Rudolf Steiner ein Impfgegner?

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Können sich Impfgegner auf Rudolf Steiner berufen?

Mit Nachtrag zu Hedda Hummel (am Ende)

wgv-tdz. – Viele Impfverweigerer berufen sich auf Rudolf Steiner, der für eine ferne Zukunft die Entwicklung eines Impfstoffes voraussagte, um den Menschen die Neigung zum Spirituellen auszutreiben. Sie beziehen diese Aussage auf Kinderkrankheiten, auf die heutige Impfpflicht und auf mögliche Durchimpfungen der Bevölkerung angesichts von Pandemien. Wie es häufig mit Zitaten Steiners geschieht, sind allerdings auch diese Aussagen manchmal aus dem Kontext gerissen und dienen dann fanatischen Esoterikern als "Argument" gegen Impfungen. So manövrieren sich Anthroposophen ungewollt in die Ecke der so genannten Verschwörungstheoretiker. Sie könnten es besser wissen. Denn Rudolf Steiner hat nie etwas von Fanatismus gehalten, sondern er war eher Pragmatiker. So ist es wenig bekannt, dass er in bestimmten Fällen sogar Impfungen anordnete und sich auch selbst impfen ließ. 

1924 wurde Steiner von praktizierenden Ärzten gefragt, was die Anthroposophie zur Impfung sage. Steiner berichtet u.a., wie er in seiner Zeit als Hauslehrer nicht von den schwarzen Pocken infiziert wurde, von denen die Mutter seiner Schüler befallen war. Man könne das Risiko einer Ansteckung minimieren durch psychische Einstellung (Furchtlosigkeit). In Gegenden, wo die Bevölkerung Furcht vor Ansteckung hat, würden solche „Erziehungsmaßnahmen" aber sinnlos sein: 

"Da muss man eben impfen. Es bleibt nichts anderes übrig. Denn das fanatische Sichstellen gegen diese Dinge ist dasjenige, was ich, nicht aus medizinischen, aber aus allgemein anthroposophischen Gründen, ganz und gar nicht empfehlen würde […] Es ist ein völliges Unding, so im einzelnen fanatisch vorzugehen." [1]

Hedda Hummel, eine von Steiners wichtigsten Stenographinnen, erzählt:

"Bekanntlich hatte die [Anthroposophische] Gesellschaft damals einen Kinderhort eingerichtet. In Berlin waren an einer Ecke die Pocken ausgebrochen. So viel ich mich erinnere, wurden in den Schulen und Kinderhorten die Kinder geimpft. 
Dr. Steiner ordnete an, dass auch die Kinder in unserem Kinderhort geimpft würden und auch die Menschen, die im Kinderhort aus- und eingingen. Dr. Steiner selbst ließ sich auch impfen, auch Frau Dr. Steiner und auch wir alle oder fast alle, die im Hause aus- und eingingen. Dr. Steiner bekam selbst einen schlimmen Arm, die Pocken schlugen an, wie man sagt. Es ging damals der Witz rund, Dr. Steiner mache die Frauenbewegung mit – die darin bestand, dass wir alle, meistens Frauen, eben oft den kranken Arm gerieben haben."

Nachtrag:

Impfen / Kinderhort Berlin
Die Erinnerung von Hedda Hummel bezieht sich auf den Ersten Weltkrieg. Marie Steiner berichtet: „Der Weltkrieg brachte Veränderungen auch in diesen Betrieb. Das große Kunstzimmer in der Motzstraße mit seinen Nebenräumen wurde in einen Kinderhort umgewandelt, in dem das aus dem bolschewistischen Russland geflüchtete Fräulein Samweber [Anna Samweber, 1884-1969] eine hingebungsvolle Tätigkeit entfaltete, opferfreudig unterstützt in der auf Spenden beruhenden Verpflegung und Hütung der Kinder durch Damen der Anthroposophischen Gesellschaft. Licht, Luft und Freude hatten sie in den schönen Räumen des Vorderhauses; Dr. Steiner begnügte sich mit den viel bescheidenerern Zimmern des Hinterhauses. Das ist nebensächlich, doch für ihn symptomatisch." [3]

Foto: Symbolfoto – Wikipedia / Gemeinfrei
Hinweis: Das Foto stellt NICHT einen Impfschein von R. Steiner dar!

[1] GA 314, S. 287. (Dornach, Besprechung mit Ärzten, Nachschriften fragmentarischen Charakters, 22.4.1924)
[2] Hedda Hummel: Erlebnisse mit Rudolf Steiner", unveröffentlichtes Manuskript, S. 7, Rudolf Steiner Archiv Dornach. Etwas gekürzt abgedruckt in: Wolfgang G. Vögele (Hrsg.): „Sie Mensch von einem Menschen!" Rudolf Steiner in Anekdoten. Basel 2012, S. 43. 
[3] (Marie Steiner, zit. in GA 262, S.283)
Vgl. auch Jakob Streit (Hg.): Anna Samweber: Erinnerungen an Rudolf Steiner und Marie Steiner-von Sivers, Dornach 2009.

Biographisches zu Hedda Hummel:
Archivmagazin Nr. 6 (Dornach, Juni 2017), Geburtsdatum unbekannt, gestorben 1939. Sie lebte in Köln, Berlin und Dornach. Ab 1912 hat sie einige Hundert Vorträge Steiners mitgeschrieben.

6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

In Zukunft ja. Das war 100 Jahre her gesagt. In die Zukunft leben sie jetzt. Aber natuerlich steht es jeder frei um die Segnungen von Bil Gates entgegenzu nehmen.

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Danke kannte ich noch nicht. Das werde ich in Antroforen verbreiten.

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Ewa Adamska
7. Mai 2020 1:58

Damals waren die Impfungen angeblich nicht so "giftig" wie heutzutage.

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    Silvia Maria
    7. Mai 2020 8:35

    Das waren lebend Impfstoffe, und deswegen besonders aggressiv. Die Nebenwirkungen waren nicht ohne. Und ein dick geschwollener Arm, fast noch harmlos. Die Wirkung auf das Immunsystem fatal….

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      Sabine madau
      8. Mai 2020 14:43

      Ich halte es wie mein ehem. Arzt, impfen ja aber nur für Krankheiten wo es sinnvoll ist .. mir ist wichtig vor einer Impfung zu wissen ob es das ist! Eine Grippe nein, aber Tetanus ja, ..

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Ilona Steinert
10. Mai 2020 14:18

Stimmt alles und heute gilt es das Recht der freien Entscheidung zu bewahren. Dabei gibt es zu bedenken das die Impfstoffe heute gänzlich andere sind als damals.
Auch die Situation ist eine völlig andere. Es steht mehr auf dem Spiel als „nur" eine Impfung.

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