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30 Tage Noynoy Aquino – ein neuer Präsident verspricht auf den Philippinen ein Ende der Korruption. von Walter Siegfried Hahn aus Manila
Am Ende des ersten Monats seiner Präsidentschaft hat Benigno „Noynoy“ Aquino nun ein erstes Fazit seiner Amtsgeschäfte gezogen und nicht davor Halt gemacht, die „schmutzige Wäsche“ seiner Vorgängerin Gloria Macapagal-Arroyo zu waschen, wie es die lokale Presse bezeichnete. Aquino, dessen Vater von den Schergen des Diktators Marcos ermordet wurde und dessen Mutter daraufhin 1986 zur Mutter der Revolution und ersten demokratischen Präsidentin nach der Diktatur wurde, wurde in den Wahlen vom 10. Mai mit einer großen Mehrheit der Stimmen gewählt und trat am 1. Juli sein Amt an.
In seiner ersten Rede zum Stand der Nation vor Kongress und Senat brachte Aquino nun Unregelmäßigkeiten in den Amtsgeschäften der Vorgängerin ans Licht, die offensichtlich Werte von umgerechnet einigen –zig Millionen Euro in die Taschen ihrer Familie spülten. Aquino bezeichnete als „Revolte“, was vom Missbrauch von Nothilfegeldern über außergewöhnliche Bonus-Zahlungen bis zu übermäßigem Import von Reis reicht. Der beste Beweis seien die Über-Importe von Reis in den Jahren 2004 und 2007, die in Schulden von umgerechnet 3 Milliarden Euro resultierten. So seien 2004 900.000 Tonnen Reis zugekauft worden, siebenmal mehr als der Bedarf von 117.000 Tonnen. 2007 sei der Bedarf von 589.000 durch den Zukauf der dreifachen Menge von 1,827 Millionen Tonnen ins Absurde gezogen worden.
„Was besonders weh tut“, sagte Aquino wörtlich, „das ist, dass der unnötig zugekaufte Reis in den Lagerhäusern verrottet ist. Und das, obwohl 4 Millionen Menschen keine drei Mahlzeiten täglich zu sich nehmen können.“ Die dem Ernährungsministerium dadurch entstandenen Schulden von 3 Milliarden Euro hätten den gesamten Justiz-Apparat des Landes finanzieren können, zusammen mit Tausenden dringend benötigter Schulen und weiterer nötiger Investitionen. Während noch vor kurzem Millionen Menschen in der Mega-Stadt Manila für Trinkwasser angestanden hätten, hätten die Leiter der Wasserversorgung üppige Bonuszahlungen von etwa 40.000 Euro allein im Jahr 2009 erhalten, und das neben allerlei sonstigen Vergünstigungen.
Die Reaktionen auf diese und ähnliche weitere Offenbarungen ließen nicht lange auf sich warten. Vielen war es ohnehin ein offenes Geheimnis, dass die Vorgänger-Administration etwa große Mengen an Reis aus Thailand und Vietnam importiert hatte, nur um einen Anteil davon an Barem für sich abzukassieren. „Wir schwimmen in Reis“ titelten einige Tageszeitungen und Aquino wurde aufgefordert, den noch übermäßig in den Depots vorhandenen Reis umgehend unter den Armen zu verteilen, so dass diese wenigstens eine Zeit lang ausreichend zu essen hätten. „Eine solche Verschwendung wird es bei uns nicht geben. Wir werden der Korruption ein Ende machen“ – solche Aussagen Aquinos glauben nach Erhebungen von Meinungsforschungsinstituten momentan etwa 90 Prozent aller filipinos. Ein positiver Ruck geht durch das ganze Land und vorsichtiger Optimismus ist angesagt, dass die von der Natur so reich gesegneten Philippinen sich in den nächsten Jahren von den hinteren Rängen in so mancher Statistik herausarbeiten werden.
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