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RS 150. Protokoll eines Berichts

12.04.2011


Michael Mentzel war fünf Tage im RS 150 - Sonderzug Rudolf Steiner unterwegs.

Der wahre Reisende weiß nicht, wohin die Reise geht,
der wahre Abenteurer weiß nicht, was er erleben wird.
Seine Reisen führen ihn nicht eher in eine Richtung als
in eine andere. Seine Neugierde ist nicht auf einen
bestimmten Punkt gerichtet.
Chuang-tzu, ca. 365-286 v. Chr.

- schatten. bald frühling?

Mittwoch, 2. März 2011 - Es ist ein halbwegs sonniger Tag. Trotzdem liegt irgendetwas in der Luft. So viel war heute schon danebengegangen. Dort war etwas heruntergefallen, hier hatte der Drucker seinen Geist aufgegeben, die neue Farbe funktionierte nicht, kurz, man konnte den Eindruck haben, als läge trotz der strahlenden Sonnenscheins ein Schatten über dem gesamten Areal. Die ältere Dame, die ein Plakat für eine Zweigankündigung abholen will, wundert sich. "Sie kommen vergeblich, tut mir leid". Und wie gern hätte ich gerade heute für ein Stündchen meinen Arbeitsplatz ins Café "Alte Schule" verlegt und meinen Reisebericht von der Fahrt mit dem Rudolf Steiner-Sonderzug RS 150 begonnen. Inspiriert vom Kaffeeduft, getragen von jener Stimmung, die mich seit meinem Besuch im Cafe Griensteidl in Wien nicht mehr so richtig loslässt. Sentimentalität oder die Hoffnung auf Begegnung? Eher das Zweite: Hier und jetzt mit Zeitgenossen, die Lust haben, sich für ein paar Minuten mit mir über diese Reise zu unterhalten. Sonderzug RS 150. TdZ berichtet von dieser Reise.

Lag etwas in der Luft? Heute, am 2. März, ist der Komponist Raimund Schwedeler im Altenwerk Schloss Hamborn verstorben. Noch im September des vergangenen Jahres hatten wir mit einem Festkonzert seinen 85. Geburtstag gefeiert. Ein Mensch, dem die Anthroposophie ein echtes Anliegen war, dessen pädagogische und kompositorische Intentionen tief in der Anthropsophie gründeten. Mein Reisebericht muss warten.

 


der flashmob findet am hauptbahnhof statt


- reisebericht 1 | gespannte erwartung 24 02 11

Der erste Tag - vorerst einmal verhaltenes Interesse des Publikums auf dem Domplatz zu Köln. Kein Alaaf, ein Helau schon gar nicht, schließlich ist noch nicht Wiewerfastelovend. Nur ganz viele junge Menschen, erst auf dem Platz, dann auf der Treppe, die zum Dom hinaufführt, ein Eurythmie-Flashmob. Ein eurythmisches Halleluja. Flashmob? Das soll Anthroposophie sein? Die jungen Leute werden Schreitende, ernst und irgendwie feierlich. JeansträgerInnen, zwischen achtzehn und dreißig? Wenn die Zukunft zur Gegenwart wird, ist kein Platz für bange Gedanken. Allein schon dieser Auftakt lässt erahnen: der Steiner Express wird mehr "Mitreisende" haben, als auf der Passagierliste stehen; und dieser Zug wird nicht nach "Nirgendwo" fahren, wie der in der Schnulze von Christian Anders, sondern geradewegs in ein Abenteuer, geleitet von der Energie und dem Gestaltungswillen einer kleinen Gruppe von Menschen, die diese Reise möglich gemacht haben. Wo werden wir ankommen und wie?

Vera Koppehel und Stephan Siber sind die Initiatoren, die diesen Zug auf die Schienen gesetzt haben. Die Spannung ist ihnen anzumerken; wird alles klappen? Wir werden die beiden im Verlauf der Reise noch näher kennenlernen. Auf dem Bahnsteig gibt es Gedränge: Zugtaufe und bald wird es heißen: "Achtung auf Gleis 1 Abfahrt des Sonderzuges RS 150 ....." Winkend zurück bleiben viele jungen Menschen, StudentInnen der Alanus-Hochschule, die mit ihrem wunderbaren Flashmob an diesem Morgen vor dem Bahnhof und mit ihren Aktionen auf dem Bahnsteig gezeigt haben, dass sie im Geiste auf dieser Reise mit dabei sind.

