Zwischen Feindschaft, Respekt und Dilemma

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Briefmarke B. v. Suttner 2005

von Christa Schyboll – Da fordert ein Marinechef Respekt für einen Gegner, den die einen für einen brandgefährlichen Feind halten. Die anderen sagen, er sei ein Aggressor und Okkupator mit Großmachtansprüchen und wiederum andere sehen einen Staatschef, der die Interessen seines eigenen Landes verteidigt gegen die Interessen einer militärischen  Weltmacht, die ihm immer näher auf den Pelz rückt. Respekt für einen Gegner, gar einen Feind?
Für diese Forderung im aktuellen hochbrisanten Konflikt musste der Marinechef seinen Hut nehmen.

Dieser Vorgang zwingt uns Fragen auf, denen wir uns alle stellen sollten. Nämlich nicht, ob wir Putin-Befürworter, Putin-Versteher oder Putin-Gegner sind, sondern wie wir es grundsätzlich bei Feindseligkeiten halten, die im Falle einer Eskalation Tausende, Hunderttausende, gar Millionen Tote bedeuten könnten. Zerstörte Länder, verstümmelte Menschen und unsagbares Leid – sollte ein Krieg zwischen den Großmächten ausbrechen. 

Der Krieg in Europa als reale Möglichkeit wird nun seit einiger Zeit immer wieder als Möglichkeit in Betracht gezogen. Es solle also niemand später kommen und sagen: Das konnte keiner ahnen! Und dennoch scheint es so unglaubhaft, so undenkbar, dass wir trotz der faktischen Lage der Verhärtung es innerlich gelassen hinnehmen und irgendwie "uns sicher" fühlen, weil uns das Unvorstellbare einfach zu weit weg ist.  

Wie schnell jedoch das völlig Undenkbare, unvorstellbare Wirklichkeit werden kann, haben wir gerade erst bei der immensen Zerstörung des Ahrtals erlebt… Auch das hätte niemand vorher je glauben können, wenn dies prophezeit worden wäre. Hier eine Naturkatastrophe ungeahnten Ausmaßes, dort eine drohende militärische Katastrophe – gemeinsam ist beiden das scheinbar Irreale, das jederzeit Realität werden kann bzw. wurde.

Doch wie geht man im Falle einer so gefährlichen wie zugleich schwierigen Situation mit dem Feind oder Gegner um? Hat Schönbach nicht Recht, wenn er Gespräche auf Augenhöhe fordert, die die Sichtweisen aller Beteiligten entsprechend würdigt und mit in die Verhandlungsmasse wirft? Kann man diplomatisch erfolgreich sein, wenn dies nicht geschieht? Warum muss jemand seinen Hut nehmen und quasi wie unehrenhaft abgehen, nur weil der das verlangt, was doch selbstverständlich sein sollte? Nämlich das Geschick, sich auch in seine Feinde oder Gegner einzufühlen – beiderseits versteht sich. Nur dann sind doch erst minimale erste Erfolgsschritte denkbar. 

Doch fragt man sich auch: Wer will das? Wer will das nicht? Welche Interessen von wem stecken denn sonst noch dahinter, damit genau das nicht geschieht? Gibt es nicht immer und immer wieder die vielen Kriegsgewinnler, die ausgerechnet mit todbringenden Waffenlieferungen ihr Leben so richtig schön machen. Und sind die Kämpfe um Weltmachtinteressen nicht besonders interessant, wenn sie nicht auf dem eigenen Grund und Boden stattfinden!?

Die Liste kritischer Fragen könnte noch länger und schärfer gestellt werden. Und man kann nur hoffen, dass genau das die am Prozess beteiligten auch gründlich tun. Was bleibt den Menschen in den Ländern, die einfach nur in Frieden leben wollen?

Protest?! …

Und wenn ja, wie stark, laut, massiv muss er sein, dass die Verantwortlichen sich jetzt mehr denn je zusammenreißen, um diese Eskalation zu vermeiden?

http://www.christa-schyboll.de

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