Themen der Zeit
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Auch unser Autor Philip Kovce hat sich zu der Sendung „Menschen bei Maischberger“, in der es im Wesentlichen um Ralph Boes und seinen Kampf gegen die Hartz IV-Sanktionen ging, seine Gedanken gemacht. Herausgekommen ist ein Plädoyer für einen gelassenen Umgang mit Themen wie diesen und vor allem ein Plädoyer für den mündigen Zuschauer.
Philip Kovce

Nach dem Auftritt von Ralph Boes bei Maischberger dachte ich im ersten Moment: Hätte Boes sich nicht besser mit Katja Kipping verbünden können, um seinem Anliegen – der Abschaffung von Hartz IV; der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens – mehr Gewicht zu verleihen? Hätte er nicht besser mit beiden Füßen auf dem Boden, anstatt im Schneidersitz auf der Couch sitzen sollen, um seriöser zu wirken? Hätte er nicht mehr Fragen stellen und weniger Antworten geben müssen, um Herzen zu öffnen, anstatt zu verschließen? Hätte, hätte, hätte.

Meine derartigen Zweifel verflogen jedoch rasch. Denn was wäre passiert, wenn Boes mehr gefragt, brav dagesessen und anständig parliert hätte? Dann hätte es hinterher geheißen: Warum war er denn nicht angriffslustiger, nicht rebellischer, nicht wütender? Warum, warum, warum.

Interessanter als die Frage, wer was hätte besser machen können, ist die Frage, wer wie damit lebt. Da scheiden sich die Geister. Da sind die einen, die Boes als „frechsten Hartz-IV-Schnorrer“ (Bild) verunglimpfen, und die anderen, die ihm „umstandslos auch den doppelten Hartz-IV-Satz auszuzahlen“ (taz) empfehlen, weil er sich weigert, Menschen durch sinnlose Callcenter-Jobs zu belästigen. Da sind die einen, die ihm alles erdenklich Ungute wünschen, und die anderen, die sich in tiefer Not verstanden und ermutigt fühlen.

Es obliegt also dem Zuschauer, die Sendung weiter zu bewegen, zu drehen und zu wenden. Wer meint, jemand könne mit seinem Auftritt seinem Anliegen schaden, unterstellt zugleich, dass andere unfähig sind, beides zu unterscheiden. Wer Boes’ Anliegen nicht teilt, wird seinen Auftritt genüsslich dagegen ausspielen. Wer sein Anliegen unterstützt, wird von dem Auftritt abstrahieren – ganz egal, ob er ihn für ge- oder misslungen hält.

Eine TV-Sendung dauert an, wenn ein Anliegen sie überdauert. Wenn es zur Sendung wird. Darüber entscheiden keine Politiker, sondern wir. Jeder Zuschauer, jeder souveräne Bürger.

 

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