- kein anschluss in diesem abteil

Einsteigen! Von Köln nach Kraljevec und dann nach Wien. Prägende Orte für das Leben und Wirken Rudolf Steiners. Gelegenheit, über das Verhältnis zu diesem Rudolf Steiner nachzudenken und den Versuch einer eigenen Standortbestimmung zu wagen? Wir sind zu zweit im Abteil, erst ab München und Graz werden weitere Fahrgäste dazustoßen, sie haben das ganze Abteil gebucht. Leider gibt es keinen Stromanschluss. Aber es hält mich sowieso nicht lange auf meinem Sitz im Abteil, denn es heißt erst einmal erkunden, was dieser Zug so alles bereithält. Gleich nach der Abfahrt beginnt im Clubwagen die erste Veranstaltung. Eine Gruppe junger Leute von der Alanus-Hochschule zitieren und rezitieren Steiner und andere Geistesgrößen - natürlich ist auch Götz Werner und das Grundeinkommen dabei - und sie scheuen sich nicht, Übersetzungen des Steiner-Werkes einzufordern. Wie sagte Steiner: "Ich will nicht verehrt, sondern verstanden werden." Bei den Jungen heißt es so: "Wir wollen verstehen!" Kann etwas besseres passieren als die Forderung dieser Generation? Einer Generation, die mit Macbook, Internet, Wlan und der Bereitschaft aufwächst, sich ernsthaft einzubringen und nach Lebensentwürfen zu fragen, die nicht festgefahren, sondern - wie dieser Zug - in Bewegung sind?

Wie aber steht es mit mir? Bin ich in Bewegung? Oder befinde ich mich schon auf dem Abstellgleis vor dem Prellbock? Im bequemen Lokschuppen mit Heizung und Reinigungspersonal? Steiner - so scheint es angesichts seines monumentalen Werkes - war offensichtlich immer in Bewegung, er verbrachte den größten Teil seines Lebens in Zügen und auf Reisen. Es mag sein, dass das Reisen heute bequemer ist als damals, die Fragen bleiben dieselben. Woher komme ich, wohin gehe ich? Kein Anschluss unter dieser Nummer? Die Antworten liegen nicht am Horizont, sondern dort wo Vergangenheit und Zukunft eins sind. Sie liegen unter uns, während wir über die Schwellen donnern mit der E103, der legendären E-Lok vor diesem Sonderzug RS150. Realität. Gegenwart. Jetzt. Die Namen der jungen Leute können sie bei RS150_on_air nachlesen. Über die Schwellenerlebnisse von Gurus lesen sie an anderer Stelle.

Noch funktioniert die Lautsprecheranlage, später wird sie ihren Geist aufgeben. Immerhin hat sie länger gehalten als der Akku meines Laptops. Besuch im Abteil. Wir lassen uns von Anne Pauli als Zugchefin (sagt man so?) und Vera Koppehel auf das allerherzlichste begrüßen und bekommen unseren "Reispass", in den wir - höchstpersönlich - unseren Namen eintragen müssen. Die Damen gehen durch den Zug und begrüßen jeden Fahrgast. So etwas sollte man doch endlich bei der Deutschen Bahn einführen.

 


rudi rudi! wir grüßen dich...

Willkommensgesten in Mannheim, Stuttgart und Ulm. Schüler, Eltern und Lehrer mit Musik und Transparenten begrüßen den Zug und seine Passagiere mit Musik, Chorgesang und Jubelrufen. So ganz sicher bin ich mir nicht, dass die "Rudi Rudi..." rufenden Kleinen wissen, wem sie da jetzt gerade zujubeln, aber für sie ist es natürlich ein großer Spass und so etwas lässt man sich nicht entgehen. Journalisten mit Kameras, die Regionalpresse wird am nächsten Tag darüber berichten. Und Ihr wart dabei und habt uns und unseren Zug willkommen geheißen. Danke! Habe ich eben "unseren Zug" gesagt? Ist die anthroposophische Community - zumindest auf dieser Reise - doch eine Wir-Gesellschaft? Fast hat man den Eindruck, denn schnell kommt man miteinander ins Gespräch, schließlich hat man alle Zeit der Welt. Die Grundeinkommensaktivisten aber, die während des Aufenthalts in Ulm mal eben eine schnelle Krönungsaktion durchführen und das "Grundeinkommen" verteilen wollen, sind etwas knapp dran und müssen sich beeilen. Keine Zeit für einen Plausch mit FIU-Rappmann. Auch er heute ein König.

Ein junger dienstbarer Geist taucht auf, leert den Papierkorb, putzt die Abteilscheiben, lächelt und ist wieder verschwunden. So etwas, man nimmt es zur Kenntnis, freut sich und beim nächsten Mal liest man auf dem Namenschildchen: Martina K.. Hoppla, man kennt sich ja schon über 20 Jahre, hatte sich allerdings aus den Augen verloren. Plötzlich ist da wieder Vertrautheit, sie hat mit unseren Kindern zusammmen gelacht, gespielt, gebastelt. Putzen ist meditativ, sagt sie und: "Ich mache das gern, es tut mir gut!" Irgendwann im Verlauf der Fahrt wird sie ein längeres Gespräch mit einem Herrn von einer Stiftung aus den Niederlanden haben. Deren Abteil ist nebenan. Sie möchte Sprachgestaltung studieren in Dornach und sucht noch Sponsoren. Ihr fröhliches Lächeln wird uns während dieser Reise begleiten. Ob sie wohl einen Sponsor gefunden hat? "Sprachgestaltung finde ich sehr wichtig", sagt sie noch.

