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I-Phone zum Frühstück? eine Glosse von Regina Reinsperger. Zuerst erschienen bei den "Egoisten"
Das Ende der Zeitung? Ich hoffe, dass das zu meinen Lebzeiten noch nicht passiert: ich liebe es, meine Zeitung am Frühstückstisch zu lesen. Da ich zu dieser Tageszeit grundsätzlich noch nicht ganz wach bin, stört das auch meinen Partner nicht, ohne Zeitung würde ich auch nichts sagen, also kann ich mich ruhig hinter der Zeitung verstecken. Die erste soziale Übung des Tages ist dann aber, dem Partner einen Teil abzutreten, damit auch er lesen kann. Der Duft des Kaffee´s, frische Brötchen, schweigendes Kauen nur vom Knistern des Papiers unterbrochen, welch kleines Paradies, bevor der alltägliche Tagesstress erneut zupackt….
Nicht auszudenken wäre es, stünde ein Laptop neben der Kaffeetasse, sie fiele garantiert um, der Kaffee ergösse sich über die Tastatur, der Laptop funkte erbost und final - oder Käse und Marmelade käme über die Finger auf die Tasten - die Zeitung hingegen überstünde beide Szenarien problemlos. Oder man müsste schon morgens ein I-Phone mit dem kleinen Bild in die noch verschlafen ungeschickten Hände nehmen, mit dem ließe sich dann locker die volle Kaffeetasse zerschlagen, morgens wird man sie garantiert - schon aufgrund Murphy´s Gesetz - treffen. Und dann bräuchte auch der Partner ein I-Phone und die richtige Brille müsste parat liegen, was gar nicht so leicht ist, wenn man älter wird und mehrere hat. Oder später dann in der U-Bahn oder der S-Bahn: Zeitung lesen geht bei richtiger Faltung auch im Stehen und im Gedränge, ein Laptop auf dem Schoß hingegen nur in leeren Zügen; von einer Bank auf dem Bahnhof würde er wohl über kurz oder lang „abgegriffen“, was einem auch mit einem teuren Handy oder einem I-Phone passieren kann, aber garantiert nicht mit der guten alten Zeitung.
Und: „Nichts ist so überflüssig wie die Tageszeitung von gestern“, sagt man – aber sie ist keineswegs überflüssig, das ist viel zu kurz gedacht, und wie sie noch brauchbar ist! In der Biotonne wird als unterste Lage eine dicke Zeitung eingelegt, damit die Bio-Reste nicht am Tonnenboden kleben bleiben, bei nur 14-tägiger Leerung ein Muss. Oder: in die vom Regen durchweichten Schuhe wird Zeitung hineingestopft, damit sie beim Trocknen die Form besser wahren. Oder: bei kleineren Malerarbeiten wird nicht erst eine Folie ausgebreitet, die Zeitung tut ´s auch und unter den Farbeimer stellt man sowieso eine Zeitung. Oder: beim Umtopfen der Zimmerpflanzen ist die Zeitung nützlich, man wirft sie dann gleich mit den Erdresten weg: ex und hopp.
Und auch vor einem Umzug sammelt man seine Tageszeitungen für die Verpackung seiner zerbrechlichen Güter, sie ist besser brauchbar als das von der Umzugsfirma gelieferte Papier, denn das und die Verpackungsfolie muss man teuer bezahlen, die gute alte Zeitung dagegen hat bereits ihren Hauptzweck erfüllt und ist quasi umsonst. Eine klassische neudeutsche "Win-Win-Situation" oder zumindest ein Synergie-Effekt. Und nicht zuletzt: wie haben doch die Bewohner der DDR ihr „Neues Deutschland“ geliebt, auch bei größter Papierknappheit, wenn es Monate lang keine Papiertaschentücher zu kaufen gab und auch nur hin und wieder das berüchtigte Toilettenpapier in Schmirgelqualität, das „Neue Deutschland“ wurde verlässlich und pünktlich jeden Morgen geliefert; gelesen oder auch nicht gelesen wurde es dann liebevoll handlich auf DIN A8 geschnitten, auf einen Bindfaden gezogen und zu seinem wichtigsten Zweck auf den gewissen Ort gehängt, den auch der Kaiser allein und zu Fuß betritt. Versuchen sie das einmal mit einem I-Phone.
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