Anthroposophen beim Panzerdeal aktiv?

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Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) lanciert immer wieder Kampagnen gegen Rüstungsirrsinn und politische Verirrungen aller Art. Eine Vereinigung wie das ZPS, die von der AFD, in Sonderheit von einem Politiker namens Höcke, als terroristische Vereinigung bezeichnet wird, macht offensichtlich einiges richtig. Ein Beitrag von Themen der Zeit aus dem Jahre 2012

Es geht um die Lieferung von 200 Kampfpanzern nach Saudi-Arabien. Im Fadenkreuz einer Kampagne des Zentrums für politische Schönheit (ZPS): Der Panzerhersteller Kraus-Maffei-Wegmann (KMW).

von Michael Mentzel

Mit der Hilfe der Kampagne 25000 Euro möchte das ZPS die Verantwortlichen beim Münchener Rüstungskonzern Kraus-Maffei-Wegmann (KMW) für den Panzer-Deal mit Saudi-Arabien – es geht dabei um die Lieferung von 200 Kampfpanzern der Marke Leopard – ins Gefängnis bringen.

25.000 Euro will das ZPS dafür springen lassen, das Geld, so heißt es in der taz, stamme von einem "Philantrophen" und läge auf dem Konto des ZPS. Gesucht werden jetzt Informanten, mit deren Hilfe es gelingen soll, Belege für kriminelle Machenschaften vorzulegen, um die Verantwortlichen bei KMW hinter Schloss und Riegel zu bringen. 

Was auf den ersten Blick aussieht wie der Aufruf zur Denunziation, entpuppt sich auf den zweiten Blick als der Versuch, Aufmerksamkeit für ein Problem zu generieren, dass vom Staat wie auch von den BürgerInnen eher als marginal betrachtet wird. Denn die von Krauss-Maffei-Wegmann hergestellten Produkte hübschen die bundesrepublikanische Außenhandelsbilanz auf, und auf diesem Auge ist die Öffentlichkeit nachgerade ein bisschen blind. Gleichwohl ist es nicht abzuleugnen: Die Produkte des Rüstungskonzern sind dazu geeignet, Probleme in der Welt zu lösen, die es ohne diese – und ähnliche – Produkte möglicherweise gar nicht gäbe, auch wenn eine solche Vermutung den Bellizisten aller Coleur die Zornesröte ins Gesicht treibt. 

Die Initiative hat offensichtlich auch prominente Fürsprecher, denn Rupert Neudeck von den Grünhelmen wird auf der Webseite mit den Worten zitiert: "Das ist ein genialer Versuch. Und wenn ich mitmachen kann, werde ich mittun. Erst mal Glückwunsch zu der Initiative." 

Auf der Startseite der Webseite der Kampagne prangt – neben anderen – das Bild von Dr. Manfred Bode, dem Aufsichtsratsvoritzender des Rüstungskonzerns. Überschrift: "Der Anthroposoph". Nach dem Anthroposophen Peter von Siemens, der keine Probleme damit hatte, sein Geld mit der Errichtung von Atomkraftwerken zu verdienen, jetzt also noch ein spiritueller Sinnsucher als Lieferant fragwürdiger Produkte? Manfred Bode ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes, dass ihm im August 2007 vom Kasseler OB Bertram Hilgen überreicht wurde. Die anlässlich der Übergabe gehaltene Rede offenbart den Hintergrund des "Anthroposophen" Bode. Ein guter Mensch. OB Hilgen: "Ihr soziales Engagement findet Ausdruck in der nachhaltigen Förderung der Arbeit mit behinderten Menschen. Herausragend und einzigartig ist Ihre Unterstützung, die Sie persönlich und die die Wegmann-Gruppe über nunmehr drei Jahrzehnte dem Kuratorium für Behinderte Stadt und Landkreis Kassel e.V. haben zukommen lassen. Seit Gründung des Kuratoriums im Jahr 1977 sind Sie ein überaus großzügiger Unterstützer der Arbeit für Menschen mit Behinderungen und in Not geratener alter Menschen. Durch Ihr Engagement durfte sich das Kuratorium über insgesamt fast eine halbe Million Euro freuen." 

