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FOOD CRASH

24.09.2011

"Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr". Zum Buch FOOD CRASH von Felix zu Löwenstein, Vorstand des BÖLW und Öko-Landwirt. "Es gibt Lösungen. Wir können und müssen zuvor aber ein paar Bedingungen schaffen, damit Lösungen möglich werden."
von Michael Mentzel

Um zu erkennen, dass ein Umdenken in der Frage der Ernährung der Weltbevölkerung mehr als notwendig ist, muss man kein Prophet sein und auch keiner, der Lust am Untergang hat. Ein klarer Blick darauf, wie die Weltagrarwirtschaft mit den Ressourcen der Erde umgeht, genügt schon, um den Argumenten und Ergebnissen, wie sie in diesem Buch dargelegt sind, folgen und mit zu Löwenstein festzustellen zu können: "Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr." So lautet der Untertitel des Buches "FOOD CRASH", das vor einigen Tagen in Berlin vorgestellt wurde und inzwischen überall zu haben ist.

Das Buch spiegelt die persönliche Betroffenheit, aber auch das Engagement des Landwirtes und Vorstandsmitglieds des BÖLW (Bundesverband Ökologischer Lebensmittelwirtschaft) Felix Prinz zu Löwenstein wider. Und es sind zum Teil bittere Erkenntnisse, die er in seinem Buch auffächert. Wenn er die Auswirkungen der Gewinnung von "Bio"-Energie auf die ökologische Landwirtschaft und damit auch der Erzeugung von Lebensmitteln schildert, wird ziemlich schnell klar, dass der Begriff "Bio" in diesem Kontext vielleicht nicht der richtige ist.

Sehr ausführlich und mit Zahlenmaterial belegt, widmet sich der Autor der Frage, welchen Einfluss unser Fleischkonsum auf die Verfügbarkeit der Futtermittel hat oder in Zukunft haben wird. Es mag sein, dass viele dieser Zahlen und Vergleiche längst bekannt sind und daher oft nicht mehr richtig zur Kenntnis genommen werden, da aber zu Löwenstein seine Recherchen mit seinen persönlichen Erfahrungen und Einsichten kombiniert und dann ohne moralinsaures "wirmüssenaberjetztmalendlich" präsentiert, hat das etwas - trotz aller Dramatik - Erfrischendes und vor allem Aufbauendes.

In insgesamt sechs Kapiteln entwickelt zu Löwenstein eine Art Lehrwerk, das zwar, so der Autor selbst an einer Stelle des Buches: "keinen wissenschaftlichen Anspruch" habe, aufgrund seiner umfangreichen und anschaulich präsentierten Faktensammlung aber gleichwohl geeignet erscheint, als Hintergrundmaterial auch in der Oberstufe von Schulen eingesetzt zu werden.

Ein Titel wie FOOD CRASH klingt natürlich erst einmal plakativ provokant; ob es aber von den Agrarkonzernen und der Düngemittelindustrie - um die geht es nämlich auch in diesem Buch - so zur Kenntnis genommen wird, wie es angesichts des Zustandes notwendig wäre, darf bezweifelt werden. So überzeugt, wie die Strategen in den Vorstandsetagen der Konzerne von ihren Produkten sind, werden sie sich schnell wieder ihrem Tagesgeschäft zuwenden. Einem Tagesgeschäft, das - ob in Somalia, Ruanda oder Haiti - für all zu viele Menschen in der Welt Hunger, Elend und Perspektivlosigkeit bedeutet.

Das Buch bietet den interessierten LeserInnen jede Menge gut verständlichen Stoff, um sich über die Bedingungen und Notwendigkeiten der Weltagrarwirtschaft und den Einfluss der Konzerne und der Politik auf die Entwicklung unserer Klimasysteme und die weltweit bestehenden landwirtschaftlichen Organismen zu informieren und daraus einen Nutzen zu ziehen. Es geht darum, die Rahmenbedingungen und die Strukturen zu verändern, aber es geht auch und gerade darum, dass der einzelne Mensch als Verbraucherin oder Verbraucher etwas tun kann, um sich mit den Folgen und Auswirkungen des eigenen Lebensstils auseinanderzusetzen und Veränderungen herbeizuführen. Dazu jedoch brauchen wir fundiertes Hintergrundwissen über Zusammenhänge.

Man spürt, dass hier kein Dogmatiker am Start ist, sondern dass hier einer aus der Praxis schreibt. So auch im vierten Kapitel, in dem es um die Effizienz der konventionellen Landwirtschaft mit ihrem intensiven Einsatz von chemischen Düngemitteln geht; in diesem Kapitel befindet sich auch das "Wort an die Berufskollegen", die er bittet, um "die Bereitschaft - von mir aus mit skeptischem Stirnrunzeln -, mir in das nächste Kapitel zu folgen, in dem ich die Behauptung aufstellen möchte, dass ökologisch geht, was mit dem auf Dauer nicht mehr möglich ist, was wir heute konventionell nennen."

FOOD CRASH ist, so meine ich, ein lesenswertes Buch, weil Felix zu Löwenstein damit auch zeigt, dass er es nicht aufgegeben hat, für ein neues Verständnis für lokale, aber auch globale ökologische Zusammenhänge zu werben und der damit verbundenen Notwendigkeit einer veränderten Agrapolitik einmal mehr eine Stimme zu verleihen. 

Im Anhang des Buches beschäftigen sich Prof. Dr. Urs Niggli und Dr. Alexander Gerber in ihrem Nachwort mit der Bedeutung der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft für Innovationen in der Landwirtschaft und zur Sicherung der Ernährung.


Felix zu Löwenstein
FOOD CRASH
Gebundene Ausgabe
320 Seiten
Pattloch-Verlag
ISBN: 9783629023001
ISBN: 3629023002
19.99 €

 

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