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Ein Brief an meine Frau
Meine Liebe!
so lange sind wir jetzt schon verheiratet und viele Sträuße haben wir miteinander ausgefochten, viele Höhen und Tiefen haben wir miteinander durchschritten und immer wieder sind wir zu der Überzeugung gekommen, es neu zu beginnen und wieder einen Anfang zu wagen. Warum Du mir jetzt aber die Missionen von Gronbach ins Haus geschleppt hast, wo Du doch weißt, dass ich dieses Buch nicht lesen wollte, verstehe ich wirklich nicht. Schau mal: "Knatterbunte Instanterleuchtung" heißt ein Beitrag bei Michael Eggert von den Egoisten. Hoppla, worum geht es denn dabei? Einmal mehr um Sebastian Gronbach, von dem sein "Anwalt" behauptet, es handele sich bei Gronbach um den am wenigsten skurrilen Vertreter und "Funktionär" der Anthropsophischen Gesellschaft. Das magst Du nun glauben oder auch nicht, festzustellen ist, dass dieser Gronbach mit seinem Riesen-Büchlein auf eine Weise hausieren geht, dass es tatsächlich nicht skurril, sondern inzwischen nur noch peinlich wirkt. Jedenfalls auf mich. Nun wird jemand, der seinen eigenen Narzissmus so kultiviert, für das Grummeln in der Gemeinde kein Ohr haben, zumindest seine Freunde aber könnten ihn doch mal dezent darauf hinweisen, dass er tatsächlich als eine der zentralen Medienfiguren in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Warum verspielt er dieses Pfund, mit dem er doch wuchern könnte? Und Du hast 14.50 Euro für dieses Werk ausgegeben, wohl wissend, wie ich zu diesem Buch stehe.
Ach so, Du wolltest Dich selbst überzeugen. Was aber wenn ich Dir jetzt sage, ich habe - im Gegensatz zu Dir - mehr geschafft als die ersten 10 Seiten und habe das Buch inzwischen ganz gelesen. Jetzt weiß ich aus eigener Anschauung, wofür Du immerhin 10 Seiten gebraucht hast. Ich aber bin jetzt restlos überzeugt! Davon nämlich, KEINE Mission zu haben, keine zu sein und auch keine zu brauchen. Auf jeden Fall gratuliere ich Dir aber, und das meine ich ganz ernst, dass Du dich selbst überzeugt hast. Ich aber werde in Zukunft nur noch über etwas sprechen, was uns weiterbringt. Und deshalb habe ich gar nichts dagegen, wenn Du die Missionen offen auf dem Tisch liegen lässt. Weil ich finde, man sollte den Kindern ruhig Gelegenheit geben, nachzuvollziehen, warum sich der Alte manchmal so aufregt. Ich garantiere Dir, DAS bringt uns weiter.
Dein Michael
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