 


rainer rappmann - ich bin ein könig


- drei glieder bodack bundesbahn

Der Abend in München - fröhlicher Empfang in der Stadt mit Herz. Wir checken in einem Hostel/Hotel in der Nähe des Bahnhofs ein, nur 5 Minuten bis zur U-Bahn, auf dem Abendprogramm steht ein Besuch in der Waldorfschule in Schwabing. Die einzige Waldorfschule in Deutschland übrigens, die ein McDonalds-Restaurant betreibt. Heute abend allerdings haben die Waldorf-Eltern für unser leibliches Wohl gesorgt und es gibt jede Menge leckerer Köstlichkeiten am Büffet.

Im Saal. Auf der Bühne Katja Axe und Jens Bodo Meier von der Goetheanumbühne mit drei Ausschnitten aus dem Leben des Johannes Thomasius aus den Mysteriendramen: "Hautnah".

Dann erzählt uns Herr Bodack von seiner Zeit als leitender Mitarbeiter im Designzentrum der Deutschen Bundesbahn, als er das Bahnbetriebswerk in Weiden rettete, die Mitarbeiter zu Höchstleistungen anspornte und neue Wege, dreigegliederte, in die Betriebsabläufe einführte. Fast scheint es, als hätte die Bahn damals kurz vor der Einführung der Anthroposophie als Betriebsprinzip gestanden, so lebendig ist der Vortrag. Das es nicht so gekommen ist, davon kann man sich heute überzeugen, aber ein bisschen schön wäre es doch gewesen, oder? In diesem Zug leben einige der Ideen von Herrn Bodack und seinem Team fort, der Clubwagen wie auch die anderen - die Interregiowagen - mögen als Beispiel für organisches Design in diesen ansonsten rein technischen Zusammenhängen gelten.

Wie halten wir es in unseren Arbeitsverhältnissen? Was ist mit den Hierarchien, den Chefs, den Bestimmern? Leiten uns Gedanken, wie sie in den "Kernpunkten" gedacht werden oder wurschteln wir herum: man sollte, man könnte, man müsste? Wo lebt die Dreigliederung oder anders gefragt: Was ist das überhaupt? In diesem Moment lebt die Frage in mir wieder auf, überlagert den Vortrag fast ein wenig, hängt mir nach. Immerhin wissen wir, dass die Zeit der Gutsherren vorbei ist und - zumindest in den allermeisten unserer Zusammenhänge - weitgehend durch Kollegialität und den Willen zur Zusammenarbeit ersetzt wurde. Überall? Wie lange wird sie nachklingen, diese Frage?


im café alte schule

Nun, zumindest bis heute, wo ich dann doch mal im Café sitze, das inmitten einer anthroposophischen Einrichtung zu finden ist. Wenn ich später wieder nebenan in meinem Büro sitze, werde ich diese Frage - hoffentlich - nicht vergessen haben. Aber auch das, was die beiden Mitglieder der Goetheanum-Bühne uns zeigen, die Szenen aus den Mysterien-Dramen, die dem Vortrag von Herrn Bodack vorangegangen waren, bleibt - ein bisschen - gegenwärtig; nur gut, dass es sich nachlesen lässt. 

 

- zugang nur für berechtigte

"Beim Reisepass handelt es sich um diejenige Form des Passes, die für allgemeine Reisezwecke ausgestellt wird. Zu unterscheiden sind hiervon insbesondere der Dienstpass und der Diplomatenpass, die für Reisen der Repräsentanten des ausgebenden Staates in dienstlicher Eigenschaft bestimmt sind." Sagt Wikipedia. Unser Reisepass ist etwas ganz besonderes. Er berechtigt uns nicht nur zur Mitfahrt in diesem TEE aus dem Jahre 1985, sondern auch zum Besuch der Matinee zu Steiners Geburtstag in der Wiener Nationalbibliothek. Daneben ist er ein schön gestaltetes Notizbuch mit der Option auf die Konservierung von Gedanken oder Ideen und weitere Stempel. Vielleicht nehme ich ihn in Zukunft überall dorthin mit, wo Anthropsophen arbeiten: In Waldorfschulen und heilpädagogische Einrichtungen etc. etc. Zwar wird er dort nicht als Eintrittspass benötigt, denn diese Einrichtungen sind - im Gegensatz zur Meinung mancher Unwohlgesonnenen - für jeden frei zugänglich. Aber ein Stempel der Einrichtung in diesem kleinen Büchlein, das hätte schon was.

 


die fahrende wandergesellin hildegard und ihr kollege managen das mobile bistro


- reisebericht 2 | der frühe vogel... 25 02 11

Die Abreise von München nach Kraljevec ist um 4:55 Uhr geplant und sie wird pünktlich erfolgen. Das ist ziemlich früh, aber trotzdem haben alle eine blendende Laune. So eine Reise ist schon etwas Besonderes. "Nein, Tee im Clubwagen gibt es erst in 10 Minuten." Der Kaffee am Bahnhof war, wie jemand glaubhaft versichert, nicht zu genießen und beendet sein dürftiges und dünnes Dasein ungetrunken im Klo. Da kommen - etwas später - die beiden Steinmetzgesellen mit ihrem zünftigen Outfit und dem mobilen Bistro gerade recht. Kaffee, Tee und ein kleines Hörnchen. Dieses Frühstück lässt so ein leicht italienisches Gefühl aufkommen.

