Ironie und Witz trotz Donner und Blitz

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Erheiterndes ist in den letzten Tagen und Wochen durch die unterschiedlichsten katastrophalen Ereignisse selten geworden. Gleichwohl hat unser "anthroposophisches Trüffelschwein" W. G. Voegele (wgv) wieder einmal ein paar Preziosen aus der Vergangenheit ausgegraben, die wir Ihnen, aller wirklich unerfreulichen Schreckensnachrichten zum Trotz, nicht vorenthalten wollen. Die "Golden-Twenties" des vergangenen Jahrhunderts dürften – wie heute – aus der Sicht mancher damaliger Zeitgenossen durchaus lukrativ gewesen sein, für viele aber war diese Zeit aber, so ist zu vermuten, auch nicht gerade ein Zuckerschlecken. 

wgv/redaktion.tdz – Vor 100 Jahren waren in Deutschland drei Namen in aller Munde, die leicht verwechselt wurden: Albert Einstein, Eugen Steinach und Rudolf Steiner. Die Ähnlichkeit der Namen des Physikers, des Drüsenspezialisten und des Anthroposophen wurde oft von Satirikern aufgegriffen. So schreibt Hans Ermann in seinen "Berliner Geschichten": 

"Aus Dornach kam Rudolf Steiner, der seine grosse Gemeinde hatte. Aber die Mehrzahl der Berliner, meinte eine Zeitung, hätte Hunger und keinen Bedarf an Worten. Die Zeitung gab dem Bericht über die anthroposophischen Vorträge die boshafte Überschrift: 'Steiner statt Brot!' 
Gleichzeitig las man, Professor Steinach in Wien habe eine Methode zur Verjüngung der Pubertätsdrüse entwickelt. Einstein bekam den Nobelpreis. 

Es gehörte zum guten Ton, sich über Einstein, Steinach, Steiner zu unterhalten. Natürlich verquaste Herr Raffke, der reich gewordene Schieber, von dem alle Witzblätter erzählten, die Probleme: "Was halten Sie denn von der Steinerschen Relativitätsdrüse?"

In anderen Witzblättern wurde auch das damals aktuelle Werk Oswald Spenglers "Der Untergang des Abendlandes" in Witze mit einbezogen, so dass man auch von der "Spenglerschen Relativitätsdrüse" sprach." "[1]

Im "Simplicissimus" konnte man das Folgende lesen:

Relatives

Mein Bekannter N. gehört, glaube ich, nicht zu den Schlauesten. Ich weiß nicht, wie ich eines Tages darauf kam, ihm zu sagen: "Professor Einstein hat die Absicht, nach Japan zu fahren."
"Wer will nach Japan fahren?"
"Professor Einstein."
"Kenne ich nicht."
"Du musst doch den berühmten Professor Einstein kennen!"
"Du meinst den Verjüngungsdoktor. Der heisst aber Rudolf Steiner, und nicht Einstein."
"Nein, ich meine Professor Einstein. Kennst du den nicht?"
"Nein."
"Hast du noch nie etwas von Relativitätstheorie gehört?"
"Wovon?"
"Von Relativitätstheorie!"
"Nein. Was ist das?"
"Weisst du vielleicht, was relativ ist?"
"Relativ?"
"Ja. Das weisst du nicht? Pass mal auf, das werde ich dir erklären: Stelle dir vor, du sässest auf einer heissen Ofenplatte, da kommt dir eine Minute vor wie eine Stunde. Wenn du aber in dieser Minute ein hübsches Mädchen küsst, dann kommt dir diese Minute vor wie eine Sekunde. Verstehst du das?"
"Ja, freilich! Aber deswegen fährt der Mann nach Japan?!" " [2]

Anmerkungen: 
[1] aus: Hans Ermann, Berliner Geschichten – Geschichte Berlins. Historien, Episoden, Anekdoten. 4. Aufl. Tübingen und Basel: Horst Erdmann, 1969, S. 428
[2] Simplicissimus, 33. Jg., 3. Dez. 1928, S. 470

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