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Manfred Maurenbrechers neue CD "Inneres Ausland"

von Michael Mentzel
Ich gebe zu, dass ich Manfred Maurenbrecher erst sehr spät entdeckt habe. Zwar erzählte einer meiner Brüder in den 80er-Jahren schon von einem, der deutsche Lieder mache, die wirklich etwas zu sagen hätten und die einen hohen politischen Gehalt hätten, aber ich war in jenen Zeiten so überzeugt von meinem eigenen Gesinge, dass ich für die Kollegen, zumal wenn sie dann auch noch "berühmt" waren, kein allzu gesteigertes Interesse aufbrachte. Aber: Man lernt nie aus und was ich mittlerweile von Manfred Maurenbrecher gehört, gesehen und auch gelesen habe, hat mich einfach nur begeistert. Und darum möchte ich mich dem Lobgesang der "Liedertour" * anschließen, in dem es heißt: "Nicht nur für uns ist der promovierte Germanist der Godfather der deutschsprachigen Liederszene. Denn sein musikalisches Lebenswerk gehört zum Besten, was die deutsche Liedermacher-Zunft zu bieten hat. Über 600 nicht nur von ihm selber gesungene Lieder (u.a. auch Spliff, Veronika Fischer, Hermann van Veen) sind in 40 Bühnenjahren zusammengekommen. Und auch seine aktuellste Veröffentlichung, sein 26.(!) Studioalbum „Inneres Ausland" (Novum: mit Chor!), wird wohl nicht ohne einschlägige Kritikerpreise davonkommen, auch wenn der klug beobachtende (Song-)Dichter mit ausgeprägter politischer Sensorik zugleich ein beim breiten (Mainstream-)Publikum leider oder konsequenterweise viel zu unbekannter Künstler geblieben ist." 

Ganz so unbekannt ist er natürlich nicht geblieben, man denke nur an sein wunderschönes – von Queen Bee gesungenes – Lied vom Hafencafé oder an die von Andreas Albrecht produzierte CD-Box zu Maurenbrechers sechzigsten Geburtstag ***, auf der die wohl bekanntesten Künstler der deutschen Liedermacher-Szene seine Lieder interpretiert haben und zu der Heinz Rudolf Kunze gar ein eigens für ihn geschriebenes Stück beigesteuert hat.  

Das neue Album

Nun also – nach dem Buch (mit USB-Stick) "Der Lichtenberger" ein weiteres Album und damit natürlich auch ein neues Programm, mit dem Manfred Maurenbrecher hoffentlich bald wieder auf Tour gehen kann. Der vielsagende Titel, der durchaus zu allerlei Interpretationen herausfordert: "Inneres Ausland". 

Diese CD hat es in sich, ist ein Schlag ins Kontor der Gutbürgerlichkeit und räumt mit Verve und der "Schüttmulde" so gekonnt und wortgewaltig auf, dass einem dabei warm ums Herz wird. Er schreibt den Reichsbürger*innen und deren kruden Gedanken und Ansichten über Deutschland und die Flüchtlingskrise seine Worte im wahrsten Sinne derselben so hinter die Ohren, dass es wie ein Hammerschlag in ihre bieder getarnten Fassaden fährt, hinter denen sie es sich so gemütlich gemacht haben. Und trifft, so möchte man hoffen, hoffentlich auch in des Wutbürgers hartes Herz, der in dem Lied "Puppen" eben diese Flüchtlingskrise als einen riesigen Fake "entlarvt". 

Die Beobachtungsgabe und die Fähigkeit dieses Künstlers, Beziehungen herzustellen und messerscharf zu analysieren, dabei aber nie den Besserwisser heraushängen zu lassen, ist legendär, allerdings vielleicht auch der Grund dafür, dass es – wie oben beschrieben, kaum "Hits" von Manfred Maurenbrecher gibt. Dabei hätte schon der Titel "Das Dunkel von mir" die besten Aussichten, ein solcher zu sein, weil er in seiner Klarheit ein Stück Maurenbrecher offenlegt, dem man sich kaum entziehen kann. 