In wenigen Minuten erreichen wir Prien am Chiemsee. Wurde dort nicht von Waldorfschülern die erste Regio-Währung, der "Chiemgauer" erfunden? Die Chiemgauer-Webseite: "Das (..) aus einem Schülerprojekt in Prien entstandene Regiogeld versteht sich als Ergänzung des Euro um eine regionale Komponente und einige innovative Elemente. Insgesamt zielt der Chiemgauer als alternative Geldform darauf ab, dass die Wertschöpfung in einer eigenen Region bleibt. Auch sollen lebendige Innenstädte und Dörfer, intakte Vereinsstrukturen und ein helfendes Miteinander gefördert werden"

Ein herzlicher Empfang, die Waldorfschule Prien lässt es sich nicht nehmen, uns ein Ständchen zu bringen. Die Raucher haben es auf dieser Reise übrigens nicht ganz leicht, ihren - zweifelsohne - lebensnotwendigen Nikotinbedarf zu decken. Manchmal sind die Aufenthalte arg kurz und so ein außerfahrplanmäßiger Sonderzug darf ja auch die streng geregelten Abläufe nicht stören.

Salzburg. Im Clubwagen lauschen die Passagiere Herrn Bodack, der scheint allgegenwärtig, beantwortet Fragen zum Zug und zu allem, was mit der Eisenbahn zu tun hat. Er hat ja auch wirklich eine ganze Menge zu erzählen. Etwas später kommt ein gewisser Daniell Porsche zu Wort, er liest aus seinem Buch über Schülerstreiche an der Waldorfschule. Noch ein prominenter Waldorfschüler, immerhin fährt er mit dem Zug und nicht mit seinem Porsche Cayenne. Ich schaue nur kurz hinein, im Clubwagen ist es während der "Rheingoldzeit" immer etwas eng. Beim nächsten "Event", so beschließe ich, werde ich den Clubwagen etwas früher aufzusuchen. Etwas später ist dann doch Gelegenheit, mit ihm einige Worte zu wechseln. "Wenn Du den mal triffst, grüß ihn von mir!", hatte mir ein alter Bekanner mal gesagt. Jetzt war es soweit. Inzwischen habe ich auch sein Schülerstreiche-Buch vom Verlag zur Rezension bekommen. Demnächst also hier bei TdZ eine Besprechung. Bald werden wir Graz erreichen.

- graz steiermark

Zurück im Abteil ist auf einmal Leben und ein munteres Treiben. Neue Fahrgäste sind zugestiegen. "Betriebsausflug" der medizinischen Sektion am Goetheanum. Auch hier findet nach einer Weile die Zeremonie der Passübergabe statt, wieder eine herzliche Begrüßung durch Vera und Anne, diesmal sind wir Beobachter.

Auf dem Weg durch den Zug. Die Gespräche der Mitreisenden werden intensiver. Viele kennen sich bereits, andere sind nach kurzer Zeit miteinander vertraut. Ahaaa, Schloss Hamborn... "Nein, ich bin kein Lehrer, ich wohne nur dort." Kurze Begegnungen und doch schnell über das hinaus, was so gemeinhin Smalltalk genannt wird. Viele haben offensichtlich bereits die Steiner-Biographien von Zander, Ullrich und Gebhardt entweder selbst gelesen oder sind darüber informiert, immer wieder dringen Gesprächsfetzen an mein Ohr. Auch die Eurythmie ist ein Thema, nicht zuletzt durch die beiden roten Damen Andrea Heidekorn und Hannah Hardenberg.

- nicht müde werden. hilde domin.

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

Was ist es, das uns nicht müde werden lässt, wenn wir für eine Idee brennen, überzeugt sind? Ein Besuch im Presseabteil. Phillip und Jonas sind irgendwie immer aktiv. Da taucht die Idee auf, das erste Kapitel aus Robin Schmidts neuem Buch "Skizze" zu lesen. Iphone oder eine "Studioaufnahme"? Ich entschließe mich für das Handy und eine Aufnahme "mittendrin". Gelingen wird es mir allerdings erst am nächsten Tag auf der Fahrt zwischen Cakovec und Wien, als ich ein einigermaßen unbelebtes Großraumabteil finde. Inzwischen ist die "Lesung" auf RS 150 on air eingestellt worden.

"Alle Zugreisenden mögen sich auf ihre Plätze begeben", denn wir überqueren die Grenze zu Kroatien. Fast kommt ein wenig DDR-Feeling auf. Die Beamten haben diesen unbewegten Blick, der keine Annäherung zulässt. Füttern verboten. Stop! Die Kontrolle dauert eine ganze Weile, auch wurde inzwischen die Lok gewechselt, es geht jetzt viel langsamer weiter. Werden wir noch im Hellen in Kraljevec ankommen? Die Spannung steigt. In unserem Abteil herrscht derweil Arbeitsatmosphäre. Eine irgendwie "verdichtete" Atmosphäre im Abteil, die bestehen bleibt, auch wenn jemand plötzlich mit einer Frage an Michaela Glöckler oder irgendeinem Anliegen hereinplatzt. Und Fragen und Anliegen scheint es einige zu geben. In der Tat ist es ein Betriebsausflug der anderen Art. Begonnene Arbeit wird fortgesetzt, man liest Peter Selg: Rudolf Steiner und Christian Rosenkreutz..... tauscht sich darüber aus. Und nein, es stört nicht, wenn wir zuhören.

