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Solidargemeinschaft - Nothilfe

Ein Beitrag von Dr. Michael Boock zum Thema Not - Nothilfe
am Beispiel der Solidargemeinschaft Artabana

Not ist ein situatives persönliches Defizit an Energie. Nothilfe besteht in der Ergänzung dieser spezifischen Energie. Durch Geld ist dafür häufig eine Hilfe zu bewirken, denn Geld ist in eine Anzahl nützlicher Energien umzuwandeln.

Allerdings gibt es unendliche Ausnahmen. Und diese Ausnahmen stellen gewissermassen die Problemfälle von Not dar. Hier ergibt sich die Notwendigkeit, Energien zu erschliessen, zu denen das Geld keinen Schlüssel besitzt. Grob gesprochen ist hier äußere Not von innerer Not zu unterscheiden. Es ist zu beachten, dass sich äußere Not auflösen kann, wenn die innere behoben ist. Jedoch nicht immer, und so ist genau zu erkennen, an welcher Stelle des Bewältigungsweges von Not Hilfe eingesetzt werden muss, (analog zu der therapeutischen Hilfe auf einem spezifischen Heilungswege). Jede Not ist "spezifisch", persönlich, situativ. Und so muss es auch die Nothilfe sein.

Geld allein genügt nicht. Es greift zu kurz, meist fehlt Anfang und Ende. (Allerdings darf das Geld an der rechten Stelle auch nicht fehlen.) Artabana-Nothilfe ist Hilfe durch Menschen. Diese müssen darauf vorbereitet sein. Sind sie an Nothilfe interessiert, werden sie sich vorbereiten. Das Interesse am anderen Menschen veranlasst, über den eigenen Bedarfsbereich hinauszuschauen. Nicht alles kann aus eigenen Erfahrungen heraus bewältigt werden.
Es gibt Neues, und das erfordert kreatives Potential. Hier zeigen sich Energien, die nichts mit Geld zu tun haben. Sie kommen rein aus dem Menschen. Sollen sie zur Verfügung stehen, dann müssen auch sie erschlossen werden, wie die Geldsumme, die verdient werden musste.

Sich Zugang zu diesen Energien zu verschaffen, ist eine Anforderung an Jeden, der Nothilfe leisten will. Was allgemein mit "kreativem Potential" bezeichnet wird, ist diese Fähigkeit, spontan und direkt in solche Energiefelder eingreifen zu können. Diese Energien sind jederzeit und überall verfügbar.
Diese Fähigkeiten stehen in Wechselwirkung und Wechselbeziehungen mit dem Geld. Geld ist quasi die ungereinigte Vorform dieser Fähigkeiten und oft in der Lage, diese Fähigkeiten in den Nothilfeprozess einzuführen, sozusagen: zu kaufen.

Aber auch hier müssten diese Fähigkeiten schon gleichsam abrufbar vorhanden sein. Sind sie es nicht, dann ist das Geld machtlos, und der Notleidende muss sich mit den Fähigkeiten beschränken, welche eben schon vorhanden sind.

Heute ist zu unterstellen, dass der Dienstleistungsapparat im Gesundheitswesen alle benötigten Fähigkeiten verfügbar hält. Es gibt sogar Konkurrenzdruck, Wettbewerb, Werbung, und die Hilfeleistung ist neben dem Hilfserfolg besonders auf Umsatz gerichtet. Also - auf das Geld.

Hier ist der Pferdefuss in der Rolle des Geldes bei der Nothilfeleistung zu sehen. Denn es kann hier ein Motivationswechsel stattfinden, welcher sich zu verheerenden Folgen auswächst. Geld wird zum Ziel der Hilfeleistung und nicht die Not.
Hilfe wird ein Gewerbe und dient der Lebenserhaltung. Not wird zum Schlüssel für Geld. Nicht mehr das Geld ist für die Not da, sondern die Not für das Geld. Die Menschheit spaltet sich. Grundsätzlich kann jeder Mensch in Not geraten. Aber nicht jeder kann an der Not Geld verdienen. Und gerade diejenigen, welche mit der Nothilfe Geld verdienen, können an ihrer endgültigen Beseitigung nicht interessiert sein. Da die akute Notbeseitigung zwar das erklärte Ziel der gewerblichen Nothilfe ist und auch deren Reputation, so ist jedoch das grundsätzliche Vermeiden von Not nicht im gleichen Sinne von Interesse.

Mag diese Behauptung auch angefochten werden können, die Konstruktion des gesamten Dienstleistungsapparates beweist das Gegenteil. Dies lässt sich an der Gewichtung ablesen, welche im Gesundheitswesen die "Behandlung" gegenüber der "Vorsorge" hat. Wir sprechen hier bewusst von Konstruktion. Denn bestimmte, nicht konsequent genug hinterfragte und eleminierte Elemente in der Organisation des Gesundheitswesens wirken so, dass Not mit Sicherheit immer wieder von Neuem aus der sogearteten "Nothilfe" entsteht. Diese Elemente sind bekannt. Und wenn sich eine Änderung im Gesundheitswesen "Reform" nennen will, dann müssten eben diese Elemente geändert - "reformiert" werden. Dies ist nicht sichtbar. Und hier liegt der Bruch im System. Die humane Motivation zur Notbeseitigung lässt sich bei einzelnen Menschen noch wahrnehmen. Im gesamten System hat sie sich in ihr Gegenteil verwandelt.

