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Öko-Landbau: Modell für eine innovative Landwirtschaft

Neuorientierung der Agrarpolitik notwendig.
10 Jahre Förderpreis für Ökolandbau

mm/tdz. 23.01.2010 - Für die Vertreter des Bio-Landbaus, aber auch für die ökologische Lebensmittelwirtschaft, war der Tag des Öko-Landbaus auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin einmal mehr ein willkommener Anlass, auf die Notwendigkeit einer ökologisch ausgerichteten Landwirtschaftspolitik hinzuweisen.

An die Adresse der politischen Entscheidungsträger gerichtet, sagte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW): "Wenn die Politik schon viel Geld in die Landwirtschaft stecke, dann muss sie die politischen Rahmenbedingungen auch so gestalten, dass die Landwirtschaft nachhaltig ist".

Eine ökologisch gehaltene Kuh erbringe aus dem Grundfutter eine Leistung von 6000 l Milch pro Jahr und wird mindestens sechs Jahre alt. Die konventionell gehaltene Kuh wird im Schnitt hingegen vier Jahre alt und gibt nur noch 2000 l Milch aus dem Grundfutter, während weitere 6000 l aus Kraftfutter erzeugt werden. Ein Viertel des Kraftfutters sind Eiweißfuttermittel, die aus Übersee importiert werden. An diesem Beispiel, so Löwenstein, erkläre sich von selbst, "welches die nachhaltigere und klimaschonendere Landwirtschaft ist. Wir müssen uns entscheiden, ob wir eine Landwirtschaft wollen, in der Kühe wie Schweine gefüttert und wie Hühner gehalten werden".

Nach Auffassung der Öko-Lebensmittelhersteller müsse die Politik dafür sorgen, dass eine energieeffiziente, flächengebundene und umweltfreundliche Landwirtschaft in der Fläche umgesetzt wird. Als wirksame Maßnahme wird beispielsweise die Einführung einer Stickstoffüberschusssteuer angesehen, weil sich damit die Umweltkosten der Produktion in den Preisen der Lebensmittel niederschlagen würden.

Vor dem Beginn der Grünen Woche hatte Bioland-Präsident Thomas Dosch anläßlich einer Pressekonferenz deutliche Worte zur gegenwärtigen Landwirtschaftspolitik gefunden, als er sagte, dass sich die Bundesregierung zwar zur "notwendigen Senkung von Treibhausgasemissionen" bekenne, ihre Agrarpolitik allerdings ungenügend danach ausrichte: "Die Potentiale, die der Biolandbau als Beitrag zum Klimaschutz bietet, werden bisher von der Politik negiert. Stattdessen werden weiter umweltschädliche Landwirtschaftsformen und Massentierhaltung gefördert, die dem Klimaschutz schaden. Gleiches gilt für die offensive Exportstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums".

Der ehemalige EU-Kommissar für Landwirtschaft, Franz Fischler, wies darauf hin, dass es in der Landwirtschaft darauf ankomme, die Ziele des Lissabonvertrages und die Verpflichtung zur Nachhaltigkeit ernst zu nehmen und in der Landwirtschaft umzusetzen. So gehöre es zu den den Aufgaben der Landwirtschaft, neben der Produktion gesunder Lebensmittel auch die "Landschaft und Umweltgüter zu erhalten und soziale Sicherheit für die Menschen zu gewährleisten." Mit dem System Öko-Landbau könnten diese Ziele gleichzeitig erreicht werden.

10 Jahre Förderpreis Ökologischer Landbau

Der Förderpreis Ökologische Landwirtschaft wird bereits seit 10 Jahren im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin besonders innovativ und nachhaltig wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe verliehen. Drei Betriebe werden jeweils von einer fachkompetenten Jury ausgewählt und am Tag des Öko-Landbaus im Rahmen des Tag des Öko-Landbaus" geehrt. 
Bei der Würdigung der Preisträgerbetriebe zeigte sich Bundesministerin Ilse Aigner beeindruckt: "Auch die Jubiläumspreisträger zeigen die hohe Innovationskraft, die der ökologische Landbau zu bieten hat, wenn persönliches und unternehmerisches Engagement, Mut und Kreativität zusammentreffen".

Der erste Preis ging an den Demeter-Obsthof Augustin in Jork im Alten Land. Hier wurde von der Jury vor allem das innovative Energiekonzept mit Wasseraufbereitung, Wärmerückgewinnung und Holzhackschnitzelheizung gewürdigt. Auch die Naturschutzmaßnahmen mit Gehölzhecken, Blühstreifen und Teichen wurden als überaus positiv bewertet. Demeter-Vorstand Stephan Illi gratulierte den Preisträgern. Mit dem Hinweis auf die deutliche Präsenz im Naturkost-Frischemarkt sehe er "in den inzwischen 13 Preisträgern aus der Demeter-Gemeinschaft den deutlichen Beweis für die Innovationskraft dieses ältesten ökologischen Anbauverbandes, der für sich in Anspruch nimmt, Qualitätsführer bei Bio zu sein." Katrin Augustin freute sich über die Anerkennung für ihren Hof, der immerhin seit 300 Jahren im Familienbesitz ist, seit 1990 ökologisch und seit 2001 biodynamisch wirtschaftet: "Da kommt diese Auszeichnung genau richtig zum Jubiläum."

In diesem Jahr wurde kein dritter Preis vergeben, einen der beiden zweiten Preise erhielt der Verein Bunde Wischen e.V. aus Schleswig in Schleswig-Holstein. Dem Verein sei es gelungen, so das Informationsportal Ökolandbau auf seiner Webseite: "Landschaften durch "Bunte Wiesen" mit vielen wilden und seltenen Orchideen zu bereichern – und das durch landwirtschaftliche Nutzung.
Eine ganzjährige, extensive Rinderbeweidung bietet dabei nicht nur Vorteile für den Natur- und Wasserschutz. Erzeugt werden besonders hochwertige Fleischqualitäten, die sich hochpreisig vermarkten lassen und so den betriebswirtschaftlichen Erfolg absichern. Dieses Konzept des wirtschaftlich tragfähigen Naturschutzes ist Beispiel gebend für Landwirtschaftsbetriebe auf sensiblen Grünlandstandorten."

Ebenfalls einen zweiten Preis erhielt die Bioland-Baumschule Pflanzlust aus Wolfhagen-Nothfelden in Hessen. Die Begründung: "Sie bietet ein in Deutschland nahezu einmaliges Arten- und Sortenspektrum in Bioqualität. Das gilt insbesondere für alte Obstsorten, die für den Hausgarten oder auch für den Streuobstanbau auf Obstwiesen besonders gefragt sind.
In Zusammenarbeit mit der Universität Kassel werden auch Samen von besonders markanten Altbäumen, zum Beispiel einer als Naturdenkmal geschützten uralten Gerichtseiche, gewonnen und in der Baumschule kultiviert. Die „jungen Riesen" finden Abnehmer bei Kommunen des Landkreises Kassel und helfen mit, notwendige Ausgleichsmaßnahmen standortgerecht umzusetzen und historische Landschaftsbilder zu erhalten."

weitere Informationen zum Förderpreis finden Sie hier > 

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