 


donij kraljevec - fröhlicher empfang mit blaskapelle, festreden und zwei weiße tauben




reisebericht 3 | ankomme freitag den 25. in Kraljevec, Kroatien

Was für ein Empfang! Das ganze Programm. Honoratioren, Blaskapelle, Mitbringsel. Publikum. Trotz schneidender Kälte ist ein fröhliche Stimmung über der Gesellschaft. Die Begrüßungsreden werden übersetzt, als der Bürgermeister fertig ist, ist auch mein Aufnahmegerätchen soweit. Achim Hellmich schreibt in der Wochenschrift in seinem Bericht über die Reise: "Der Bürgermeister hält eine engagierte und bewegende Rede, eine ehrliche Hommage an Rudolf Steiner. Stolz sei er, der Bürgermeister, auf diesen "größten Sohn des Ortes", fasst er seine Rede in einem Schlussatz zusammen. Mich berührt die Rede, ja die ganze Atmosphäre, ist es doch, wie auch der ganze folgende Abend, diese große seelische Offenheit, eine uns alle umfassende Herzensweite." Schöner als Achim Hellmich hätte ich es jetzt wohl auch nicht ausdrücken können.

Jetzt spricht Vera Koppehel. Ihre und Stephan Sibers Initiative hat diesen Zug auf die Schienen gebracht und möglich gemacht, dass hier in Kraljevec vor dem "Geburtshaus" Rudolf Steiners jetzt über 200 Zugreisende gemeinsam mit den Dorfbewohnern stehen und nicht nur Rudolf Steiner, sondern auch diesen beiden ihre Reverenz erweisen. Die Freude über den großartigen Empfang und darüber, die Sympathie der Anwesenden spüren zu können, ist nicht zu übersehen. Die beiden Tauben, die Vera fliegen lässt, sind für mich in diesem Moment ein Sinnbild für die Gedanken, die über Grenzen hinweg die Herzen und Seelen der Menschen miteinander vereinen können. Wird irgendwann eine friedliche und geistgetragene Gemeinschaft über Grenzen hinweg möglich sein? Die jüngsten politischen Ereignisse wirbeln plötzlich durch mein Hirn. Aber warum so weit? Mubaracks und Ghadafis gibt es überall, manchmal reicht es, sich auch in unmittelbarer Nähe etwas umzuschauen, die allgegenwärtigen Machtdemonstrationen und deren Auswüchse in Politik und Gesellschaft, lassen sich überall finden.

- überraschung. johann sebastian bach

Das Kraljevecer "Protokoll" sieht einen Kirchenbesuch mit Überraschungskonzert vor, anschließend einen kroatischen Abend im Gemeindehaus. Die Kirchentür ist noch verschlossen, wir schaffen es durch den Seiteneingang, es ist kaum durchzukommen. Wir finden einen Platz an der Seite, nach einer Weile schließe ich die Augen, lausche Miha Pogagnik. Die beiden Damen neben mir haben sich offensichtlich Wichtiges zu erzählen, was den Kunstgenuss leider etwas trübt. Es ist kalt. Schweigend gehen wir nach dem Besuch der Kirche in Richtung Gemeindehaus, wo uns ein mitreißendes Konzert mit Gesang und Kindertanz erwartet. Die Musik ist "unplugged" und die Kinder singen und tanzen wunderbar. Am Büffet gibt es köstliche kroatische Spezialitäten.

Der Übersetzer, der die Reden am Geburtshaus wunderbar übersetzt, spricht mir freundlicherweise die Übersetzung der ersten Ansprache auf mein Aufnahmegerät, danach stelle ich fest, dass leider auch die anderen Reden nicht auf meinem Iphone zu hören sind. Schon wieder! Allerdings entdecke ich plötzlich, dass es kein technischer Fehler, sondern "menschliches Versagen" ist. Ich beschließe, der Apple-Hotline ein Entschuldigungsmail zu senden. Nein, das Gerät ist doch in Ordnung. Sie haben keine Schuld. Ich bin zu blöd.

Blick auf die Uhr, der Zug wird bald abfahren, wir müssen los. Wir laufen durch die kalte Nacht in Richtung Bahnhof, diesmal ohne Blasmusik. Ein herzlicher Abschied am Bahnhof und es geht nach Cacovec, dort erwartet uns eine Eurythmieaufführung und dort ist auch unser Hotel. Der Weg zur Stadthalle führt uns durch einen Park und durch eine ziemlich verfallene Burganlage, biertrinkende und grölende Jugendliche begrüßen uns lautstark - sie werden auf dem Rückweg immer noch da sein, sie haben wohl nicht auf uns gewartet, eher scheint es, als seien sie immer hier.

Die Halle scheint ausverkauft, wir haben einen Platz ganz vorn. Begrüßung, kleine Ansprachen, und dann beginnt die Eurytmieaufführung des Eurythmie-Ensembles Zagreb. Getragen, klassisch. Das Programm besteht aus zwei Teilen, der zweite schafft es, die bis dahin eher verhaltene Aufmerksamkeit des Publikums plötzlich umzuwandeln. Das Ensemble, der Moderator und sein kleiner Freund gaukeln um die Wette. Riesenapplaus.

