Rudolf Steiner als Varieté-Künstler?

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Ein neues Werk beschäftigt die anthroposophische Szene

Dieses Interview haben wir bereits am 1. April 2022 aufgezeichnet. Die Gefahr aber, dass derlei bahnbrechende Erkenntnisse an einem Datum 1. April veröffentlicht und damit im Bereich der Phantasie verortet werden könnten, ist groß. 

tdz-red.- 03.04.2022 Bislang unbekannte Details aus Rudolf Steiners frühen Berliner Jahren enthüllt ein vor einiger Zeit erschienener Erinnerungsband. Anthroposophen sehen in dieser Publikation "ein gefundenes Fressen für die Gegner". Das ohnehin ramponierte Ansehen Rudolf Steiners werde dadurch weiter geschädigt. 

Wieder einmal scheint eine "Enthüllung" panische Angst im antroposophischen Milieu auszulösen. Der Elektriker Friedrich Fehrenbeuter, ehemaliger Schüler der Berliner Arbeiterbildungsschule, berichtet, dass Steiner um 1900 eine Zeitlang bei dem berühmten Bühnenmagier und Illusionisten Harry Houdini (1874-1926) Unterricht im "Hellsehen" genommen habe und als dessen Assistent im Berliner Varieté "Wintergarten" auftrat. 

Steiner soll sich dabei als trickreicher Gedankenleser und Schnellrechner entpuppt haben, der sein Publikum in Bann schlug. Zu Beginn seines Auftritts habe sich Steiner von Zuhörern deren persönliche Daten (Name, Geburtstag, Adresse, usw.) zurufen lassen und diese am Ende seines Vortrags dann auswendig wiedergegeben. Fehrenbeuter berichtet amüsante Einzelheiten. Nach seinen Auftritten soll Steiner sogar in feucht-fröhlicher Runde mit seinen proletarischen Schülern gefeiert haben. 

Themen der Zeit befragte den Steinerexperten Volker Berendik.

tdz: "Kann diese Publikation wesentlich Neues zur Biographie Steiners beitragen?"

Berendik: "Die Erfahrung, dass er imstande war, mühelos ein Publikum von Tausenden zu düpieren, dürfte ein Schlüsselerlebnis für Steiner gewesen sein, das massve Auswirkungen auf seine nachfolgende Karriere als Hellseher in der Theosophischen Gesellschaft hatte. 

Die Macht über sein Publikum hat er dann als Dauerredner und vielwissender Fragenbeantworter systematisch ausgebaut."

tdz: "Wie werden die Anthroposophen auf diese Publikation reagieren?"

Berendik: "Ich kann nur hoffen, dass der weltoffene Flügel der Anthroposophen inzwischen so stark ist, dass kein Boykott des Buches erfolgt. Diese Memoiren sind ein Glücksfall für die Forschung. Sie liefern ein starkes Indiz dafür, dass Steiners anschließende Karriere als Hellseher ebenfalls auf Tricks und Bauernfängerei basierte."

tdz: "Halten Sie harsche Reaktionen, z.B. für möglich, wie Sie sie selbst erfahren mussten?"

Berendik: "Selbstverständlich wird es einige Anthroposophen geben, die in gewohnter Weise gegen das Buch polemisieren und es boykottieren werden. Steiner als Varietékünster passt nicht ins Bild eines hochrangigen Geistesforschers, sozusagen ins Heiligenbild. Sie werden diese Episode leugnen oder totschweigen. 
Kurioserweise und offensichtlich ist es bisher bekannten Kritikern Steiners und insbesondere den Feinden der Anthroposophie nicht gelungen, diese Seite Steiners aufzudecken und öffentlich zu machen. Ich kann den Anthroposophen nur dringend empfehlen, ihre Vertuschungspolitik aufzugeben und sich den Fakten zu stellen. Denn den einschlägig bekannten Faktencheckern der antianthroposophischen Zunft entgeht ja bekanntenmaßen nichts. Es wäre also töricht, die Auslieferung des Buches verhindern zu wollen." 


Friedrich Fehrenbeuter:
Meine Jugendjahre
Berlin (Selbstverlag) 2022,
189 Seiten, 25 Euro.

Zum Vorzugspreis von 18 Euro zu beziehen über die Redaktion von Themen der Zeit.

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