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Schöpfung-Prozessionszug


Das Plakat zur Schöpfungsprozession

Der Kampf gegen den geplanten Müllofen in Paderborn geht weiter

Der Bedrohung entgegengehen

mm/tdz. 22.04.2008 - Am Sonntag, 27.4.2008 lädt die Paderborner Gemeinde St. Hedwig alle Interessierten unabhängig von ihrer Konfession ein, sich gemeinsam in einem Schöpfungs-Prozessionszug auf den Weg zum Gelände der geplanten Müllverbrennungsanlage in Mönkeloh zu machen. Die Gemeindemitglieder möchten damit deutlich machen, dass sie den Widerstand gegen den Bau der MVA weiterhin unterstützen. Mit Gebeten und Liedern wollen sie sich bewusst machen, dass die Erde Gottes Schöpfung und die Bewahrung dieser Schöpfung ein hohes Gut ist. Ihre Hoffnung ist es, auch diejenigen zu erreichen, die im Genehmigungsverfahren wichtige Entscheidungen zu fällen haben und die MVA verhindern können. "Viele Menschen in unserer Gemeinde fühlen sich schon jetzt durch den möglichen Bau der Müllverbrennungsanlage bedroht. Aber wir Christen verkriechen uns nicht, sondern verlassen unsere Häuser und Wohnungen und gehen der Bedrohung entgegen". So Lena Westhoff, die Sprecherin der Pfarrgemeinderats-AG „Keine MVA" in der St. Hedwigsgemeinde. Frau Westhoff ist davon überzeugt, dass sich viele Paderborner diesem Prozessionszug anschließen werden. "Es ist eine Aufgabe für alle, sich für den Erhalt der Schöpfung einzusetzen, z. B. durch das Vermeiden von Müll und, wenn es sein muss, durch Protest gegen lebensraumbedrohende Bauvorhaben". Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite der Bürgerinitiative "Keine MVA".

45.000 Einwendungen bei der Bezirksregierung Detmold

Inzwischen wehrt sich die gesamte Region gegen die Pläne der KMG (Kraftwerksgesellschaft Mönkeloh GmbH & Co.) in Paderborn, und zwar in direkter Nähe des Naherholungsgebietes Haxtergrund, eine Müllverbrennungsanlage zu errichten. Der Widerstand in der Bevölkerung ist von Anbeginn an ungebrochen. Stadt- und Kreisverwaltung stehen eindeutig auf Seiten der Bürgerinitiative "Keine MVA", deren Engagement beindruckend ist.
Nach dem 2. Erörterungstermin, der Anfang April zu Ende gegangen ist, ist die Bürgerinitiative (BI) einmal mehr davon überzeugt, dass das "desolate Auftreten während des Erörterungstermins" zu starken Zweifeln an der Zuverlässigkeit der Fa. Stratmann geführt hat. Die BI befürchtet deswegen , dass die KMG "nicht in der Lage sein wird, eine solche Anlage sicher zu betreiben."
Der Sachbeistand der BI Peter Gebhardt kam in seiner Zusammenfassung zu der Überzeugung, dass die "vorgelegte Anlagenplanung in vielerlei Hinsicht lückenhaft, fehlerhaft und rechtswidrig ist. Obwohl das Vorhaben in einer dicht besiedelten Region mit erheblichen Vorbelastungen geplant ist, ist die KMG nicht bereit, die sich hierdurch ergebenden besonderen Anforderungen an die Planung einer Abfallverbrennungsanlage, beispielsweise eine deutlich effektivere Rauchgasreinigungstechnik auch nur ansatzweise umzusetzen.
Die Sorgen der hier lebenden Menschen, um ihre Gesundheit, die in sage und schreibe 45.000 Einwendungen Ausdruck gefunden haben, werden den wirtschaftlichen Belangen von KMG und Stratmann völlig untergeordnet."
Im Namen der von ihm vertretenene Einwender hatte Gebhardt dann den Vertreter der Bezirksregierung, Denkhaus, aufgefordert, den Genehmigungsantrag zurückzuweisen: "Der vorgelegte Antrag ist weder genehmigungsfähig noch vor den Einwohnern von Paderborn in irgendeiner Form zu verantworten."

 

Alles Öko bei Stratmann?


