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Deutschland hat eine neue Regierung. Normal. Von Max Michels von den beatagenten
Die Bundestagswahl ist vorüber, die WählerInnen haben ihr Votum abgegeben und sie haben sich mehrheitlich für eine Regierung ausgesprochen, die ihnen die meisten Versprechungen gemacht hat. Steuersenkungen und Aufschwung. Jetzt also mit CDU und FDP. Die BürgerInnen greifen sich an den Bauch und verspüren ein angenehmes Sättigungsgefühl. In der Krise starren alle wie gebannt auf den Krisenmanager. Offensichtlich ist die Botschaft angekommen, dass man alles im Griff hätte, dass alles nicht so schlimm sei, dass es uns gut geht. Eben eine satte Mehrheit. Merkel und Westerwelle wissen, dass viele ihrer Wähler eine klare Meinung zur Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken haben, dass viele ihrer Wähler gegen den Einsatz von Gentechnik sind, gleichwohl dürften die Lobbyisten schon vor den Türen des Kanzleramtes stehen und mit den Hufen scharren.
Ein Grund zum Feiern ist der Ausgang dieser Wahl wohl nicht. Jetzt fahren wir - dank Abwrackprämie - weiter mit 200 Sachen im SUV über die Autobahn und freuen uns über die freie Fahrt für freie Bürger. Der Öffentliche Personennahverkehr wird weiterhin ein Stiefkind bleiben, denn es gilt, den Wohlstand zu erhalten, zu mehren und zu sichern. Was, es werden zuwenig Autos gekauft? Dann erhöhen wir die Preise für Bus und Bahn noch einmal. Wär doch gelacht, wenn wir das nicht in den Griff bekommen. Zuviel Demonstrationen? Die innere Sicherheit muss wieder ein Thema werden. Bundeswehr auf die Straße. Jungs Jungs wären ja auch sonst weitgehend arbeitslos. Atomkraft? Man muss nur dran glauben. Die Atomlobby sitzt schon in den Startlöchern. Das Grundeinkommen? Vertagt, es stand noch nicht wirklich auf der Tagesordnung, auch wenn die eifrigen Aktivisten es so gerne glauben wollten. Arbeit muss sich lohnen, sagt die FDP und Westerwelle, der zukünftige Vizekanzler.
War das Wetter schuld an der schwachen Wahlbeteiligung? Oder ist diese Verweigerung ein deutliches Zeichen für den – noch eher verhaltenen – Ruf nach einer wirklichen Veränderung? Stolz wie Oskar war neben Guido Westerwelle nur noch einer an diesem Wahlabend: Oskar selber. Den Grünen, der SPD und auch den Journalisten ins Stammbuch: Ihr werdet nicht umhin kommen, die Linken ernstzunehmen. Stattdessen weiter eine spürbar selbstgefällige Arroganz und ein trotziges Gesicht bei Trittin und Steinmeier.
Wir stecken den Kopf in den Sand, auf den die Mächtigen dieser Welt ihre Luftschlösser bauen, während wir gleichzeitig alle in einem Boot sitzen und permanent zurückrudern. Wohin? Wir werden sehen. Wir ziehen an einem Strang, aber die Alarmglocken wollen nicht so richtig läuten. Da mag einen wohl das leise Gefühl beschleichen, dass auch in einer anderen Konstellation nicht unbedingt anderes zu erwarten wäre.
Ein kleiner Trost: eine Gesellschaft, die sich darüber beschwert, dass Frank Plasberg beim Fernsehduell zwischen den Regierungsbeamten Merkel und Steinmeier keine Krawatte trug, hat wohl auch nichts anderes verdient. Normal.
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