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Paul Joses und Band in der Kulturwerkstatt.


foto: dieter wollheim

Fast jeder Paderborner kennt den kleinen Schotten mit der großen Stimme. Sänger, Songwriter mit einem klaren Programm: Beziehungen, Liebe und die kleinen Dinge des Lebens. Da ist kein politisches Bekenntnis und kein Hang zum Jammern über die Verhältnisse. Seit Beginn der achtziger Jahre steht er auf auf den Bühnen der Clubs und Kneipen und es ist die Nähe dieses Künstlers zu seinem Publikum, die bei seinen Auftritten eine fast familiäre und lockere Atmosphäre entstehen lässt. Nein, die Cafete in der Kulte war nicht ausverkauft, die bange Frage vor jedem Konzert: "Werden sie kommen, die Leute?" Ja, sie kommen, auch wenn diesmal die Zeitungen keinen Hinweis gebracht hatten, auch wenn keine Plakate aushängen. Es spricht sich eben doch herum, wenn Paul Joses sein Weihnachtskonzert in der Cafete der Kulturwerkstatt gibt.

Vorab, wie jedesmal vor diesen Dezemberkonzerten, die "Vorgruppe": diesmal eine Trommelgruppe aus Paderborn. Sie trommelten was das Zeug hielt, erinnerten mich aber ein wenig an Seminare, die das Trommeln als Entspannungsübungen in ihr Programm aufgenommen haben. Der Funke wollte nicht so recht überspringen. Interessiert lauschte das Publikum den afrikanischen Rythmen, es fehlt vielleicht noch ein bisschen Erfahrung, aber trotzdem herzlicher Beifall für diese Trommel-Truppe.

Nach kurzer Pause Paul Joses und Band. Souverän wie immer, in den Überleitungen sein manchmal an den Tonfall von Chris Howland erinnerndes Deutsch gekonnt einsetzend, sang und spielte er im ersten Teil Songs aus seiner aktuelle CD Roadstories (ozella music). Bei diesen Titeln verzichtete er zum großen Teil auf den Einsatz der eigenen Gitarre, was den Songs nicht schlecht bekam. Die dichte und soundmäßig sehr differenzierte Begleitung durch Stephan Kiesling (Kiesel) Michel Roggenland und Carsten Mentzel waren ein Hochgenuss und steigerten die Aufmerksamkeit des Publikums auf eine ganz besondere Weise. Es entstand eine Konzertatmosphäre, wie ich sie selten bei Auftritten von Paul Joses erlebt habe. Die Freude über diese ungeteilte Aumerksamkeit war ihm sichtlich anzumerken und steigerte seine Präsenz von Titel zu Titel. Stephan Kiesling in obligatorischer Höchstform, so kennt man ihn, Konzentration und Spielwitz garantiert. Die hörbare gute Laune der beidern anderen Musiker tat ein Übriges. Bei Live-Auftritten gewinnt die prägnante Stimme von Joses an Volumen, er braucht sein Publikum, er braucht er diese Nähe und dieses Live-Gefühl, um die Authentizität zu vermitteln, die ihm nach meiner Auffassung bei seinen CD-Produktionen manchmal fehlt.

Über 25 Jahre Tourerfahrung sind einfach eine lange Zeit und auch wenn das Publikum inzwischen viele der Songs schon gehört haben mag und manchmal schon mitsingen könnte, klingen sie doch immer wieder neu und frisch, so als hätte er sie gestern erst geschrieben. Der zweite Teil brachte die Klassiker, es wurde rockiger und lauter, trotzdem immer noch mit hörbar ausgearbeiteten Arrangements. Da ist nichts von einer "schon tausendmal" gehörten Folklore zu spüren, das ist wirkliches Song-writing von den unscheinbaren Dingen des Lebens. Beobachtung und Anteilnahme am Schicksal der kleinen Leute. Sein Song "Friday", der das Warten der Hafenarbeiter auf den Freitagnachmittag beschreibt ist dafür ein Beispiel und es fällt nicht schwer, sich in eine Hafenkneipe am Fluss Clyde in Schottland zu versetzen und mit zu fühlen, wie es diesem Arbeiter ergeht. Auch dieser Song ein Stück Biographie von Paul, der früher jeden Job angenommen hat, der in Fabriken gearbeitet hat und auch immer wartete, "´til friday comes around". Das ist keine Koketterie mit Zuständen aus dem "richtigen Leben", das ist das Leben, wie es auch heute noch gelebt wird und überall zu finden ist, wenn man nur etwas genauer hinsieht.

Ein "special guest", Hans Ulrich Stamm mit seiner Bluesharp gesellte sich bei "Kansas City" dazu, ein alter Heuler neu aufgelegt und durch die Harp wieder zu neuem Leben erweckt. Bemerkenswert, die Fähigkeit aller Musiker, sich selbst zurück zu nehmen und dem anderen den Freiraum zu geben, den er als Künstler braucht, wenn es am Ende dann doch ein Gemeinschaftswerk werden soll. Professionell und wissend um die eigenen Stärken und musikalischen Fähigkeiten. Kleinkunst? Nein es war wirklich ein wunderbarer Konzert-Abend. Etliche Zugaben, ein begeistertes Publikum und somit bestimmt für alle ein Abend, der sich gelohnt hat.