Gerd Bögeholz im Gespräch mit Radio Hochstift

Unmittelbar betroffen von den Auswirkungen einer solchen Anlage wären die medizinischen und ökologischen Bereiche der ebenfalls nahegelegenen Rudolf Steiner Werkgemeinschaft Schloss Hamborn. Auf die Weigerung, die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger der Region gegen die geplante MVA ernstzunehmen, hat jetzt der Verein den Entsorgungsvertrag mit der Firma Stratmann, dem Hauptgesellschafter der KMG zum November 2008 gekündigt. Gleichzeitig wurde die Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl in einem offenen Brief aufgefordert: "ihren Ermessensspielraum dahingehend auszuüben, dass die schutzwürdigen Belange der Bürger und Einrichtungen wie der unserigen in den Vordergrund gestellt werden und die Genehmigung versagt wird."

In der Tat hätte die geplante MVA verheerende Auswirkungen auf das seit über 50 Jahren biologisch-dynamisch bewirtschaftete Gelände. Auch die Reha-Klinik, in der seit Jahrzehnten erfolgreich Krebsnachsorge betrieben wird, rechnet mit ernsthafte Problemen, sollte es nicht gelingen, den Bau der umstrittenen Anlage zu stoppen. Wie der Sprecher des Vorstandes der Werkgemeinschaft, Gerd Bögeholz im Gespräch mit Themen der Zeit betonte, "könnte es passieren, dass statt der von dem Betreiber in Aussicht gestellten Schaffung von neuen Arbeitsplätzen eher Arbeitsplätze vernichtet werde. Schloss Hamborn ist immerhin der größte Arbeitgeber in der angrenzenden Gemeinde Borchen".
Mit Verwunderung nimmt man in Schloss Hamborn zur Kenntnis, dass der Anspruch, den die Fa. Stratmann auf ihrer Webseite vollmundig postuliere, sich jetzt in der Realität als pures Lippenbekenntnis herausstelle. Auf der Webseite heißt es: "Der Schutz der Umwelt vor Schadstoffen und der sparsame Umgang mit den natürlichen Ressourcen gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben. Gemäß dem Motto: "Aktiv in Sachen Umwelt" stellt sich die Stratmann Städtereinigung seit Jahrzehnten dieser großen Verantwortung".
Dazu Gerd Bögeholz: "Demgegenüber ist das Verhalten der Fa. Stratmann, wie es sich jetzt darstellt, für uns unverständlich und nicht tolerierbar."

Bögeholz wies darauf hin, dass bereits vor einem Jahr deutlich geworden sei, dass der Antrag stark mängelbehaftet sei und deswegen der Erörterungstermin abgebrochen werden musste. Da es bei dem 2. Erörterungstermin deutlich geworden sei, dass es in essentiellen Punkten des Antrags, insbesondere bei der Filtertechnik, keine Verbesserungen gegeben hätte, "..sehen wir hier eine unglaubliche Missachtung der Bedenken und Befürchtungen der Paderborner Bürger und Institutionen." Die Kündigung des Vertrages sowie der offene Brief an die Regierungspräsidentin wurde auch auf der Webseite der Rudolf Steiner Werkgemeinschaft e.V. veröffentlicht.

Bezirksregierung vs. BürgerInnen

Den Bürgerinnen und Bürgern in der Paderborner Region ist das Verhalten der Regierungspräsidentin unbegreiflich. Die einhellige Meinung ist - nicht zuletzt dokumentiert durch die riesige Zahl an Einwendungen - dass man den Müllofen in Paderborn nicht haben will. Den Regierenden in Detmold, so die Ansicht vieler Bürger, sei offensichtlich der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen. Die Einsicht, dass Müllvermeidung noch immer der beste Weg zur Schonung der Umwelt ist, ist unstrittig, wenn man mit Bürgerinnen und Bürgern spricht. Der Gedanke weicht allerdings langsam aber sicher der Vermutung, dass hinter der Weigerung, die Pläne zur Errichtung des Müllofens aufzugeben, mehr stecken könnte, als nur die Aussicht auf billige Energie bei dem Marmeladenhersteller Stute.

Bürgerinitiative Keine MVA
Rudolf Steiner Werkgemeinschaft e.V.
Webseite Stratmann Städtereinigung

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