Relatives

wv/tdz.- In den 1920er Jahren waren in Deutschland drei Namen in aller Munde, die leicht verwechselt wurden: Albert Einstein, Eugen Steinach und Rudolf Steiner. Die Ähnlichkeit der Namen des Physikers, des Drüsenspezialisten und des Anthroposophen wurde oft von Satirikern aufgegriffen.
So auch 1928 in der Satirezeitschrift „Simplicissimus“:

Mein Bekannter N. gehört, glaube ich, nicht zu den Schlauesten. Ich weiß nicht, wie ich eines Tages darauf kam, ihm zu sagen: „Professor Einstein hat die Absicht, nach Japan zu fahren.“
„Wer will nach Japan fahren?“
„Professor Einstein.“
„Kenne ich nicht.“
„Du musst doch den berühmten Professor Einstein kennen!“
„Du meinst den Verjüngungsdoktor. Der heisst aber Rudolf Steiner, und nicht Einstein.“
„Nein, ich meine Professor Einstein. Kennst du den nicht?“
„Nein.“
„Hast du noch nie etwas von Relativitätstheorie gehört?“
„Wovon?“
„Von Relativitätstheorie!“
„Nein. Was ist das?
„Weisst du vielleicht, was relativ ist?“
„Relativ?“
„Ja. Das weisst du nicht? Pass mal auf, das werde ich dir erklären: Stelle dir vor, du sässest auf einer heissen Ofenplatte, da kommt dir eine Minute vor wie eine Stunde. Wenn du aber in dieser Minute ein hübsches Mädchen küsst, dann kommt dir diese Minute vor wie eine Sekunde. Verstehst du das?“
„Ja, freilich! Aber deswegen fährt der Mann nach Japan?!“

Foto: Kreis des Simplicissimus mit Karl Arnold (1907) (Wikipedia – Gemeinfrei)

[Simplicissimus, 33. Jg., 3. Dez. 1928, S. 470.]

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