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Politischer Aschermittwoch

von Max Michels

Was ist eigentlich ein politischer Aschermittwoch? Ich stelle mir das so vor: Die drei tollen Tage sind vorbei. Vorbei ist das heillose Durcheinander, in Dreierreihen vor der Theke zu stehen und sich ein Kölsch - in Düsseldorf ist das Kölsch schon Alt - nach dem anderen hinter die Binde zu kippen. Dazwischen ein wenig hochprozentiges und weil man ja nicht umfallen kann, wegen der Dreierreihen, geht es so weiter, bis der Arzt kommt. Am Mittwoch aber, dem politischen Aschermittwoch, werden die Kippen gesammelt, das Kreuz aufgerichtet und alles zusammen inclusive schlechtem Gewissen über die eigenen "Untaten"zu einem Brei verrührt, der dann dem jeweiligen Nachbarn in die Suppe gespuckt wird.

Politisch gesehen wird dem Kollegen Seehofer ein weiteres mal ein trübes Auge auf seine Familienangelegenheiten geworfen, während Frau von der Leyen vermutlich in diesem Bereich ganz gut wegkommt. Der Bundesrat hat zur Gesundheitsreform geraten und Frau Merkel sonnt sich in Brüssel als Präsidentin. Aber seien wir doch mal ehrlich. So richtige Stimmung wird nicht aufkommen. Es geht doch aufwärts. Klimamäßig wachsen momentan die Bäume in den Himmel. Geschäftsklimamäßig natürlich. Das wird ein Bilderbuchfrühling. Die Pappnasen werden im Schrank verstaut und zum Verkleiden ist Zeit, wenn der nächste Wahlkampf beginnt. Stop, für 2008 werden nur noch 3 Millionen Arbeitslose gemeldet, der Wahlkampf hat also schon begonnen. Die Grünen sind seit Jahren trocken und haben zum Aschermittwoch sowieso noch nie etwas beigetragen. Opposition? Der Newsletter der FDP landet bei mir immer im Junk-Ordner. Obwohl ich gestehen muss, das der Abgeordnete Schily, nein, jetzt meine ich den Bruder Konrad, meine Sympathie genießt. Aber reicht das aus? Sympathie?

Der arme Franz-Josef Strauß, sie wissen doch, der mit der abben Hand "Wenn je wieder ein Deutscher eine Waffe in der Hand halten sollte, soll mir die Hand abfaulen", sitzt da oben und grämt sich. Die Reden waren auch schon mal besser. Ne, politisch gesehen ist bei uns doch schon seit Jahren Aschermittwoch. Kulturell sowieso. Wenn ein Kulturstaatsminister die Band Tokio-Hotel für besondere Verdienste um die die deutsche Kultur auszeichnet, kann es sich doch hier nur um einen vorgezogenen kulturellen Aschermittwoch handeln. Aber so sind die Zeiten. Zwei Euro habe ich in die deutsche Ausgabe der "Vanity Fair" investiert. Pro Ausgabe 1 Euro. Eine krasse Fehlinvestition. Wie so manches in unserem Land.

Den Aschermittwoch schon ein bisschen vorgezogen hat eine bekanntes Monats-Magazin, in der der Geist schon mal etwas gegen den Strich weht. Dort fand ich schon vor Tagen eine Glosse über den Umgang mit der "Klimakatastrophe", die irgendwie keine war. Ich meine natürlich die Glosse. Es gibt doch tatsächlich Leute, die bestehen darauf, dass immer noch alles zum Besten bestellt ist. Die tapern durch die Welt, als ob es noch ein paar andere gäbe. Mich erinnert das an die neue deutsche Welle in den 80er. Gib Gas, ich will Spass. Ich meine, irgendwann muss man doch mal erwachsen werden. Da reicht es einfach nicht mehr aus, angekommen zu sein. Aber wie hieß es in den Sechzigern im Bonner Karneval schon ganz richtig: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Ein netter Spruch. Sein Pläsierchen. Ha ha ha. Das gönnt übrigens auch die "Rheinische Post" am Rosenmontag dem Herrn Seehofer. Aber doch nicht so ganz, die schreiben nämlich ganz aschermittwochsmäßig: "Man soll nicht über den Sünder Seehofer in moralischer Erhabenheit richten, zumal diese Erhabenheit oft bloß eingebildet ist. Aber auch das gilt: Ein Kandidat für den CSU-Vorsitz muss sich nicht nur daran messen lassen, wie führungstüchtig er ist; er sollte auch in seiner Lebensführung wenigstens in der Nähe privater Untadeligkeit bleiben. Das Land, die Jugend vor allem, braucht Vorbilder." Erinnert mich an Frau Walterscheid: "Isch will ja nix jesacht haben.." Aber so sind die Rheinländer. Man kennt sie ja. Watt is denn "private Undadeligkeit"? Isch will ja nur mal jefracht haben... Vielleicht, wenn man im Auto nicht raucht? Für den 1. April schlage ich schon mal diese Meldung vor: Abgasuntersuchung für rauchende Autofahrer gefordert!

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