|
Feldversuche zum Bedingungslosen Grundeinkommen geplant
mm/tdz. 19.12.2009 - Wie die Zeitschrift Manager Magazin am 17.12.09 in einer Vorab-Pressemitteilung gemeldet hatte, will die in Stuttgart beheimatete Breuninger-Stiftung zwei Feldversuche durchführen, die belegen sollen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen "Menschen zu beruflich oder ehrenamtlich sinnvollen Tätigkeiten" anregen kann. Eine Projektgruppe hätte bereits "einen Versuchsplan" ausgearbeitet. Auch das von Götz Werner - einem der engagiertesten Verfechter eines bedingungslosen Grundeinkommens - geleitete Interfakultative Institut für Entrepreneurship in Karlsruhe hat an dessen Ausarbeitung mitgewirkt, heißt es in der Meldung.
Der Plan sieht vor, dass an zwei deutschen Standorten je 100 Teilnehmer ein Grundeinkommen von 800 € zuzüglich der Beiträge zur Sozialversicherung erhalten sollen. Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, wurden Standorte mit unterschiedlicher Wirtschaftskraft ausgewählt, nämlich das wirtschaftlich starke Stuttgert und eine strukturschwächere Gemeinde in Brandenburg.
Beginnen soll das Projekt Mitte 2010. Als Gesamtkosten für das Projekt seien sieben Millionen Euro veranschlagt. Einen Teil davon würde die Breuninger Stiftung beitragen, geplant sei aber auch, Spenden von Unternehmen und anderen Stiftungen sowie zusätzliche öffentliche Mittel einzuwerben.
Zur Zielgruppe des Projekts zählen, so heißt es weiter, "Hochschulabsolventen mit schlechten Jobperspektiven genauso wie Mütter nach der Babypause, Frührentner, Hartz-IV-Empfänger oder Langzeitarbeitslose."
Bereits im April hatte Helga Breuninger auf der Webseite der Breuniger-Stiftung in einem Aufsatz ihre Vision des Projektes vorgestellt: "Wäre die Uni nicht der ideale Ort, um zu erproben, was gut ausgebildete junge Menschen in dieser Zeit mit einem bedingungslosen Grundeinkommen für ein ganzes Jahr machen? Wäre das nicht das richtige Projekt zur richtigen Zeit? Und wäre es nicht sinnvoll, eine zweite Gruppe in das Projekt mit aufzunehmen, Menschen, die ihren Arbeits- bzw. Erwerbsplatz schon verloren haben?"
Bemerkenswert ist das Vertrauen, dass Frau Breuninger der Zielgruppe entgegenbringt: "Ja, ich glaube daran, dass Menschen die Initiative ergreifen, wenn sie dafür frei sind und doch bin ich gespannt, was Menschen wirklich tun, wenn sie über ein Grundeinkommen verfügen."
Ein solches Projekt zu starten, verdient Anerkennung, denn noch immer gilt für die meisten Politiker das Paradigma einer Vollbeschäftigung für Alle und die Forderung, dass wer essen wolle, gefälligst auch arbeiten müsse. Paradigmen, die nach Ansicht von Götz Werner und anderen Grundeinkommensbefürwortern längst überholt sind. Der Versuch, mit diesen Feldversuchen die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens auf den Boden der Realität zu holen, ist ein weiterer Schritt zu einer Veränderung der sozialen Verhältnisse in Deutschland und kann von daher gar nicht hoch genug bewertet werden.
Michael Opielka, Professor für Sozialpolitik an der Fachhochschule Jena und renommierter Grundeinkommensforscher (zuletzt: "Grundeinkommen und Werteorientierungen", VS Verlag 2009) begrüßt die Initiative der Breuninger Stiftung sehr. Er erinnert daran, dass zwischen 1968 und 1980 in den USA mehrere groß angelegte Modellprojekte mit der Negativ-Steuer, einer Variante des Grundeinkommens, sehr erfolgreich durchgeführt wurden. Für Opielka wäre das Breuninger-Projekt gut beraten, auch in die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung zu investieren.
|