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 |  | Neubeginn in Basel |
Der Neubeginn wurde mit einem Festakt im Basler Ackermannshof gefeiert. Erwartungsvolle Aufbruchstimmung. NNA - Korrespondent Wolfgang G. Vögele war bei der Eröffnung dabei.
Mit dem Slogan "Wir verlegen unsere Verlage nach Basel. Und dort weiterhin außergewöhnliche Bücher" hatten der Rudolf Steiner Verlag und der mit ihm verbundene Futurum Verlag (früher "Pforte") ihre Übersiedelung in die Universitätsstadt bekanntgegeben.
Das neue Domizil, der Ackermannshof, liegt in der St.-Johanns-Vorstadt, wenige Schritte vom Rhein entfernt. Die Eigentümerin der Liegenschaft, die Ackermannshof AG, setzt sich aus Privatpersonen sowie der Stiftung Edith Maryon zusammen. Das weitläufige Haus, das auch ein Restaurant beherbergt, ist an Kunst- und Kulturschaffende vermietet. So sind hier außer den Verlagen das "Philosophicum" noch Probenräume für Musiker und ein Künstleratelier untergebracht.
Zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland, darunter Autoren und Vertreter anthroposophischer Zeitschriften, besichtigten am 16. September die neuen Verlagsräume und nahmen am Festakt teil. Die Feierstunde fand in einer ehemaligen Druckereihalle im Erdgeschoss statt, wo für die Besucher ein Büchertisch mit Neuerscheinungen und ein großzügiges Buffet zum Apéro aufgebaut waren.
Verlagsleiter Jonathan Stauffer dankte sowohl dem Verwaltungsrat des Verlages für die Zustimmung zur Übersiedlung als auch der Ackermannshof AG. Mit seinem Ortswechsel vollziehe der Verlag die Rückkehr in ein urbanes Milieu, hatte er doch in der Metropole Berlin einst seinen Ausgang genommen. Eine städtische Umgebung inmitten einer lebendigen Kulturszene biete einem Verlag größere Entfaltungsmöglichkeiten. Der Wegzug von Dornach stelle eine tiefe Zäsur dar, die auch als Abkehr von einem historisch konfliktlastigen Ort gelesen werden könne. Zu dem Zeitpunkt, an dem die blutige "Schlacht von Dornach" (1499) stattgefunden habe – der bisherige Standort des Verlags lag auf dem dortigen "Bluthügelweg" – habe im Ackermannhaus bereits ein Schüler Gutenbergs, Johannes Petri gewohnt, der die damals neue Drucktechnik mit beweglichen Lettern praktiziert habe. Insofern stehe der genius loci symbolisch für Neubeginn und Innovation.
Der Präsident der Rudolf Steiner Nachlassverwaltung, Cornelius Bohlen, erinnerte an die über hundertjährige Geschichte des Unternehmens, das 1908 in Berlin als "philosophisch-theosophischer Verlag" (seit 1915 unter dem Namen "philosophisch-anthroposophischer Verlag") durch Marie Steiner-von Sivers begründet worden war. Seit 1923 ist der Verlag in Dornach ansässig. Seit 1971 heißt er Rudolf Steiner Verlag; seine Hauptaufgabe sei nach wie vor die Herausgabe der Steiner-Gesamtausgabe, ein arbeitsaufwändiges Großprojekt, das derzeit etwa 350 Bände umfasse, weitere 30 Bände seien in Planung.
2007 habe sich der Verlag gegenüber seinem bisherigen Träger, der Steiner-Nachlassverwaltung, in Form einer Aktiengesellschaft rechtlich verselbständigt. Die Bilanz sei erfolgreich; der Jahresumsatz betrage derzeit über 1 Million Schweizer Franken. Bohlen wies auf die wenig bekannte Tatsache hin, dass Rudolf Steiner zu den Top-Ten der meistübersetzten deutschsprachigen Autoren gehöre. Auf dem aktuellen Ranking der UNESCO (Index Translationum) belege Steiner Platz drei, gefolgt von Karl Marx, Hermann Hesse, Nietzsche, Engels, Kafka, Goethe und Sigmund Freud.
Bei den folgenden Autorenlesungen kamen auf dem Podium einzelne Autoren zu Wort. Michael Ladwein las aus seinem demnächst erscheinenden umfangreichen Werk "Prag – Genius einer Stadt" das spannende Kapitel Kafka und Steiner, in dem er die neuesten Erkenntnisse der Kafka-Forschung verarbeitete.
Den Philosoph Stefan Brotbeck, zugleich Initiator und Leiter der Kulturinitiative "Philosophicum", ließ sich zu seinem zweiten Aphorismenband "Heute wird nie gewesen sein" befragen. Er charakterisierte Wesen und Bedeutung eines "gelungenen" Aphorismus, der oft auch humorvoll sei und damit der "Fäulnis der Pseudo-Seriosität" entgegenwirke. Ein glänzendes Beispiel hierfür seien die Aphorismen Christian Morgensterns. Bei ihm, Brotbeck, enstünden die Aphorismen unbeabsichtigt, gleichsam als Nebenprodukt seiner philosophischen Arbeit. Ein "fertiger" Aphorismus könne wiederum zum anregenden Ausgangspunkt philosophischer Überlegungen werden.
Christian Grauer nahm Stellung zu seinem neuen Buch mit dem provozierenden Titel "Es gibt keinen Gott, und das bin ich". Der Autor hinterfragt darin kritisch manche undurchsichtigen und eingespielten Erscheinungsformen anthroposophischer Esoterik und wirbt auf manchmal humorvolle Weise für eine spirituelle Aufklärung.
Mit ihren teils humorvollen, teils nachdenklichen mundartlichen Liedern ließ die Musikgruppe "Baldrian" die Feier schwungvoll ausklingen. Entsprechend dem Programm des Futurum Verlags, der sich dem Motiv der Verwandlung und Erneuerung verpflichtet weiß, herrschte bei der Feier erwartungsvolle, heitere Aufbruchstimmung.
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