Jede Auseinandersetzung mit dem Problem der Nothilfe führt zwangsweise zur Auseinandersetzung mit dem Problem der Finanzierung.

Die Solidargemeinschaft Artabana ist mit dem humanen Motiv einer Gegenseitigkeitshilfe angetreten. Dies geht gut im Rahmen der gegenseitigen Wahrnehmbarkeit. Aber sowie sich die Anzahl der "Angehörigen" dieser Bewegung so vergrössert, dass die gegenseitige Wahrnehmbarkeit schwindet, wächst das Problem der Finanzierung in umgekehrter Proportionalität.

Artabana kann diesem Problem auch gar nicht entgehen, denn an den Grenzen der gegenseitigen Wahrnehmbarkeit übergreift das "System der gewerblichen Nothilfe", also die Motivationsumkehr des heutigen Gesundheitswesens (sprich Gesundheitsmarkt) auch Artabana.

Letztendlich hat Artabana gar keine andere Chance, als selbst ein motivationskonformes (neues) Gesundheitswesen zu erschaffen. Nicht "reformiert", sondern nach ganz neuen Grundsätzen heraus gestaltet?

Grundsätzlich ist dies möglich. Artabana muss seine brüderliche Gesinnung als zentrale Haltung so elementar und unverkennbar geschlossen nach aussen "dem System" gegenüber vertreten, dass sich die Selbsterhaltungstendenzen der gewerblichen Nothilfedienstleistung nicht in Artabana ausbreiten können. Hier ist eine gewaltige Bewusstseinsleistung von Artabana als Gesamtheit gefordert, welche bei jedem Einzelnen vorhanden sein muss. Welche?
Artabana muss sich mit jedem einzelnen Mitglied der bestimmenden Macht des Geldes entziehen.
Noch im 20. Jahrhundert bezog sich die Autoritätsgläubigkeit der zivilisierten Menschheit auf das Unfehlbarkeitswesen "Wissenschaft". "Wissenschaftlich bewiesen" war die Begründung für Richtigkeit schlechthin. Im 21. Jahrhundert ist eine neue Überautorität entstanden und hat sich im Hintergrund des gesamten Lebens als Weisungsgeber festgesetzt. Diese Überautorität ist das Geld. Geld ist das Wesen, und seine Wirkungsweise ist der Gewinn. Im Sprachgebrauch tritt er als der wirtschaftliche Vorteil auf. Reduziert wird dieser Begriff auf den Vorteil.
Der Vorteil spricht das Urteil über Recht und Wahrheit. Der Vorteil ist eine rationale, noch mehr eine emotionale Grösse, grundsätzlich aber ist er ein Willenspotiential, welches sich über allen bewussten oder halbbewussten Handlungen mit Selbstverständlichkeit aus dem Unbewussten heraus verwirklicht. Hier herrscht eine wachsende und erschreckend anmutende Übereinstimmung! Denn eines ist klar, kein Mensch kann gegen seinen Vorteil handeln! Diese gemeinsame Akzeptanz begründet die Herrschaft des Geldes.
Artabana hat das Ansinnen, im sozialen Verkehr das Geld zu relativieren. Es setzt der als absolut gesetzten Währung des Geldes andere Währungen entgegen. Es greift auf andere, vielfältige und differenzierbare Währungen zurück. Auf die Währung der Energien. Diese Energien verwirklichen sich in den menschlichen Fähigkeiten. Menschliche Fähigkeiten sind geldgleiche Potentiale - Wille auf einem spezifischen intentionalen Niveau. Nothilfe ist Hilfe beim Ausbilden dieser Fähigkeiten.

"Gewinn" ist hier die neue Fähigkeit, die wiederum im sozialen Feld für weitere Nothilfe zur Verfügung steht. Dieses ist der erste und unmittelbare Vorgang bei "Nothilfe". Er wird mit Geld an den Stellen gestützt, wo die Verhältnisse fachliche Dienstleistungen fordern. Diese Dienstleistung wird erbracht und bezahlt.
Aber es ist dies eine Nebenebene in einem Gesamtprozess. Diese Nebenebene kann und darf weder Motivation noch Prozessverlauf bestimmen. Dieses "Prinzip" setzt sich mit dem "System" auseinander und verhindert, dass das System auch innerhalb Artabana zum Selbstzweck wird.

Gehen wir auf diese Energien noch etwas ein. Sie sind Teil der Energien, mit welchen Menschen überhaupt ihre Schicksalsaufgaben im Lebensablauf verwirklichen. Sie werden durch Mitmenschen geweckt und gefördert, quasi potenziert

Der Entwicklungsfortschritt besteht in einer Vermehrung der jeweiligen Fähigkeiten (geprägte Energien). Hier ist echter Reichtum zu erwerben. Geld ist an sich kein Reichtum, sondern fast stets der Grund, Entwicklung zu versäumen, weil es die Möglichkeit bietet, Fähigkeiten zu kaufen. Geld ist eher ein "Verarmungspotential", wenn es "Not" zu billig löst.

Echten "Gewinn" gibt es nur in energetischer Währung. Diese "Fähigkeit", das Geld zu relativieren und statt dessen "Menschlichkeit" aufzubauen, ist die wichtigste, die eine auf Menschlichkeit gegründete Solidargemeinschaft gewinnen muss.