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Abenteuer Anthroposophie


dvd-cover

Rudolf Steiner und seine Wirkung

mm/tdz.02.03.2008 - Was ist Anthroposophie - wie und wo ist die Wirkung Rudolf Steiners heute sichtbar? Dieser Frage nähert sich Rüdiger Sünner, Autor und Filmemacher (Schwarze Sonne) mit seinem Film über Rudolf Steiner. Ein "ausführliches Porträt eines der vielseitigsten spirituellen Denker des 20. Jahrhunderts." (aus der Ankündigung)

Abenteuer Anthroposophie ist ein positiver Film. Mit ruhigem Atem wird die Entwicklung einer Idee nachgezeichnet, die in Niederösterreich beginnt, über Wien, Weimar, Berlin und Dornach führt, und schließlich sehr eindrucksvoll sichtbar wird in der Sekem-Initiative in Ägypten.

Ein positiver Film gerade auch deshalb, weil er die Kritik an Steiner nicht auslässt, mehr noch, weil er auch die erklärten Kritiker zu Wort kommen lässt. Da wirkt nichts aufgesetzt und konstruiert.

Dazwischen wirklich schöne Aufnahmen des Kameramannes Sünner, der gleichzeitig der Autor und einer der Sprecher des Films ist. Es sind schöne Bilder, die mir wieder in den Sinn kommen, wenn ich dem Statement der Biologielehrerin zuhöre, die ihren Schülern ganz bewusst neben den Phänomenen der Natur eine schöne Welt zeigen will, weil: "der Schlüssel darin liegt, dass ich Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben muss, eine schöne, eine heile Natur zu erleben, sonst können sie doch gar kein Gefühl dafür entwickeln, sie verbinden sich doch nicht emotional mit irgend so einer krepeligen Topfpflanze, die auf irgendeiner Kreuzung steht und da rummickert." Die Fragen, die sich aus der praktischen Anschauung der Dinge ergeben, auch und gerade die kritischen Fragen an die Welt, so die Waldorfpädagogin, werden dann von den Schülern aus sich heraus eigenständig formuliert. Wenn so etwas gelingt, ist es wohl nicht nur für sie für sie ein echtes Erfolgserlebnis.

Besonders interessant wird der Film immer da, wo praktische Beispiele deutlich machen, in welcher Weise Erkenntnisse der Anthroposophie in die praktische Arbeit einfließen, ohne einem Lehranspruch oder vorformulierten Anweisungen folgen zu müssen.

Über das Ewige des Bewusstseins im Hinblick auf Wiederverkörperung ein sehr aufschlussreiches Statement des Arnheimer Kardiologen Pim van Lommel, der sich seit langem mit der Frage von Nahtoderlebnissen auseinandersetzt. Er beendet seinen Beitrag: "Ich kann so ein Konzept (wiederkehrender Erdenleben) unterstützen, aber ich bin nicht sicher." Manchem Anthroposophen möchte man diesen Mut und so einen freien Umgang mit der "Unsicherheit" wünschen.

Der Film Abenteuer Anthroposophie ist ein Film von Erwachsenen für Erwachsene. Durchgehend unaufgeregt, mit stimmigen Bildern widmet er sich den anthroposophischen Arbeitsfeldern Ökologie, Medizin, Wirtschaft und Pädagogik, ohne je langweilig zu werden, er lässt auch den Schattenseiten ihren Raum, ohne den Versuch zu machen, sie gesondert zu kommentieren und er zeigt ein Bild der Anthroposophie, wie es heute wohl von den meisten Menschen wahrgenommen wird, sei es im Bioladen, beim Arzt, in einer anthroposophischen Klinik oder in der Waldorfschule. Wäre es noch gelungen, die an einigen - wenigen - Stellen trotz aller Ästhetik ein wenig statisch erscheinenden Bilder mit Menschen zu beleben und die Tonmischung ebenfalls an einigen wenigen Stellen etwas behutsamer durchzuführen, wäre es - für mich - fast perfekt.

Dieser Film kann sicher dazu anregen, sich eingehender mit der Anthroposophie und dem Leben des Menschen Rudolf Steiner zu beschäftigen. Gerade vor dem Hintergrund der zur Zeit stattfindenden Diskussion um das Werk Steiners ist ihm eine breite und interessierte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu wünschen.
Heute, am Sonntag, hatte der Film in Berlin Premiere. Meine Rezensionskopie habe ich um 11:00 Uhr in meinen DVD-Spieler eingelegt und ohne Unterbrechung gemeinsam mit den anderen, "echten" Premierengästen gesehen. Ich hoffe, dass es recht viele waren, die den Weg in die Hackeschen Höfe gefunden haben.

 

Abenteuer Anthropsophie - Rudolf Steiner und seine Wirkung
ein Film von Rüdiger Sünner (Homepage)
mit englischen Untertiteln (wählbar)
erhältlich u.a. bei der päd.Forschungsstelle

Weitere Aufführungen:
Dienstag 18. März, 18 Uhr Goetheanum/ Dornach
Freitag 18. April, 18 Uhr Rudolf Steiner-Haus Frankfurt

 

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