Es war ein langer Tag. Die Zimmer im Hotel sind eiskalt, aber wir schlafen tief und fest. Leises Wummern aus der Disco, wir haben Glück, sie ist in einem andern Teil des Hauses. Beim Frühstück am anderen Morgen treffen wir zwei nette Menschen, Freunde von Freunden. Wozu brauchen wir eigentlich Facebook? Wir sprechen über Bilder, Malerei und darüber, wie es ist, Hausmeister an einer Schule zu sein. Ein Blitzlicht und eine kurze Momentaufnahme, aber auch eine kurze Lehrstunde, wie Menschen in bestimmten sozialen Zusammenhängen manchmal ticken oder wie sie auch manchmal scheitern. Kindheitserinnerungen steigen auf, wenn man selbst einige Jahre im direkten Umfeld einer Schule großgeworden ist.

 


wolfgang zumdick liest im clubwagen


reisebericht 4 | nächster halt: neudörfl 26 02 2011

Ausstieg in Fahrtrichung links? Wolfgang Zumdick liest im Clubwagen aus seinem Reiseführer "Rudolf Steiner in Wien." Doch bevor wir in Wien einreisen, stehen Neudörfl und Brunn am Gebirge auf dem Programm. Auch in Neudörfl ein sehr freundlicher Empfang, am Bahnhof wieder einige Begrüßungsworte, dann eine Führung durch den Ort. Die Schule, die Häuser der "Kleinhäusler", der Garten, die Kirche. Ein Besuch im Rudolf Steiner "Seminarhaus", Kaffee und Kuchen, Eintrag ins Gästebuch und der erste Stempel im Reisepass mit Unterschrift des Bürgermeisters.

Pottschach allerdings, den Ort, in dem Steiner seine ersten Lebensjahre verbracht hat, berührt unsere Reiseroute nicht. Steiner selbst über Pottschach in seinem Lebensgang: "Auf dem kleinen Bahnhofe aber vereinigte sich alles Interesse auf den Eisenbahnbetrieb. Es verkehrten zwar damals in dieser Gegend die Züge nur in größeren Zeitabständen; aber wenn sie kamen, waren zumeist eine Anzahl von Menschen des Dorfes, die Zeit hatten, am Bahnhof versammelt, um Abwechslung in das Leben zu bringen, das ihnen sonst anscheinend eintönig vorkam. (...) Ich glaube, daß es für mein Leben bedeutsam war, in einer solchen Umgebung die Kindheit verlebt zu haben. Denn meine Interessen wurden stark in das Mechanische dieses Daseins hineingezogen. Und ich weiß, wie diese Interessen den Herzensanteil in der kindlichen Seele immer wieder verdunkeln wollten, der nach der anmutigen und zugleich großzügigen Natur hin ging, in die hinein in der Ferne diese dem Mechanismus unterworfenen Eisenbahnzüge doch jedesmal verschwanden."

Da sehe ich plötzlich - es ist Jahre her - vor mir die hochgezogenen Augenbrauen eines Waldorflehrers, als wir einmal über Spielzeug und Modelleisenbahnen für kleine Waldorfjungens reden.

Der nächste Halt ist in Brunn am Gebirge, wir werden abgeholt und laufen durch den Ort zum Gliedererhof, hier hat die Familie Steiner von 1882 bis 1887 in äußerst bescheidenen Verhältnissen gewohnt, heute würde es heißen 2 ZKDB. Immerhin ein Zimmer für den Studiosus. Hier schrieb er die "Grundlinien einer goethischen Erkenntnistheorie", die Vorstufe zu seiner Philosophie der Freiheit. Der Gliedererhof ist heute ein Heimatmuseum. Es gibt eine kleine Führung durch das Museum und im Hof Punsch und Gespräche. Im hinteren Teil des Gartens steht der Grabstein der Eltern und der Schwester Rudolf Steiners. Begraben sind Steiners Eltern allerdings in Horn in Niederösterreich. Wir verlassen den "Gliedererhof" durch den "Hinterausgang", der von manchem Hausbewohner nach dem Wirtshausbesuch auch als Eingang benutzt wurde, wie uns erzählt wird.

