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Was ist anthroposophischer Journalismus?


Titelblatt Märzausgabe

Einige Gedanken über die Zeitschrift "die drei"
von Michael Mentzel

Was ist anthroposophischer Journalismus? Eine Frage, die seit Beginn des vorigen Jahrhunderts die Menschen bewegt, die mit Anthroposophie verbunden sind und deren Aufgabe darin besteht, Zeitgeschehen unter anthroposophischen Gesichtspunkten zu beleuchten. Vor einiger Zeit hat TdZ einen Teil der Anthro-Presse unter die Lupe genommen und versprochen, "die drei" noch gesondert zu kommentieren.
Worum handelt es sich bei dieser Monatszeitschrift?

"die drei" ist keine Mitgliederzeitschrift, denn sie ist überall erhältlich. Jedes Heft hat einen Schwerpunkt, ein breitgefächertes Spektrum zieht sich so durch das Jahr. Als wirklich positive Eigenschaft kann man die wohltuende Abwesenheit von Dogmatismus und dieser Art Sendungsbewusstsein empfinden, das leicht durchscheinen kann, wenn man sich einer Sache zu sehr verbunden fühlt, wie dies in Teilen der deutschen Medienlandschaft (unterschwellig) durchaus praktiziert wird. Der kundige Leser spürt die mitschwingende intentionale Absicht und kann ihr zustimmen oder ärgerlich auf diese Art Meinungsdiktat reagieren. Nichts davon ist für mich in "die drei" zu finden.

Ein Blick in alte Ausgaben von "die drei" zeigt die Dimension der Verantwortung der heutigen Redaktionsteams gegenüber den großen Denkern, Schreibern und gesellschaftspolitischen Visionären der Anthroposophie, die seit 1921 hier ihre auch ihre Essays und Beurteilungen des damaligen Zeitgeschehens hinterlassen haben, etwa Rudolf Steiner, Eugen Kolisko, Hermann Beckh und noch manch anderer, deren Texte gerade heute (wieder) eine Wiederentdeckung alten, aber doch ganz frisch wirkenden Wissens darstellen. Zeitgeschehen kommentieren, gesellschaftliche Phänomene unter geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkten zu beschreiben, ist eine nicht leichte Aufgabe. Die Macher von "die Drei" schaffen diesen Spagat zwischen der "normalen" und der "anthroposophischen" Welt erstaunlich gut – obwohl hier, gemessen an der traditionellen inhaltlichen Linie, eine gewisse Zurückhaltung bei jenem Themenkomplex erkennbar ist, der versucht, die geistige Situation der Gegenwart originell anthroposophisch und nicht entlang der Argumentationslinien bekannter überregionaler Zeitungen zu kommentieren.

Die Welt kann eine Zeitschrift wie "die drei" gut gebrauchen, nicht nur, weil sie einer großen Tradition und ihren Vorgaben verpflichtet ist, sondern weil sie verantwortlich bleibt, dem suchenden und fragenden Menschen Orientierung zu geben, ohne fertige Antworten zu geben und damit das selbständige "Weiterdenken" erlaubt.

Selbstkritisch muss ich anmerken, dass ein Blick aus ähnlicher Perspektive - in diesem Falle der Nähe zur Anthroposophie - immer ein wenig durch Sympathie getrübt sein kann, wer wollte es bestreiten, aber vielleicht ist es ja auch gestattet. Die Autoren sind ausgewiesene Kenner der Materie, über die sie berichten und die sie kommentieren. Von klarer Analyse zeugen auch die Besprechungen von Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt, immer wieder gelingt es, die Sachverhalte präzise und nachvollziehbar darzustellen.

Das Layout, nicht übertrieben "gestylt", strahlt aber trotzdem eine gewisse Ästhetik aus. Was mir nicht so gefällt, ist das Logo auf dem Titelblatt, es wirkt auf mich etwas antiquiert und will nicht so recht zum Anspruch passen. Die Bildauswahl ist fast immer eine Wohltat, ein weiteres positives Merkmal ist die hohe Bildqualität.
Darf eine anthroposophische Zeitschrift Spass machen? Ja.

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