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Arbeit durch Einkommen


14.09.-20.09. Woche des Grundeinkommens

Wir schaffen Arbeit durch Einkommen und nicht Einkommen durch Arbeit!
von Diana Huber 

Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens stellt manche Verhältnisse drastisch auf den Kopf. Während fast alle Parteien am Ideal der Vollbeschäftigung festhalten, um ein altes Steuermodell künstlich am Leben zu erhalten, kämpft eine deutschlandweite Bewegung für die Abkopplung von Arbeit und Einkommen. Über 100 parteilose Direktkandidaten treten zur kommenden Bundestagswahl an. Was auf den ersten Blick abgehoben und illusorisch scheint, erweist sich beim zweiten Hinsehen aber als einzig realistisches Konzept für unsere Gegenwart und Zukunft.

Wir müssen uns anpassen an die strukturellen Veränderungen unserer Gesellschaft. Allein schon die demographischen Verhältnisse machen ein Umdenken unumgänglich. Bismarcks Steuermodell kann nicht mehr funktionieren, wenn sich die Alterspyramide sichtlich umkehrt. Und auch Vollbeschäftigung im herkömmlichen Sinne ist nicht mehr möglich, wenn Unternehmen auf Rationalisierungen nicht verzichten können, um konkurrenzfähig zu bleiben. Menschen werden täglich entlassen. Wo soll das hinführen?

Die so genannten „Freigesetzten" durch ein zu enges Sieb in Arbeitsstellen zwängen zu wollen, die nicht mehr vorhanden sind, ist einfach absurd. Es entwürdigt die Menschen, die sich vom Staat betrogen fühlen. Öffentlich wird eine Medienkampagne gefahren, die immer noch beteuert, dass es genug Arbeit gäbe und die Arbeitslosen nur zu faul seien und zu anspruchsvoll.

Andererseits weiß jedes Amt, dass die Menschen sehr wohl arbeiten wollen. So wird peinlich genau kontrolliert, ob die Leute auch nicht schwarz arbeiten. Denn das ist das einzige, was sich noch lohnt. Die Auflagen sind so gestrickt, dass bestraft wird, wer arbeitet: Abzüge bis auf 20%, Dumpinglöhne, 1 Euro Stellen und Leiharbeit. Wer einmal in diese Mühlen geraten ist, weiß, was es heißt, als Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden.

Heute lautet die Devise: Menschen zwingen, drücken, kontrollieren. Und das erscheint denen, die mit ihren Lohnsteuern die Arbeitslosen finanzieren müssen oft gerecht. Schließlich müssen diese die Misere tragen. Dabei gibt es längst alternative Steuermodelle wie das von Dr. Benediktus Hardorp: Arbeit von Steuern entlasten, Konsum im gleichen Maße höher Besteuern. Wer mehr konsumiert, und sich was gönnt, unterstützt im gleichen Zuge die Gemeinschaft. Das ist auch eine Lösung für die demographischen Probleme, da Rentner nicht mehr die sind, die "ausgehalten" werden müssen, sondern selbst wieder etwas zur Gemeinschaft beitragen.

Das bedingungslose Grundeinkommen führt dazu, dass Menschen permanent "schwarz" dazu verdienen können, aber nicht dazu gezwungen sind. So geraten die Arbeitgeber in die Position, um Arbeitnehmer werben zu müssen. Zwangslagen können nicht mehr ausgenutzt werden. Der Würde des Menschen wird erstmal Rechnung getragen. So dass jeder frei ist von Existenzängsten. Und damit auch frei für die Frage, was man selbst am besten kann und tun möchte. Wer arbeitet, arbeitet um der Sache willen. Und nicht aus Not. Oder zur Steigerung der Lebensqualität.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist der erste notwendige Schritt, um die Potentiale der Gesellschaft wieder zur Entfaltung zu bringen. Dann können auch die Tätigkeiten wieder gemacht werden, die heute nicht bezahlbar sind. Deshalb schaffen wir Arbeit durch Einkommen. Vor Jahrzehnten hat man noch aus finanziellen Gründen geheiratet. Heute gilt das als unmoralisch. Irgendwann wird man auch so auf die Arbeitsverhältnisse schauen: "Damals hatman aus finanziellen Interessen gearbeitet. Heute arbeitet man, weil man die Arbeit liebt."

Diana Huber ist Philosophin (MG), Trainerin, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen e.V.

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