- nebenbei 1980 ... 12 03 2011

Ich bin gerade 3 Tage an der Ostsee. Kurzurlaub. - Ach ja, die 80er des vergangenen Jahrhunderts. Hundert Jahre nach Steiners Zeit in Brunn. Aufbruch und Begeisterung für Neues. In diesem Jahrzehnt wurden die meisten Waldorfschulen gegründet, Euphorie prägte eine ganze Generation. Es war die Hochzeit der Anthroposophie, wie mir scheint. Aber es war auch die Zeit von Tschernobyl. Eine Zeitenwende? Die aktuellen Berichte aus Japan lassen diese Zeit noch einmal in aller Deutlichkeit vor Augen stehen. Wann werden wir endlich lernen, die Welt so zu behandeln, wie wir uns wünschen behandelt zu werden. Dort stehen zwei AKW kurz vor der Kernschmelze, ein Tsunami hatte dafür gesorgt, dass die Systeme kollabierten, die Kühlung ausgefallen ist, bereits 51.000 Menschen seien evakuiert, liest man in der nzz-online. "Keine Gefahr für Deutschland" heißt es bereits wieder, Japan sei zu weit weg. Gefahr - auch das ist ein Thema, wenn nicht sogar das wichtigste? - besteht allerdings für die Rückversicherer, denn die müssen jetzt vermutlich ziemlich tief in Vollen greifen. In die vollen Taschen. Was wohl werden die "Wirtschaftsweisen" dem staunenden Volk in ihren "Herbstgutachten" verkünden? Die schlechte Wirtschaftslage sei den internationalen Krisen in der arabischen Welt und den Naturkatastrophen geschuldet. Und der deutsche Normalmichel wird seinen Atomkraftbutton wieder verschämt in der Schublade verstauen und seufzend vor dem Fernseher sitzen. "Same procedure as every year". Oder rheinisch: "Wat willste maache?" Das es offensichtlich nicht ganz so einfach ist, wie ich es Eingangs dieses Textteils dargestellt habe, dürfte inzwischen (18.03.2011) ziemlich eindeutig sein. Wie stehen eigentlich die Anthroposophen zur Atomkraft? Mir fällt ein, dass ich mal wieder nach Peter von Siemens googlen muss. Inzwischen hat die Katastrophe schier unglaubliche Dimensionen angenommen.

 

reisebericht 5 | wien hauptbahnhof

Der Weg vom Bahnhof in das Hostel dauert knapp 10 Minuten - hier gibt es für ein paar Mitreisende ein paar Unklarheiten, wir hatten allerdings unabhängig gebucht und alles geht unkompliziert. Komme ich heute mal dazu, so etwas wie den Beginn eines Reiseberichtes zu schreiben? Als ich im Eingangsbreich des Hostels meine Mails abrufe, erzählt mir Curro Cachinero, der einen Bericht für die Drei schreiben wird, von neuen Formen der Landwirtschaft. CAS, was mir auf den ersten Blick wie ein etwas modifiziertes Modell aus den 1980er Jahren erscheint. Ein Modell für die Zukunft? Verbraucher fördern eine Landwirtschaftsgemeinschaft nicht über die Preise der Produkte, sondern durch die Finanzierung der Landwirte.

 


ver-rückungen



- wien der morgen danach 27 02 11

Festliche Kleidung ist angesagt, es geht in die Wiener Hofburg, genauer gesagt in die Österreichische Nationalbibliothek in der Wiener Hofburg. Es dauert eine Weile bis der Eingang gefunden wird, man sieht bekannte Gesichter, suchend, fragend, das Areal hier ist weitverzweigt und durchaus ein wenig unübersichtlich. Im Festraum der National-Bibliothek ist Matinee zu Ehren Rudolf Steiners. Den Ehrenschutz - so etwas wie die Schirmherrschaft - hat der österreichische Bundespräsident Fischer übernommen, der aber leider nicht zugegen sein wird. Er lässt grüßen. Eintritt nur mit gültigem Reispass. Eine freundliche VIP-Dame stellt mir ihren - reservierten - Platz in der zweiten Reihe zur Verfügung, so kann ich wenigstens ein paar Fotos machen. Vera Koppehel und Stefan Siber führen durch diese Veranstaltung, für sie dürfte dies - nach all den gelungenen Aktionen im Zug, nach Kraljevec, Neudörfl und Brunn am Gebirge - jetzt wohl der krönende Abschluss dieser großartigen Reise sein. RS150 - der Sonderzug Rudolf Steiner - ist angekommen.

Cellomusik, Paul Hindemith und Egon Wellesz, gespielt von Prof. Rudolf Leopold. Walter Kugler ist in Redelaune, er schlägt einen Bogen von Ludwig Wittgenstein "Man muss nur viel verrückter denken als die Philosophen, um ihre Probleme lösen zu können", zu Rudolf Steiner und spricht von den Ver-Rückungen Steiners, der alles andere als ein Mainstream-Philosoph gewesen sei.

Reden zur aktuellen Situation der Waldorfpädagogik in Österreich schließen sich an, souverän führen Vera und Stephan durch das Programm und Wolfgang Zumdick liest noch einmal ein Kapitel aus seinem neuen Reiseführer "Steiner in Wien".

Im Anschluss an den offiziellen Teil gibt es sehr leckere Demeter-"Butterbrote" und -Säfte. Noch einmal eine gute Gelegenheit, die ein oder andere Bekannschaft zu vertiefen oder auch noch neue Bekanntschaften zu knüpfen. Die Gesichter der Mitreisenden sind inzwischen vertraut geworden, so dass es nicht schwer fällt, ins - zumeist - kurze Gespräch zu kommen. Das Proramm des Tages allerdings geht weiter, wir beschließen, die Nationalbibliothek etwas näher in Augenschein zu nehmen und erst beim nächsten Wienbesuch auf Steiners Spuren zu wandeln, hoffend, dass Stephan Siber uns dann Gesellschaft leisten kann und will.

