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 |  | Sophie Hunger in Soest |
Sophie Hunger mit Band im alten Schlachthof in Soest von Michael Mentzel
Das ist die Gelegenheit. Auf der Facebook-Pinnwand erscheint eine Mitteilung von Sophie Hunger: "tonight soest". Ein Risiko: Ist die Künstlerin schon so berühmt, dass die spontan ins Auge gefasste Fahrt nach Soest, immerhin sind es fast 50 Kilometer und es ist schon 19:00 Uhr abends, eventuell wegen ausverkauftem Haus in irgendeinem Soester Altstadtlokal endet? Wo man zwar schon immer mal hin wollte aber doch nicht gerade heute ... und wo im Cafe Alte Schule im Schloss Hamborn - gleich um die Ecke - heute abend Vincente Patiz gastiert?
Ich gehe das Risiko ein und mache mich auf den Weg. Ausverkauft wirkt der Saal im alten Schlachthof nicht, mit mir haben sich vielleicht 130-150 Menschen auf den Weg gemacht um heute abend Sophie Hunger und ihre Band zu erleben. Machen wir es kurz: es war ein Weg, der sich nicht nur "gelohnt" hat, sondern es war ein Weg zu einem wirklich erstklassigen Konzert. Von der ersten bis zur letzten Minute schlug Sophie Hunger ihre Zuhörer in ihren Bann.
Neunzig Minuten wirklich beeindruckende Dynamik. Da steht eine junge Frau von 27 Jahren, die von sich und ihrer Musik überzeugt ist, hinter deren Songs eine hochprofessionelle Qualitätsauffassung sichtbar wird und die - mit einer Sicherheit der Darbietung - dieses Konzert zu einem Hochgenuss macht. Berichte über Sophie Hunger sind also nicht übertrieben, sondern bekommen hier auf der realen Erlebnisebene eine mehr als stimmige Bestätigung. Wie sagt man? Cool.
Was macht es da, wenn ich die Texte nicht alle verstehe, schließlich kann ich sie nachlesen oder die aktuelle CD "1983" kaufen. Ist es gerade Schwyzerdütsch oder französisch, was ich höre? Die Frage danach tritt in den Hintergrund, so wie die Beteiligten, wenn sie gerade mal nichts zu spielen haben. Und es ist eine Freude, sie bei ihrem Zusammenspiel zu beobachten. Teamarbeit ist angesagt, zurückhaltend der Bass von Simon Gerber, fein begleitend die Posaune (Michael Flury), Christian Prader mit Akustikgitarre, E-Gitarre oder Traversflöte immer da, aber nie im Vordergrund. Dominik Chansorn spielfreudig am Schlagzeug. Sehr schön auch, wenn die Herren im plötzlich den Chor geben. Dazu Geistesgegenwart: wenn das Mikro am Klavier nicht geht, nimmt man eben ein anderes. Singt Sohie Hunger allein, nur mit E-Gitarre, entsteht noch einmal eine ganz besondere Stimmung im Saal, die Stille im Publikum ist beeindruckend und wäre mit "Höflichkeit" gänzlich falsch beschrieben. Selbst da wo es richtig rockig und laut wurde, lässt die gespannte Aufmerksamkeit nicht nach. Wer Rockkonzerte kennt, weiß vielleicht was ich meine.
Sophie Hunger muss ihre Musik nicht unbedingt erklären; überhaupt redet sie nicht viel. Sie ist gekommen, um zu singen, nicht um die Zuschauer durch witzelnde Überleitungen zu unterhalten. "Ich bin nicht musikalisch" sagt sie beim Stimmen der Gitarre. Wer dem Liedermacher Hannes Wader einmal beim Stimmen zugesehen hat, versteht diesen Satz. Und sie macht nicht gern zwei Sachen gleichzeitig. Darin liegt vielleicht das Geheimnis ihrer unaufdringlichen Bühnenpräsenz.
Nach ihrem "Walzer für Niemand", dem merklich bekanntesten Stück an diesem Abend, noch einige Zugaben. Zum Abschied ein Lob für die Soester Küche: "So gut haben wir auf der ganzen Tour nicht gegessen!". Danke. Auf Wiedersehen und Schluss. Was wäre noch zu sagen? Ich wollte es kurz machen. Danke Frau Hunger, Sie waren wirklich gut!
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