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Perspektive Anthroposophie

11.01.2011

150 Jahre Rudolf Steiner 2011

Anthroposophie als Perspektive. AAG-Vorstandsmitglied Bodo von Plato im Interview der NZZ am Sonntag.

mm/tdz. - Zu Beginn des Jahres 2011 erfreut sich Rudolf Steiner, mit ihm die anthroposophische Bewegung und die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (AAG) einer beachtlichen Aufmerksamkeit. Nach der Medienkonferenz im November und den vielbeachteten Vorbereitungen auf den Sonderzug, der zu Rudolf Steiners 150. Geburtstag zum Ende Februar einige wesentliche Stationen aus Rudolf Steiners Leben anfahren wird, spricht Kathrin Meyer-Rust von der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) mit dem Vorstandsmitglied der AAG Bodo von Plato unter anderem über die Situation der heutigen Anthroposophie und die die zum Jahresbeginn erschienenen drei neuen Steiner-Biographien.

Die Autoren dieser Biographien sind keine Anthroposophen, gleichwohl freut sich Bodo von Plato über die Entwicklung: "Es sind drei ausgewiesene Autoren und drei wichtige Verlage – das dokumentiert, dass Rudolf Steiner wichtig ist für die heutige Zeit."

Dabei ist sich von Plato darüber klar, dass ein solches Unterfangen nicht immer ganz einfach ist: "Sie [die Autoren (mm)] verstehen Dinge, die Anthroposophen anders verstehen, und sie können auch Dinge nicht verstehen, die für Anthroposophen verständlich sind."

Steiners Blick auf die Menschen und die Welt sei "herausfordernd, originell und ungewohnt." Während dieser Umstand für die einen begeisternd sei, fühlten wiederum andere sich davon nicht angesprochen und es sei für diese "einfach nur absurder Unfug."

Die Anthroposophie sei "eine Perspektive", sagt Bodo von Plato: "Und zwar im doppelten Sinn dieses Wortes: als eine bestimmte Art, in die Welt zu sehen, und als eine Aussicht auf die Zukunft." Den gegenwärtigen Zustand der Anthroposophie nennt er eine "fruchtbare Krise", denn während die ersten beiden Generationen noch dem Meister nachstreben konnten, werde es "in der dritten (...) problematisch. Hier aber komme man in der Wirklichkeit an, und es beginnt die Neuorientierung. Steiner ist eine geschichtliche Figur geworden, die Menschen, die ihn noch kannten, sind gestorben, seine Worte haben ihre Aura verloren. Damit gilt nun das Goethe-Wort: «Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.» Genau darum geht es."
In Anbetracht der Tatsache, dass die Anthroposophie inzwischen 100 Jahre alt und damit wohl auch endgültig in der "Realität", nämlich der dritten Generation angekommen ist, eine kluge Einschätzung.

Bodo von Plato konstatiert, dass die Praxisfelder der Anthroposophie (biodynamische Landwirtschaft, Schulen und Behindertenheime, Krankenhäuser) ein große Anziehungskraft besäßen, ist aber auch nüchtern genug, im Hinblick auf den damit verbundenen Erfolg festzustellen, dass hier "neue Fragen" entstünden. Nach einem Beispiel gefragt, antwortet er: "Ein Produkt von Wala mag etwa eine Herstellung erst nach Sonnenuntergang verlangen. Nun erlebt die Firma ein enormes Wachstum, es werden viele neue Mitarbeiter eingestellt – und plötzlich sagt einer, was soll das mit diesem Warten auf Sonnenuntergang, machen wir die Sache vor Feierabend fertig. Und damit stellt sich die Frage: Verstehen wir wirklich, warum die Herstellung nach Sonnenuntergang geschehen soll?" In der Tat können Fragen wie diese einiges von dem verdeutlichen, was die anthroposophische Bewegung zurzeit umtreibt, nämlich die Frage, was in den Dingen selbst liegt, die Frage nach dem inneren Gehalt dessen was uns umgibt. Hier zu echten Antworten zu kommen, ist eben nicht nur eine theoretisch-spirituelle Aufgabe, sondern eine durchaus praktische.

Die obligatorische Frage nach den "abgeschrägten Winkeln" jedenfalls ist für von Plato eher obsolet geworden: "Rudolf Steiner hat mit Freude auch rechte Winkel verwendet. Diese Zuordnungen nach Äusserlichkeiten lösen sich heute überall auf, zum Glück auch bei der Anthroposophie."

Das Interview und ein weiterer Beitrag von Kathrin Meyer-Rust zum Thema
Die Webseite zu 150 Jahre Rudolf-Steiner 

 

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