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mm/tdz. Aus Anfangszeiten des anthroposophischen Journalismus ist mir noch die Überschrift einer Zeitungsrubrik im Gedächtnis geblieben, die lautete: "Aus unseren Zusammenhängen". Zusammenhänge bedeutete damals Gemeinsamkeit in den Arbeitsfeldern der anthroposphischen Heilpädagogik, Gesundheit und der anderen bekannten Bereiche, in denen Anthroposophen tätig waren. Für viele Menschen aus meinem Bekanntenkreis hatte es allerdings den Anschein, es handele sich um eine geschlossene Gesellschaft. Der Blick in die "Zusammenhänge" bot damals für den "Nicht-Eingeweihten" Ungewöhnliches. Eine Eurythmieaufführung kommentierte ein Freund einmal mit hochgezogenen Augenbrauen: "Grusliges Gerede zum Schleiertanz auf Socken!" Fairerweise muß ich dazusagen, dass der Rezitator sich auch keine Mühe gegeben hatte, diesen Eindruck abzumildern.
Die Jahre gingen ins Land, die Zusammenhänge wurden zu Netzen, zu Netzwerken, schienen aber geschlossen zu bleiben. Dennoch, die Öffentlichkeit nahm immer stärker Notiz von diesen Zusammenhängen, in vielen Gemeinden wurden Einrichtungen zu festen und verlässlichen Partnern in der regionalen Sozial- und Jugendhilfearbeit. Inzwischen ist die anthroposophische Szene nicht mehr wegzudenken aus den Angeboten der Gemeinden. Die anthroposophischen Praxisfelder wie Schulen, Reha-Kliniken oder Demeter-Betriebe gehören wie selbstverständlich dazu.
Umso mehr verwundert es, das es immer noch Journalisten gibt, die die Anthroposophen dorthin wünschen, wo der Pfeffer wächst. Dabei merken sie nicht, dass die Anthroposphie auch dort längst angekommen ist, wo sie sich nach Meinung der Kritiker eigentlich auf Grund des unterstellten Weltbildes eigentlich nicht aufhalten dürften. So wurde im Magazin Frontal21 im ZDF den Waldorfschulen pauschal ein rassistisches Weltbild unterstellt, den Beweis blieb man allerdings im Verlauf des Beitrages schuldig. Weitgehend unkritisch übernahm ein Journalist in der Süddeutschen Zeitung die Aussagen von Kritikern über eine Tagung an der Humboldt-Universität Berlin. Dieser Veranstaltung, bei der sich ausschließlich Kritiker versammelt hatten, war die Absage einer Tagung vorangegangen, die der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche Brandenburgs, Thomas Gandow im Februar 2006 durchführen wollte und die am Widerspruch seiner eigenen Institution scheiterte.
Während sich also eine stetige Öffnung der anthroposophischen Welt gegenüber der "normalen" Welt vollzieht, beharren die "Aufgeklärten" immer noch auf ihren liebgewordenen Feindbildern. Ungern nimmt man dabei zur Kenntnis, dass auch die Anthroposophen mit manchen Begriffen aus dem umfangreichen Werk Rudolf Steiners nicht glücklich sind. Unlängst wies Detlef Hardorp in einem Artikel der Zeitschrift "Goetheanum" und hier auf Themen der Zeit darauf hin, die Anthroposophische Gesellschaft möge sich dazu durchringen, sich von bestimmten, heute nicht mehr gebräuchlichen Vokabeln und Begriffen zu verabschieden: "Wäre Steiner nicht der erste gewesen, der sich, heute in den sozialpolitischen Diskurs gestellt, als Mensch der heutigen Gegenwart, von solchen, den fortschreitenden, um Brüderlichkeit ringenden Zeitgeist nichtadäquaten, zeitgebundenen Äußerungsweisen mit Leichtigkeit verabschieden würde? So formulieren würde er sie heute jedenfalls nicht mehr."
Dass Einrichtungen wie Waldorfschulen oder Jugendhilfeeinrichtungen stärker im öffentlichen Fokus sind, ist verständlich, denn alles, was sich nicht dem so genannten Mainstream unterordnet, wird per se argwöhnisch begutachtet. So manche (nicht alle!) Kritiker trampeln eben nicht gern und freiwillig auf ihrer eigenen Weltanschauung herum und so mancher verschließt manchmal beide Augen vor der Tatsache, dass im "konventionellen" Schulbereich auch nicht alles zum Besten bestellt ist.
Damit soll nun nicht behauptet werden, dass es an Waldorfschulen nicht zu Vorfällen kommen kann, die für niemanden hinzunehmen sind, aber in den meisten Fällen haben diese Vorkommnisse mit dem persönlichen Verhalten Einzelner zu tun und finden ihre Begründung nicht in der Anthroposophie. Antisemitische Ausfälle, wie sie jüngst an einer Flensburger Waldorfschule auftraten sind nicht hinzunehmen. Und dort, wo es geschieht, ist es geboten, klare Position zu beziehen und keine Strategie des Verschweigens oder Verharmlosens anzuwenden. Ohne Verzug und ohne Winkelzüge sind Schuldige zu benennen und Hintergründe aufzudecken. Auch das eine Forderung, der sich anthroposophische Einrichtungen stellen müssen und es auch tun. Es ist eine Grundforderung, dass auch Waldorfschulen darauf zu achten haben, dass zum Beispiel nationalistische und rechtsextreme Vorfälle nicht geduldet werden dürfen. Vor einiger Zeit belegte eine Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer, dass die Fremdenfeindlichkeit an Waldorfschulen geringer sei als an Gymnasien oder Hauptschulen. Dennoch ist Aufmerksamkeit gerade in diesen Bereichen geboten.
Zur Zeit laufen in Kempten/Allgäu mehrere Gerichtsverfahren gegen Lehrer der dortigen "Freien Waldorfschule". Anklagepunkte sind Gewaltanwendungen gegen Schüler. Das Gericht folgte bereits in einem Falle der Anklage und verurteilte einen Lehrer zu einer Geldstrafe von 3500 Euro. Wenn der Bund der freien Waldorfschulen Wert darauf legt, dass die "Waldorfschule" in Kempten kein Mitglied im Bund der freien Waldorfschulen ist, ist das nicht der Versuch, sich aus der Affäre zu ziehen, sondern schlicht begründet in der Tatsache, dass sich die Kemptener Schule den Qualitäts- und Evaluations-Kriterien des Bundes nicht stellen kann oder will. Wer jetzt aus "Solidarität" gegenüber "den Zusammenhängen" heraus argumentiert, Waldorfschule sei Waldorfschule, muss sich nicht wundern, wenn ihm niemand folgen mag. Dass Transparenz und Überprüfbarkeit nicht nur den staatlichen Organen gegenüber gewährleistet sein muss, versteht sich von selbst.
Gefragt ist also in "den Zusammenhängen" eine Gemeinsamkeit, die vom Verständnis für die jeweiligen Zeitsituationen und der Anerkennung der gesellschaftlichen Gegebenheiten getragen sein müssen. Die Anerkennung, die anthroposophische Einrichtungen in ihrem Umfeld erfahren, beruhen auf den Grundpfeilern einer Weltsicht, die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einschließt. Das und nichts anderes hat Rudolf Steiner gewollt. Wer will, kann es nachlesen.
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