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Wenn am Goetheanum das Licht ausgeht

03.01.2011

Kurzkritik eines banalen Ereignisses. Irgendwie ein bisschen langweilig. Zu einer "Gonzo-Reportage" in der Info3

mm/tdz. - Ansgar Martins vom Waldorfblog war also zusammen mit Herrn Felix Hau in Dornach und hat das Goetheanum besucht. Inzwischen ist ja Herr Martins in der Szene angekommen und ich finde, die beiden passen ganz gut zusammen. Gleichwohl: herausgekommen ist diesmal nur der Versuch, ein spaßiges Stück zu verfassen über die spießigen Dornacher Anthroposophen, die keinen Rotwein trinken, nicht bis in die frühen Morgenstunden auf Sommerterassen herumsitzen, um 22 Uhr schlafen gehen und irgendwie "protestantisch" bienenfleißig sind. Und neben ein paar anderen Skurrilitätchen ein Goetheanum, dass - hach wie lustig - an ein Schweinchen erinnert.

Dazu noch - in der Bibliothek Marie Steiner - die Entdeckung von Hitlers "Mein Kampf" mit jeder Menge "Anstreichungen" und "Ausrufezeichen". Begleitet von einer wispernden und der zwischen den Zeilen unausgesprochenen Hoffnung, dereinst noch mehr davon zu finden. Ganz spontan kam mir bei den "Anstreichungen" der Sarrazin-Wälzer in den Sinn, der vermutlich von meinen Nachkommen irgendwann in meinem Keller gefunden wird. Aber dass Steiner nur drei Bücher von Sigmund Freud gelesen haben soll, das will den Herren doch nicht so richtig in den Kopf und sie fragen sich, woher dann seine Anthipathie gegenüber der Psychoanalyse herrühren mag. In diesem Teil der Reportage "zandert" und "ansgart" es manchmal schon ganz schön.

Sich den Dornacher "heiligen Hallen" mit einer kritischen Distanz zu widmen, ist natürlich nicht verboten und wird wohl auch hier und da seine Berechtigung haben, aber die Berichte des Radio-Anthroposophen Prochnow über den Hügel haben mir seinerzeit besser gefallen.

Immerhin - so erfährt man -  hat auch Walter Kugler, der Chef des Steiner Archivs, den beiden Herren seine Reverenz erwiesen, was so beschrieben wird: "Wir begrüßen Walter Kugler, der uns wenigstens kurz "Hallo" sagen will, da er gleich zu einem Event in Basel aufbrechen muss." Hoffentlich, so möchte man besorgt anmerken, war er auch um 22:00 Uhr zurück, damit er pünktlich ins Bett gekommen ist. Aber vielleicht wohnt er auch gar nicht in Dornach und gehört zu denen, die eigentlich von Martins und Hau gewarnt werden müssten, vor diesem weltfremden Völkchen dort oben auf dem "Bluthügel".

Wir wollen nicht undankbar sein, die Zeit ist arm an Unterhaltung und das Stückchen der beiden Herren ist eine "Gonzo-Reportage", was im Verständnis der beiden Autoren offensichtlich auch bedeuten kann, dass sie sich mit der Frage nach Stil oder gar Respekt vor etwas, was sie vielleicht nicht einmal kennen, nicht weiter auseinandersetzen müssen; was auch weiterhin bedeuten kann, dass alles mit einer nicht zu übersehenden "Wir-sind-die-neuen-Anthros"-Brille und dazu auch noch ohne Anspruch auf journalistische Wahrhaftigkeit oder gar Sorgfalt aufgeschrieben werden darf. Damit sind die Herren zwar "aus dem Schneider", kommen aber nicht ansatzweise an die Qualität des gleichnamigen Entertainers mit dem Vornamen Helge heran.

