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Der andere Rudolf Steiner. "Verbrechertisch" als Studienobjekt. Rudolf Steiners frühe Jahre in Berlin.
mm/tdz. - Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre waren einigermaßen turbulent. 1897, aus Weimar kommend, war er schon kein Unbekannter mehr. Gemeinsam mit Otto Erich Hartleben übernahm er das "Magazin für Literatur", hielt Vorträge und Kurse an der Arbeiterbildungsschule Berlin und Spandau, beim Giordano Bruno-Bund und im Künstler- und Literatenclub "Die Kommenden". Peter Hille und Else Lasker-Schüler zählten genauso zu seinem Bekanntenkreis wie der Anarchist John Henry Mackay. Er verkehrte in Kreisen, die man aus heutiger Sicht mit dem Begriff Subkultur belegen kann. Er pflegte Kontakte zu Proletariern, Marxisten und Anarchisten und der "Verbrechertisch" von Otto Erich Hartleben war sein erster Stammtisch. Man traf sich im Gasthaus "zum Strammen Hund" oder in anderen Lokalitäten.
Es sieht tatsächlich so aus, als hätte Steiner seine Philosophie der Freiheit ernst genommen und das getan, was er für notwendig gehalten hat; und, so Wolfgang Voegele, Herausgeber des Buches "Der andere Rudolf Steiner", er hätte dabei die Eigenschaften gepflegt, "die er seinem 'Magazin' für das Jahr 1899 auf die Fahne schrieb: "Vielseitigkeit und Vorurteilslosigkeit".
Äußerungen seiner damaligen Freunde und Zeitgenossen zufolge, nagte er zu jener Zeit am Hungertuch und war dem Alkohol offensichtlich nicht gerade abgeneigt. Er selbst schreibt über diese Zeit: "Es waren die Menschen um 'Magazin' und 'Freie literarische Gesellschaft' deutlich in mein Schicksal verwoben. Ich aber war nicht auf irgendeine Art in das ihrige verwoben. (...) Denn so, wie ich für ihre Seelenaugen unter ihnen herumging, hatte es für sie nichts Verlockendes, auf mich tiefer einzugehen."
Das passt zu dem, was in seinem "Lebensgang" einige Seiten vorher zu finden ist, nämlich: "Es lebte in meinem ganzen Seelenwesen die Begeisterung für dasjenige was ich später 'wirklichkeitsgemäße Erkenntnis' nannte. Und namentlich war mir klar, dass der Mensch mit einer solchen 'wirklichkeitsgemäßen Erkenntnis' nicht in irgendeiner Weltenecke stehen könne, während sich außer ihm das Sein und Werden abspielt." Und auch wenn Steiner später von dieser Zeit als "Höllenfahrt" sprach und seine frühen Berliner Jahre als eine Art Übungsfeld für seine Seele bezeichnete, wird man gleichwohl konstatieren können, dass ein Eintauchen in derlei gesellschaftliche Zusammenhänge für ihn in jener Zeit eine durchaus notwendige Entwicklung dargestellt haben könnte.
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