Verstand den Bürgerwillen negiert und mit Wasserwerfern und Reizgas sogar gegen Jugendliche und Kinder vorgeht. Die Bilder der gestrigen Demonstration im Schlosspark zeigen beispielhaft und auf erschütternde Weise die Hilflosigkeit der Politik gegenüber immer selbstbewusster auftretenden Bürgerinnen und Bürgern.

Demokratisch gefasste Beschlüsse sind zwar legitimierte Beschlüsse, aber wer versucht, unvoreingenommen hinzuschauen, wird bemerken, dass sich hier etwas entwickeln könnte, dem der Staat auf "normalem" Wege nicht mehr lange gewachsen sein wird. Es beginnt sich - und das nicht nur in Stuttgart - eine neue Protest-Kultur zu etablieren, die mitreden, mitgestalten will.

Wer jetzt davon redet, dass in Stuttgart so genannte "Berufskrawallmacher" das Feld dominieren, ist entweder falsch informiert oder trägt eine beschlagene Brille ohne den richtigen Durchblick. Der Versuch, durch das Abholzen der Bäume im Schlosspark Fakten zu schaffen, könnte sich als Schuß nach hinten erweisen und den wackeren schwäbischen Hütern von Recht und Gesetz noch arge Probleme bereiten. Ist es nicht vielfältig überliefert: Wer einmal versagt hat beim Kehren der Straße, obwohl er dran war, wird diesen Makel so schnell nicht vergessen. Tatort-Kommissar Bienzle und andere haben davon schon so manches Lied gesungen.

Jetzt aber ist Schluss mit lustig. Die Stuttgarter Bürger haben neue Saiten aufgezogen und spielen zum Tanz auf. Sehr schnell könnte daraus ein Reigen werden, der auch die restliche Republik erfasst. Herr Mappus und mit ihm die ganze Clique der scheinbaren "Recht-Haber" sollten aufpassen, dass ihnen dabei nicht schwindelig wird, denn das behäbige schwäbische Schunkeln zur Volksmusik in Zimmerlautstärke war gestern. Was würde wohl Willy Reichert dazu sagen?

 

reklame

tdz jetzt bei twitter
werbung_tdz
steiner2011