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 |  | © maike mentzel |
Der Klimawandel ist in vollem Gang, auch wenn er auf der Agenda der Medien nicht unbedingt immer ganz oben steht. Die Entwicklung der Daten deutet darauf hin, dass eine globale Erwärmung von 4 Grad Celsius bis zum Jahrhundertende nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Ein Kommentar zu einem brennenden Thema von Otto Ulrich, Bonn
Der Reflex geht so: Immer wenn ein Terroranschlag droht oder gar stattfand, wird laut nach mehr Planstellen für die Polizei gerufen – und zumeist, so ist zu vermuten, wird das auch umgesetzt. Der Reflex beim Klimawandel geht offenbar so: In dem Maße, wie die wirklich harten klimabedingten Turbulenzen auch bei uns näher rücken – wie dieser Artikel unabweisbar belegt – wird immer lauter nach mehr Planstellen, nach mehr vorbeugender Sicherheitsinfrastruktur im Katastrophenschutz gerufen. Das ist gut, das ist wichtig, aber reicht es aus, Flussauen zu schützen, Deiche zu erhöhen (ein Jahrhundertprogramm), den technischen Katastrophenschutz weiter zu optimieren, noch mehr Sandsäcke, bewegliche Stege vorbeugend zu stapeln – wenn erkennbar ist, dass genau an der Front, um die es im Kern geht, keine Fortschritte erzielt werden, wenn im Gegenteil immer wieder Rückschläge zu verzeichnen sind?
Das Jahr 2010 ist wieder ein verlorenes Jahr, die globale Temperatur ist im vergangenen Jahrzehnt ebenso stark gestiegen wie in den beiden Dekaden zuvor. Daten der NASA besagen, dass 2010 die bodennahe Erdatmosphäre 0,63 Grad wärmer war als im Mittel der Jahre 1951 bis 1980.
Längst ist es im Umfeld des Weltklimarates kein Geheimnis mehr, dass das pessimistischste Szenario, eines, das auf keinen Fall eintreten darf, durchaus schaurige Chancen hat zur Wirklichkeit zu werden.
Danach geht es längst nicht mehr um die Einhaltung der „2-Grad-Celsius-Grenze“, über die die globale Temperaturerwärmung keineswegs steigen darf, wenn menschenwürdiges Leben auf der Erde noch möglich sein soll. Die Trends der Daten deutet unabweisbar darauf hin, dass eine globale Erwärmung von 4 Grad Celsius bis zum Jahrhundertende nicht mehr ausgeschlossen werden kann.
Ein Faktor ist - als Beispiel – die Kohle: der billigste und schmutzigste Energieträger den die Erde freigibt, es ist genau der hoch CO2-durchtränkte Stoff, mit dem China massenhaft seinen feurigen Aufstieg betreibt. 2010 lag der Kohle-Anteil am Weltenergieverbrauch bei 27 Prozent, etwa genau der Höhe, die der Weltklimarat in seinem pessimistischsten Scenario unterstellt hat.
Die Welt liegt im Trend, das verheißt nichts Gutes, und da hilft auch kein Katastrophenschutz weiter, und da helfen auch erneuerbare Technologien nicht weiter, allerdings, genau damit lassen sich heute noch gute Geschäfte machen. Dem Klimaschutz aber nutzen hochtechnologische Dünnschichtsolarzellen überhaupt nichts, wenn wir alle ansonsten so weiter machen wie bisher, kaufen, kaufen, kaufen…
Dr. Otto Ulrich ist Buchautor und Entwickler des Weltklimaspiels "Cooling down - die Weltklimakonferenz"
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