Unbeschadet der Notwendigkeit, die Schwachen und Armen unserer Gesellschaft zu unterstützen, handelt es sich bei den Nutznießern der Spenden aber vermutlich nicht um jene, die eventuell schon einmal Bekanntschaft mit den aktuellen Produkten des Rüstungskonzerns gemacht haben. Und jeder verdiente Cent, der nicht wieder in das Geschäft mit dem Tod reinvestiert wird, dürfte in den Büchern des Konzerns als Steuerminderung erscheinen.

Das weit verbreitete Vorurteil aber, ehemalige Waldorfschüler seien per se bessere Menschen oder verbrächten ihre Zeit damit, ihren Namen zu tanzen, scheint sich in diesem Fall nicht zu bestätigen. Und das Bode als Anthroposph geoutet wird, hat er vermutlich dem ebenfalls in der Rede des Kasseler OB zu findenden Hinweis zu verdanken, dass Bode "Walldorfschüler" gewesen sei und seiner Schule offensichtlich die Treue hält, was vermutlich bedeutet, dass er sie auch finanziell unterstützt. Waldorfschulen, die – wie in Hessen – nur zu 85% von der öffentlichen Hand finanziert werden, sind immer auch auf den guten Willen von Schülereltern oder Ehemaliger angewiesen. 

Philipp Ruch ist Ansprechpartner für die Kampagne des "Zentrum für politische Schönheit". Auf die Frage, woher man denn wüsste, dass Manfred Bode Anthroposoph ist, muss er leider passen, man wüsste es gar nicht: "Wir können Ihnen das in der harten Differenzierung nicht bestätigen. Er spendet (viel) für die örtliche Waldorfschule und er ist selbst aus ihr hervorgegangen. Das Etikett "Anthroposoph" überspitzt u.U.!". Jetzt wollen wir es aber wirklich wissen und fragen bei der Pressestelle von KMW nach. Leider gelang es uns bisher nicht, zu erfahren, ob Herr Bode tatsächlich Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft ist oder sich selbst als Anthroposoph sieht, denn die Pressestelle von KMW ruft leider auch nach zweimaliger Nachfrage nicht zurück. 

Das Bundesverdienstkreuz allerdings erhielt Manfred Bode nicht wegen seiner Waldorf-Herkunft, sondern wegen seiner Bedeutung für "Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt." 

Wir lernen also, dass Menschen wie Dr. Manfred Bode zum "friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland" beigetragen haben. Nun denn, was dem einen die Eule, ist dem anderen die trapsende Nachtigall. Ob Anthroposoph, Waldorfschüler oder schlicht ein Zeitgenosse, dem es schnurz zu sein scheint, womit er sein Geld verdient; solange, wie es mit dem Verweis auf Arbeitsplätze (Leserkommentar in der taz) gelingt, den tödlichen Geschäften den Mantel der Barmherzigkeit umzuhängen, werden wir mit diesen Gegensätzen leben und sie wohl auch noch eine ganze Weile aushalten müssen. Ein Staat, der Geschäfte wie die des Rüstungskonzerns Kraus-Maffei-Wegmann durch seine Politik möglich macht, wird an den gegenwärtigen Zuständen nichts ändern und es wohl auch nicht wollen, wie man unschwer an der aktuellen Diskussion sehen kann. 

Die Bürgerinnen und Bürger, also wir selbst, haben es in der Hand, etwas zu ändern. Insofern ist jede Aktion, die uns – wenigstens hin und wieder – auf dieses schmutzige Kapitel unserer ach so friedlichen Bundesrepublik hinweist, ein gute und unterstützenswerte Aktion. Das Interesse der Kampagne, die Verantwortlichen im Gefängnis zu sehen, kann ich allerdings nicht teilen, übrigens auch dann nicht, wenn Herr Bode kein Waldorfschüler gewesen wäre. Es sei denn, man kann den Damen und Herren mit den "weißen Kragen" tatsächlich kriminelle Machenschaften nachweisen. Ich meine, es sollte uns eher daran gelegen sein, dass Unternehmen wie Kraus-Maffei-Wegmann ihre Fähigkeiten zu wirklich friedlichen Zwecken einsetzen. Die Hau-Drauf-Fraktion (auch die anthroposophische) möge es mir einmal mehr verzeihen: Selbst wenn es heuzutage etwas altbacken und wie "Schwerter zu Pflugscharen" klingt: "Panzer zu Treckern" wäre allemal eine bessere Lösung. 

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