Themen der Zeit
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Winter

Auf den eisbedeckten Scheiben
fängt im Morgensonnenlichte
Blum und Scholle an zu treiben...

Löst in diamantnen Tränen
ihren Frost und ihre Dichte,
rinnt herab in Perlensträhnen...

Herz, o Herz, nach langem Wähnen
laß auch deines Glücks Geschichte
diamantne Tränen schreiben!

Christian Morgenstern

 



Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde. 
  
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit. 
  
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen. 
  
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

 

In eigener Sache


zum (Selbst)-Verständnis

Themen der Zeit hat monatlich ca. 5000 [Nachtrag: ca. 6500] [Nachtrag: ca. 7400] unterschiedliche Besucher. Das ist nicht viel, gemessen an den Zugriffszahlen anderer Informations-Portale. Dennoch sind wir ein bisschen stolz darauf, dass es uns in relativ kurzer Zeit gelungen ist, trotz der immensen Informationsmenge, die das Internet bereithält, ein wenig Aufmerksamkeit zu erreichen. Seit November 2005 ist "Themen-der-Zeit" ein Teil der "alternativen" Internet-Presselandschaft.

Vielleicht sollte aber doch einmal darauf hingewiesen werden, dass es sich um ein Non-Profit-Unternehmen handelt, was nicht bedeutet, dass Sponsoren, Werbung oder Spenden ungelegen kämen. 

Es ist sicherlich nicht zu übersehen, dass es auf dieser Seite eine starke Ausrichtung zu anthroposophischen Themen gibt. Der Grund dafür ist leicht auszumachen: Die Redaktion befindet sich inmitten einer anthrophophischen Einrichtung, die, beginnend bei der Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin bis zur Versorgung und Pflege alter Menschen alle Arbeitsfelder, die Anthroposophie zu bieten hat, umfasst. Dazu kommen Handel und Handwerk, vom Bioladen bis zur Kfz-Werkstatt ist alles vorhanden, um ein Spektrum sichtbar zu machen, das, jedenfalls in Nordrhein-Westfalen, seinesgleichen sucht.

In diesem Umfeld agieren wir in den unterschiedlichsten Medienbereichen; wir fühlen uns hier zu Hause. Schließlich haben wir uns diesen Platz ausgesucht, vielleicht aber hat dieser Platz gerade uns gebraucht. Wir sehen ein solches Umfeld als einen "Arbeitsplatz" im besten Sinne und fühlen uns aufgerufen, an diesem Ort und von diesem Ort aus öffentlich wirksam zu sein. Dass wir dabei die Welt und die Zeit in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen nicht aus dem Auge verlieren, erscheint uns dabei als "Aufgabe".

Was will ein "Medium" wie unseres? Medien tragen zur allgemeinen Meinungsbildung bei. Ohne einer Unverbindlichkeit das Wort zu reden, ist Offenheit und(!) kritische Wahrnehmung gegenüber Zeitproblemen und -Erscheinungen nach unserer Auffassung geradezu Voraussetzung. Nach unserem Verständnis ist ein spezieller spiritueller Hintergrund - und damit auch eine Form von Meinung - die in manchen Fällen auch die des Autors dieser Zeilen widerspiegelt  - dort legitim und angebracht, wo sich die Praxis mit unseren Anschauungen vom Leben "vereinbart" und verbindet.

 

Heilsam ist nur ...


Dornach: Blick über die Dächer zum Goetheanum © Foto: Roland Zumbühl, www.picswiss.ch


von Michael Mentzel

Lange Zeit war es in der anthroposophischen Szene normal, dass die ernste und seriöse Anthroposophie innerhalb der Medienlandschaft durch Publikationen wie das Goetheanum, die Drei oder die Erziehungskunst repräsentiert wurden. Für den anderen, den eher lockeren - aber nicht weniger erhellenden - Blick auf die Szene war die Info3 zuständig. Die "Leitartikel" von Henning Köhler Mitte der 80er Jahre waren für manche Anthroposophen häufig ein Stein des Anstoßes. Etwas herablassend sprach man deshalb auch innerhalb der Szene von der "Bildzeitung der Anthroposophen". Allerdings, mit den Worten "Erfrischung gefällig?" wurden auch so manche Konferenzen durch das Hochhalten der neuesten Info3-Ausgabe eröffnet.

Das Internet aber bietet neue Plattformen und ermöglicht neue Ein- und Aussichten. Und da findet sich nun allerlei kurioses. Es scheint nämlich nicht mehr zu genügen, Anthroposoph zu sein mit all dem, was einem dazu selbst als wichtig erscheint; man muss auch noch ein Krieger des Lichts werden. Wo ist er geblieben, der andere Blick auf die Anthroposophie? Ist er wirklich so eingeengt? "Die anthroposophische Bewegung besteht zu etwa 95% aus linksalternativem Publikum. Man ist dort bis zur Hut- - Entschuldigung: Kopftuch- oder Käppi- - Kante grün, wahnsinnig tolerant, findet Bushs USA und die Politik Israels ganz übel, hält Werte für die Geschwister von Napalm und AgentOrange und würde selbstverständlich alles tun, damit niemand merkt, dass Otto Schily oder Peter von Siemens Affinitäten zur Anthroposophie haben bzw. hatten."*
Lassen Sätze wie diese noch einen unbefangenen Blick des Betrachters zu? Die "wahre" Anthroposophie demnach gerade noch innerhalb der 5% Klausel? Was denn? Haben wir keine Zeit mehr? Droht der Untergang des Abendlandes? Haben wir uns - frei nach Neill Postman - ins Koma amüsiert? Was ist eine Philosophie der Freiheit wert, wenn die Welt und die Zukunft durch Gewalt und Kriege gestaltet werden will? Die Terroristen aller Couleur, die sich selbst und andere durch ihren Fanatismus zerstören wollen, werden dies tun, auch wenn sie hundertmal von waffenstarrenden Lichtkriegern umgeben sind. Was wird gefordert, wenn es - etwas hermanesk - heißt: "Weil ewige Werte wie Heroismus, weil Helden und Krieger des Lichts durch die Nazis aufs brutalste missbraucht und in dieser Folge von den 68ern abgeschafft wurden, fehlen sie uns heute als unbedingte Kämpfer für das Gute. Denn das Gute ist mehr als nett, mehr als lieb, mehr als das Gegenteil von schlecht. Das Gute hat es schwer, weil es sich in eine pasiv-pazifistische Ecke hat drängen lassen in der es nur noch stille und leise Taten vollführt."*
Nein, ich habe nichts gegen solche Ansichten, würde ich doch andernfalls meine eigenen Worte ad absurdum führen. Aufmerksam aber werden kann ich darauf sehr wohl und das Kommentieren scheint mir auch kein unredliches Unterfangen zu sein. Fordern aber kann ich nichts, gar nichts. Nicht von Anthroposophen und auch nicht von Nicht-Anthroposphen. Selten bemühe ich Steiner Zitate als Beleg und zur Unterfütterung meines Standpunktes in der Welt, ich brauche sie nicht dazu. Heute will ich mal wieder eine Ausnahme machen:

Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele
sich bildet die ganze Gemeinschaft und in der Gemeinschaft
lebet der Einzelseele Kraft

Ich wünsche den Leserinnen und Lesern von Themen der Zeit eine friedliche und besinnliche Adventszeit.

 

* F. Hau in einem Blog-Kommentar
** S. Gronbach auf seinem Blog anthro-nrw
Foto: mit freundlicher Genehmigung von www.picswiss.ch

 

Aktion Eliant


Anthromedia Internetportal Anthroposophie