Kein Fußball. Aber Manöver?

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Helmut Lorscheid –
Die Bundesregierung empfiehlt, Großveranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern derzeit zu vermeiden. Deshalb fallen sogar Fußballspiele aus. Nun habe ich mir in meinem Leben noch nie ein Fußballspiel angeschaut, weder live und in Farbe, noch früher schwarz/weiß. Ich werde es auch nicht – genau so wenig wie ich jemals in den letzten 64 Jahren einen McDonalds oder Starbucks betreten habe und auch das werde ich in den sicher noch folgenden weiteren 64 Jahren nicht tun. Warum auch? Insofern ist meine Argumentation mit Fußballspielen gegenüber der Bundesregierung vielleicht nicht so ganz aufrichtig, aber ich denke mir, als Vergleichsgröße passt es zum NATO-Manöver "Defender". 
Denn das finde ich noch unsinniger als Fußball und außerdem ist es gefährlich, wenn so viele bewaffnete Menschen in Richtung Rußland marschieren. 

Warum dieses Manöver überhaupt stattfindet, und warum in dieser Zielrichtung – also gegen Rußland gewandt, wollte ich wissen. Denn ich hatte ein bisschen in Geschichtsbüchern geblättert. Und so fragte ich das Presseamt der Bundesregierung: "Soweit ich in Geschichte aufgepasst habe, ist Rußland bisher kaum in Deutschland einmarschiert, ich kann mich aber daran erinnern, dass unsere nicht sehr weitsichtigen Militärs mehrfach versucht haben, Rußland zu erobern. Teilen Sie daher meine Auffassung, dass dieses NATO-Manöver sich eher ungünstig auf unser Verhältnis zu Rußland auswirkt?" 

Diese Frage hat der Pressesprecher des Bundesverteidigungsministerium offenbar nicht als so wichtig empfunden, dass er sie auch beantworten müßte. Statt dessen kamen Sätze wie diese: "Die Übung Defender-Europe 20 (DEF20) ist eine Übung unter Leitung der Streitkräfte der USA in Europa (USAREUR), an der sich Deutschland und zahlreiche andere Nationen beteiligt. Es findet derzeit zweimal täglich ein Informationsabgleich zwischen dem Lagezentrum des Kommando Streitkräftebasis der Bundeswehr in Bonn und dem Lagezentrum USAREUR in Wiesbaden zur aktuellen Lage und Entwicklungen bei DEF20 und zum Sachstand Coronavirus statt. Sollten Verdachtsfälle bei den US-Streitkräften im Zusammenhang mit DEF20 in Deutschland auftreten, erfolgen weitere Maßnahmen in enger Abstimmung mit dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr, den regionalen deutschen Bundeswehr Sanitätseinrichtungen und regionalen, zivilen Entscheidungsträgern. Konkrete medizinische Schutzmaßnahmen erfolgen standardisiert im Einzelfall in Abstimmung zwischen den US-Streitkräften und den zuständigen militärischen und zivilen deutschen Dienststellen. Maßnahmen zu möglichen Isolierungen bzw Quarantäne von Verdachtsfällen und Kontaktpersonen während DEF20 sind regional in den deutschen Kasernen mit Unterkünften für Übungsteilnehmer sowie auch den US-Sanitätseinrichtungen in Deutschland vorbereitet. Derzeit hat die Ausweitung des Coronavirus keine direkten Auswirkungen auf DEF20." 

Das heißt also, US-Provokationen gegenüber Russland von deutschem Boden aus, sind wichtiger als Fußballspiele oder Tourismus-Messen? Im Bundestag hat der Siegburger Linken-Abgeordnete Alexander Neu Corona ebenfalls im Zusammenhang mit dem unsinnigen Manöver thematisiert. Er erklärte bereits Ende Februar: "Defender muss sofort gestoppt werden. Schon ohne das Auftreten des Virus Covid-19 ist das Manöver aus friedenspolitischer Sicht unverantwortlich. Nun kommt aber die Gefahr einer weiteren Verbreitung der Corona-Epidemie hinzu. Duisburg und Krefeld liegen in räumlicher Nähe zu den jetzt aufgetretenen (Verdachts)fällen. Doch genau über diese beiden Städte sollen Militäreinheiten ziehen, die dann anschließend bis ins Baltikum kommen. Es ist nicht nachvollziehbar, wenn einerseits Kitas, Verwaltungen und Schulen geschlossen werden, andererseits aber das Militär, ohne dass es eine Notwendigkeit dafür gibt, weiter macht wie bisher."
Neu zufolge hat das Militär bei fast allen großen Epidemien der Vergangenheit eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung gespielt. Eine Eindämmung der Corona-Welle, ohne Einschränkungen der Militärbewegungen sei ungleich schwieriger. 

Was bedeutet das für uns als Staatsbürger? Wenn die Bundesregierung ihrer Bevölkerung den Spaß verbietet, weil zu große Menschenansammlungen zu gefährlich sind, aber dieses Manöver im Land stattfinden läßt, wem dient sie dann? Sicher nicht dem "deutschen Volke" – aber wem dann?

Hier können Sie einen Appell für die Absage des Manövers unterzeichnen.

* Quelle des Beitrags. Beueler Extra-Dienst
Foto: Pixabay (bearbeitet)

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