In "Jetzt auf einmal gehts" malt er ein Zukunftsszenario, bei dem "Broder, Nuhr, von Storch und Martenstein" ihre "alten Glossen" nur noch im Darknet veröffentlichen können und er verortet die "einzige erlaubte Spielbank Deutschlands" auf einem Pfahlbau "auf den Landungsbrücken nördlich Preetz", immerhin 20 km von der Kieler Förde entfernt. Was mag wohl Otto-Normal-Klimaleugner oder Christian Lindner dazu sagen?
Und der "Erdrutsch" bekommt in den Zeiten von Corona plötzlich eine fast nicht mehr geahnte Aktualität: "Wo kein Stein mehr auf dem andern, wird es unwägsam und schön"

Bei Manfred Maurenbrecher, so will es mir scheinen, ist auch das Private immer auch politisch und wird an keiner Stelle seicht, platt oder agitatorisch. So zum Beispiel in "Auf der Fähre nach Thassos" oder auch bei Nikolaus Lenaus "Drei Zigeuner". Sechzehn wunderbar produzierte Lieder sind auf dieser CD, eingespielt mit Band und Chor und produziert von Andreas Albrecht. Gastmusiker bei einigen Stücken sind Joe Kucera (Saxophon Joe) und Marco Ponce Kärgel. 

Inneres Ausland, so mein Gedanke, ist eine Aufforderung  den eigenen Verstand zu benutzen. Ein Meisterwerk, das wie wohl derzeit kein anderes in unsere gesellschaftliche Landschaft passt. 

Am 2. Mai 2020 hatte Manfred Maurenbrecher Geburtstag und in den letzten Tagen werden sicher eine ganze Menge Glückwünsche auf den Jubilar niedergeflattert sein. Auf ihn, der in seinem Lied "Jubilare" singt: "Da ist ein Garten um das kleine Haus im Grenzland, man sagt, wer einfach lebt, kommt besser klar. Vielleicht ist Liebe ja ein Leitfaden durchs Chaos? Da grinst die Jubilarin, und da grinst der Jubilar."

Foto : Kristjane Maurenbrecher
* Zitat gesehen bei Facebook
** Hafencafe / Queen Bee
*** CD zu MMs sechzigstem Geburtstag
Webseite von M. Maurenbrecher

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Ein Bisschen OT.
Für alle Altlinken des Rheinlandes mal ein paar Zeilen zur Erinnerung:

Ne schöne Gruß an all die die unfehlbar sind.
Von nix en Ahnung han, die äwwer immerhin.
So tun als ob, weil auf Fassade da stehn die halt drauf.

Ein Refrain von Wolfgang Niedecken der heute als Spottlied auf die Ewiggestrigen gesungen werden könnte.
Haben die denn Ahnung von den Beweggründen der "Reichsbürger" oder der 20% AfD Symphatisanten?
Wissen die, was Carlo Schmid von der SPD über das Grundgesetz gesagt hat?
Dass es die Manifestation einer Fremdherrschaft sei?
Wissen die, was der Widerstandskämpfer Eugen Gerstenmaier über seinen Lernprozess gesagt hat?
„Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: Dass der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde." — Eugen Gerstenmaier Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. März 1975

Referenz: https://beruhmte-zitate.de/autoren/eugen-gerstenmaier/

Ich sehe da viel Nachholbedarf, ganz besonders bei den Kulturschaffenden.

Antworten
    Redaktion
    5. Mai 2020 18:58

    An Ihrem Beitrag lässt sich nach unserer Auffassung sehr schön ablesen, dass Liedermacher wie M. Maurenbrecher notwendiger als jemals zuvor sind.

    Antworten

Der Herr Maurenbrecher erfüllt eine wichtige Aufgabe, er bestätigt die ewiggestrigen Widerkäuer, dass es nachhaltig sei, in ihren biedermeierlichen Informationsbläschen zu bleiben. Diese wissen offenbar alles über die niederen Beweggründe ihrer Gegner und fürchten nichts mehr, als das verstörende Informationsgewitter der Wissensmaschine Internet.
Aber sie können sich sicher vorstellen das man es irgendwann satt ist, von Volontärinnen bar jeder Lebenserfahrung, oder von historischem Wissen völlig unbeleckten "Künstlern" als Dumpfbacke bezeichnet zu werden.
Es ist ungemein beruhigend zu sehen, dass ein Xavier Naidoo es nicht mehr nötig hat, seine Überzeugungen dem Meinungsterror der GEZ-GEMA-Mobster anzupassen.
Ich habe in den 90er jahren in Köln verfolgen dürfen wie hochtalentierte Künstler vom US-UK-geprägten Formatradio der ARD ignoriert wurden, und ich habe mich gefragt, warum das wohl so ist. Jemand wie Maurenbrecher oder der Herr Kunze könnten einem Leid tun, wie sie in Duldungstarre ertragen, dass Hollywoods Joker ihren Wein trinken.
Ich würde die Herren gerne mal Fragen ob die ihr (das Massen-Publikum) für dumm, oder sich selber für untalentiert halten.

Gekürzt wg. Irrelevanz und nicht zum Thema passend.

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