- bücher bücher bücher... die nationalbibliothek

Der barocke Prunksaal gehört zu den wohl schönsten Biliotheken der Welt. Wir haben einen "lebendigen" Audio-Guide, sie erzählt uns über den Bauherrn, das war Karl der VI. und einiges über die Entstehungsgeschichte und die Besonderheiten dieses altehrwürdigen Saales. Über 200.000 Bücher haben hier ihren Platz gefunden, sortiert nach Größe und Farben. Steht hier also Rudolf Steiner neben Kochbüchern? Möglich. Allemal interessant ist es, dass hier jedes Buch, also auch das älteste ausgeliehen werden kann, allerdings dürfen die Bücher dann das Haus nicht verlassen, sondern müssen im Lesesaal gelesen werden.

reisebericht 6 | wien am nachmittag 27 02 11

Am Nachmittag treffen wir vor dem Belvedere - als Walter Kugler einen Vortrag über Rudolf Steiner und den Kinetismus hält - einen alten Freund, der jetzt schon einige Tage in Wien lebt. Es ist Dieter Kumrow, dessen Thema immer wieder die Frage nach einer neuen Alterskultur ist und der im Besonderen sich mit dem Thema Demenz und Spiritualität auseinandersetzt. Sein Aufsatz "Demenz und Trauma" gehört zu den am meisten gelesenen Beiträgen dieser Internetseite. Wir beschließen, den Tag im Café Griensteidl ausklingen zu lassen und ein paar Erinnerungen aufzufrischen, es gibt einiges zu erzählen. Außerdem steht als letzter Programmpunkt für den heutigen Tag im Griensteidl die Lesung von Wolfgang Zumdick auf dem Programm.

Das Kaffeehaus war ein sehr beliebter Aufenthaltsort Steiners. Vorstellbar allerdings, dass die Atmosphäre seinerzeit - durch die rauchenden Gäste - eine ganz andere gewesen sein wird. Obwohl ich selbst Nichtraucher bin: frischrenoviert und ohne Raucher ist ein Kaffeehaus eben nur ein Kaffeehaus. Dabei erfüllt der Kellner - hier heißt er Ober - jedes Klischee, das man aus alten Filmen mit Theo Lingen kennt. Blasiert und so von oben herab, dass es eine wahre Freude ist. Gemessen daran sind selbst Praktiker-Filialen in Deutschland "Service-Oasen". Wir beschließen, auf den Zumdick-Vortrag zu verzichten und bleiben im Gespräch. Als wir das Griensteidl verlassen und noch eine Weile durch die spätabendliche kalte Wiener Nacht laufen, zieht in Gedanken noch einmal dieser Geburtstag Steiners an mir vorüber. Ob er ihn wohl auch manchmal im Griensteidl gefeiert hat? Hat er ihn überhaupt gefeiert? Hat er in der Nationalbilbliothek recherchiert, so wie wir heute Google für unsere Nachforschungen benutzen? Ich merke, auch ohne Lesung hat Wolfgang Zumdicks Reiseführer bereits gewirkt.

 


abschiedskonzert in wien


- wiener schule | konzert am morgen 28 02 11

Der Abschied am Bahnhof ist musikalischer Art, die 11. und 12. Klasse der Wiener Steiner-Schule gibt ein hinreißendes Konzert von Klassik bis Gospel und dazu machen die roten Damen noch einmal eurythmisch mobil. Der Zug steht bereits unter Strom, ein letzter wehmütiger Blick zurück - schön war es in Wien - und dann geht es nach Köln zurück. Die Mitreisenden steigen nach und nach an den einzelnen Stationen wieder aus und gehen inzwischen wieder - genau wie ich - ihrem alltäglichen Tagwerk nach. Was hat diese Reise mit ihnen gemacht? War es ein Trip in die Vergangenheit oder doch eine Reise in die Zukunft?

Die Berichte sind inzwischen fast alle erschienen und wurden von vielen Menschen gelesen oder - im Falle des Deutschlandfunkjournalisten - sicher auch gehört. Ihnen allen ist trotz unterschiedlicher Gewichtungen etwas gemeinsam: Dass die Einladung zu dieser Reise eine der besten Ideen war, die man haben konnte, um Rudolf Steiner zum 150. Geburtstag zu gratulieren. Die immerhin über zweihundertköpfige Geburtstagsgesellschaft ist wieder auseinandergegangen, aber diese fünf Tage mit ihren vielen schönen Erlebnissen haben für mein Empfinden dafür gesorgt, dass ein Bewusstsein von Zusammengehörigkeit und Nähe entstanden ist, das uns über diese Tage hinaus tragen und Gemeinsamkeit schaffen kann, die helfen kann, die veränderte Zeitlage, so wie sie uns derzeit entgegenkommt mit all den Schwierigkeiten und Notlagen, doch zu meistern.

Denn so viel ist inzwischen passiert, die Welt ist nicht mehr wie sie war, als wir am Abend gegen 22:00 Uhr in Köln ankommen; müde, aber erfüllt von Dankbarkeit all den Genannten und Ungenannten gegenüber, deren Tatkraft und unermüdlicher Einsatz dafür gesorgt hat, dass wir ein solch grandioses Erlebnis haben durften. Danke!

 

steiner2011