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Christian Onciu - Foto: Carlos Kella


Zur deutschsprachigen Erstaufführung des Stückes "10 Fragen" von Ana-Maria Bamberger am LICHTHOF Theater in Hamburg
von Björn Kruse 

"There is a crack in everything. That's how the light gets in", heißt es bei Leonard Cohen. Diese Zeile könnte als Motto über dem Monodrama "10 Fragen" von Ana-Maria Bamberger stehen, dessen deutschsprachige Erstaufführung am 22. November 2013 im LICHTHOF Theater Hamburg eine umjubelte Premiere feierte.
Denn es ist ein zutiefst berührendes Stück über Risse, über Sprünge und über Brüche, durch die das Licht hereindringt und so die tiefer liegenden Schichten unseres Lebensgebäudes schlaglichtartig erhellt.

Christian "Tino" Thomas, bis zur Selbstaufgabe authentisch gespielt von Christian Onciu, ist ein leicht misanthropischer Arzt und früherer Pathologe, der heute als psychologischer Berater mit eigener Praxis arbeitet. Für eine Zeitschrift beantwortet er 10 Fragen zu seiner Person im Interview-Stil. Sein für viele Lacher sorgender Zynismus spart ihn selbst und das Chaos seines eigenen Lebens nicht aus, im Gegenteil: mit seiner zerrütteten Noch-Ehe und seinen neuen "Noch nicht"-Beziehungen, mit seiner pubertär aufbegehrenden Tochter und mit seiner dominanten Mutter ist ihm selbst ein nicht unerheblicher psychologischer Beratungsbedarf zu bescheinigen.

So weit, so amüsant. Doch dann folgt die 7. Frage: "Wie sind Sie zu dem geworden, der Sie heute sind?" Und hier gelingt der Autorin etwas Erstaunliches, bei der ihr Regie (ebenfalls Christian Onciu), Schauspieler und Licht- und Klangtechnik (Sönke Herrn) in kongenialer Weise folgen: sie erzeugt einen Bruch, wechselt mit atemberaubender Souveränität die Ebenen, verlässt die ironische Nonchalance und wechselt, ohne dass es auch nur einen Augenblick lang unnatürlich wirkt, zu einem stilleren, zutiefst ergreifenden, geradezu schmerzhaft poetischen Ton. Und so erzählt sie dem wie gebannt an den Lippen des Schauspielers hängenden Publikum die schockierende Geschichte des früheren Pathologen und heutigen psychologischen Beraters Tino Thomas, die wir an dieser Stelle nicht verraten wollen. Das ist ganz große Kunst.  

"10 Fragen", dessen deutsche Version die Autorin gemeinsam mit Christoph M. Bamberger verfasst hat, ist zu wünschen, dass es die größtmögliche Verbreitung findet und so das Licht der Selbsterkenntnis in das Leben möglichst vieler Menschen dringen lässt. Auch wenn der Name des Theaters hinsichtlich seiner suggestiven Kraft anderswo nur schwer zu übertreffen sein dürfte: LICHTHOF.

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