Mir aber kommt der Gedanke, dass bei dieser "Gonzo-Reportage" ein gewisser Herr "Entweder Broder" Pate gestanden haben könnte. Und deshalb würde es mich auch nicht wundern, wenn eines Tages Herr Hau mit dem Eurythmiekittelchen ins Glashaus stiefelte und dort mit Bauklötzchen schmisse. Das wäre vielleicht wirklich noch lustig. Zuzutrauen wäre es ihm. Zu lesen ist das Ganze hier. Aus meiner Sicht uninspiriert, unkünstlerisch und irgendwie ein bisschen langweilig. Und wie man hier nachlesen kann, ist auch noch ein satirisches Buchprojekt geplant. Na dann: Fiel Fergnügen!

 

 

Kommentare

10 Kommentare

Seite 1 von 1 1

#1 Michel Gastkemper schrieb am 04.01.2011 11:48

Also, wir sind ein bisschen ältere, skeptischen Herren geworden... Man muss wahrscheinlich noch jung sein um solch ein Stück Text von Herzen werten zu können. Aber sagen kann man: die Tradition muss man kennenlernen, um innovieren zu können und es ganz anders zu tun!

#2 mm(t) schrieb am 05.01.2011 09:10

Lieber Michel,

aber erlaubt ist diese Skepsis schon noch, oder? Und damit kein falsches Bild entsteht: Meine "Wertung" kommt von Herzen. ;-) Vielleicht muss man sich auch einmal eine Weile aus den "Zusammenhängen" entfernt haben, um würdigen zu können, dass Menschen so handeln wie sie handeln.

#3 Michel Gastkemper schrieb am 06.01.2011 10:57

Lieber Michael,

Ich bin gleich skeptisch wie Sie, fürchte ich. Aber ich habe auch noch etwas anderes gelesen. Nämlich das in Begleitung von Ansgar Martins Felix Hau milder geworden scheint. Hau ist doppelt so alt wie Martins. Martins selber ist nur neunzehn Jahre alt. Das ist doch schön, dass sie in dieser Zusammenstellung den wirklichen ‘locus delicti’ aufgesucht haben. Auch beschreiben sie zusammen ihre ‘Zusammenhängen’. Die mussen nicht gleich unsere ‘Zusammenhängen’ sein. Naja, wie dem auch sei, ich erlebe ihre Schreibereien als freundlich und mild kritisch. Sie verhalten sich ehrlich und beschreiben was sie fühlen und erleben. Da wird nicht (mehr) darauflos gehaut. Und das möchte ich festhalten.

#4 Endstation Dornach schrieb am 06.01.2011 21:14

Fiel Fergnügen auch mit unserer gleichfalls "satirischen" Leseprobe auf endstation-dornach.de, dort freuen wir uns auch auf Eure Vorbestellung!

#5 mm(t) schrieb am 06.01.2011 21:48

@michel: einverstanden:-)

@endstation:

www.endstation-dornach.de

#6 Felix Hau schrieb am 09.01.2011 01:41

Lieber Michael Mentzel,

haben Sie da oben tatsächlich "Skurrilitätchen" geschrieben? ;-)

Herzliche Grüße!

#7 mm(t) schrieb am 09.01.2011 06:32

"haben Sie da oben tatsächlich "Skurrilitätchen" geschrieben?"

In der Tat, jetzt sehe ich es auch. Mag vielleicht daran liegen, dass ich manches in Ihrem Umfeld für skurriler halte. Aber das wissen Sie ja.

#8 Felix Hau schrieb am 09.01.2011 11:51

Ach deshalb. Mich hat's an Steiner erinnert, der ja gerne zur ironisierenden Verniedlichungsform gegriffen hat, um auf wahrhaft wichtige Werke hinzuweisen. Suchen Sie in der GA mal nach dem Begriff "Büchelchen". ;-)

#9 Der Sünder schrieb am 18.01.2011 19:15

...beruhigend nur, daß sie von Inkarnation zu Inkarnation, je öfter, je mehr, an ihrem eignen Geisteshass verdummen, die "Martins-(g)ans(gar)" und der "Hau(weg)". ...sollen ja auch irgendwovon leben, wenn´s sein muß, wie die Maden im Speck - Tomberg lässt grüssen!!

#10 lichtenberg schrieb am 31.12.2011 07:40

Inzwischen ist ja Endstation Dornach erschienen. Wird man hier denn auch irgendwann eine Besprechung finden?

Leserkommentare


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