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Neue Wege im Gesundheitswesen ein Beitrag von Michael Mentzel
Können Solidargemeinschaften die Krankenkassen ersetzen? Diese Frage ist seit der Gründung von Artabana und einiger vergleichbarer Organisationen (z. B. Samarita) vakant. Die Solidargemeinschaften, die sich untereinander im Verbund in Krankheitsfällen unterstützen, hatten in den letzten Jahren einen enormen Zulauf. Gegründet wurden sie von dem Arzt Roland Koller in der Schweiz bereits vor 20 Jahren. Nachdem es auch in Deutschland am Bodensee und in der Nähe der Schweizer Gemeinschaften zum Ende der neunziger Jahre zur Gründung von lokalen Gemeinschaften gekommen war, wuchs die Bewegung in Deutschland sehr schnell. Lokale Gemeinschaften schossen wie Pilze aus dem Boden und im Jahre 2005 hatte die Artabana-Bewegung in Deutschland insgesamt mehr als 1500 Mitglieder. Für viele Gemeinschaften allerdings war die Größe ein Problem, bedingt durch eine zunehmende Zentralisierung der Aufgaben. Kommunikation und Geldflüsse mussten professionalisiert werden, es wurden Treuhänder gebraucht, die über das gemeinsame Konto zu wachen hatten und so bildeten sich nach und nach Vereinsstrukturen heraus, die von vielen Mitgliedern argwöhnisch beobachtet wurden.
Im Artabana-Bund, dem Zusammenschluss der deutschen und Schweizerischen Gruppen, führten unterschiedliche Ansichten über die Anerkennungspraxis zu Spannungen und der Bund löste sich 2005 auf. Bis dahin war die Anerkennung der lokalen Gemeinschaften Sache des Bundes. Der Bund sah sich jedoch wegen des raschen Wachstums der deutschen Artabana-Bewegung nicht mehr in der Lage, innerhalb angemessener Frist über die Anerkennung neuer lokaler Gemeinschaften zu entscheiden. Bemerkenswert ist, dass sich sämtliche Meinungsverschiedenheiten ausschließlich auf Fragen der Organisationsstruktur bezogen; hier gingen die Bedürfnisse vom mündlichen Hilfeversprechen bis zur detailliert ausgearbeiteten Verfassung. Einmütigkeit herrschte stets hinsichtlich der Artabana-Idee, obwohl die Artabana-Bewegung jeden Rechtsanspruch auf Geldleistungen ausschließt und von jedem Mitglied verlangt, dass es ausschließlich auf die Solidarität der übrigen Mitglieder vertraut (als Gegenleistung für seine Beiträge). Dies ist der Grund, warum jede Gemeinschaft großen Wert legt auf eine Vertrautheit der Mitglieder untereinander.
Die Ausdehnung der Artabana-Bewegung auf ganz Deutschland führte zur Idee der Regionalisierung, d. h. zur Gründung von Verbünden, deren Lokalgemeinschaften sich zu regionalen Verbünden und Sympathie-Gemeinschaften zusammenschlossen. Heute gehören die lokalen Gemeinschaften entweder zum Artabana Deutschland e.V., einem Regionalverbund, oder beiden oder keinem dieser Zusammenschlüsse an. In ihrer jeweiligen Organisationsform sind sie gänzlich frei; der Zusammenhalt besteht in der Artabana-Idee. Die lokalen Gemeinschaften haben in der Regel nicht mehr als 15-20 Mitglieder, die sich untereinander kennen und so die Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen besser als in einem anonymen Verband möglich machen. Die gelebte Artabana-Idee reicht über die Hilfe in Krankheitsfällen weit hinaus. Reichen die eigenen Mittel der lokalen Gemeinschaft im Krankheitsfall nicht aus, tritt die regionale Gemeinschaft solidarisch ein und kann auf kurzen Wegen durch schnelle Absprachen helfend eingreifen. Ferner gibt es einen Zentralfonds als Feuerwehrfonds, der ggf. mit raschen (zinslosen) Darlehen aushilft, bis eine lokale Gemeinschaft die finanzielle Hilfe organisiert hat (wichtig besonders für nicht regionalisierte Gemeinschaften). Ein System, das natürlich genaue Absprachen notwendig macht, speziell über die Bewertung eines Notfalles. In diesem Bereich stecken die Regional-Verbünde immer noch in den Kinderschuhen.
Während es sich bei den Schweizer Gruppen vorwiegend um Menschen mit anthroposophischen Hintergrund handelt, treffen in Deutschland die unterschiedlichsten Weltanschauungen und spirituellen Ausrichtungen aufeinander. Schamanen, Homöopathen, Öko-Freaks, Handwerker, Künstler, Alleinerziehende und Anthroposophen, alle sind vertreten. Die einende Artabana-Idee fordert Solidarität und Selbstverantwortung bei gänzlicher Freiheit im persönlichen Gesundheitsweg. Die Offenheit der einzelnen Mitglieder für den jeweils anderen ist bemerkenswert. Ob das in einem konkreten Fall genügen wird, muss sich noch herausstellen. Bis auf einige Einzelfälle waren bisher noch keine großen Probleme sichtbar. Inzwischen sind ca.30% aller Mitglieder in regionalen Verbünden zusammengeschlossen, ca. 80% befinden sich unter dem Dach des Artabana Deutschland e.V. und der sog. Föderation und ca. 20% der Mitglieder gehören keinem überörtlichen Verbund an.
Wie wird es weitergehen mit dieser Bewegung, die irgendwie immer im Aufbruch ist? Viele der Mitglieder sind selbständig mit zum Teil geringen Einkommen und aus der Krankenkasse ausgetreten. Ist auch davon auszugehen, dass Artabana-Mitglieder überdurchschnittlich gesund sind, sicherlich das Ergebnis eines überwiegend gesunden Lebenswandels, sind auch schwerwiegendere Krankheitsfälle nicht auszuschließen. Ist Artabana eine spirituelle Gemeinschaft oder eine allgemein gesellschaftliche Bewegung? Welche Aufgaben stehen für die Altersvorsorge an? Welche Auswirkungen hat die jetzt beschlossene Gesundheitsreform für die Artabana-Mitglieder? Das sind die Fragen, die eine Gemeinschaft wie Artabana bewegen müssen, will sie in einer Zeit wie der heutigen einer zunehmenden sozialen Kälte und der sich steigernden Ellbogenmentalität in der Gesellschaft etwas entgegensetzen. An gutem Willen scheint es nicht zu mangeln, aber guter Wille ist eine Seite, die konkrete Handlung und damit die sozialen Auswirkungen ist die andere.
weiterführende Informationen auf der Webseite www.artabana.org
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