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Paderborn: Neues von den Kammerspielen

12.05.2011

Neubau der Kammerspiele. Noch spiegeln sich Baukran und Gerüste


Pressetermin in der Klingelgasse. Der neue Spielplan der Westfälischen Kammerspiele kann sich sehen lassen. Starker Fokus auf Kinder- und Jugend-Theater.

mm/tdz. - Lange dauert es jetzt nicht mehr, dann wird es heißen: Ade Messehalle Schützenplatz, herzlich willkommen in den Westfälischen Kammerspiele Paderborn am Kötterhagen. Wie das Bild zeigt, eine helle "Location", viel Glas und damit offensichtlich auch nach außen demonstrierte Transparenz.

Stolz vermeldet die Intendantin Merula Steinhardt-Unseld: "Am heutigen Tage hat der Umzug begonnen, der Kostümfundus ist bereits im neuen Theater!" Gleichwohl, von Hektik noch keine Spur. "Wir sind entspannt", so die Intendantin, die gemeinsam mit dem Chefdramaturgen Jörg Uhl zur Vorstellung des Spielplans für die neue Saison eingeladen hat.

Wenn sich am 10. September 2011 der Vorhang des neuen Theaters zum ersten Male öffnen wird, können sich die Paderborner Theaterfans gleich auf drei Premieren freuen. Da ist erst einmal das "Käthchen von Heilbronn", ein Klassiker der deutschen Literaturgeschichte von Heinrich von Kleist. Die neue Bühne macht Szenenwechsel möglich, von denen man in der Vergangenheit allenfalls zu träumen wagte.

Auch das Studio wartet an diesem ersten Premierentag mit einer Uraufführung auf: "Leon und Lara" von Christian Bayer. Und zu guter Letzt laden dann noch im Theatertreff - im 4. Stock des neuen Hauses - Cornelis Schönwald und Gehard Gemke zur Late Night Premiere: "Musikalisches Programm".

 


Der Zugang von der Grube

Eröffnet wird das neue Haus einen Tag vorher mit einem Festakt, ein wichtiger Tag für die Paderborner Kulturszene, wird doch an diesem Tag ein über 10 Jahre dauernder Traum endlich wahr. Denn Überlegungen für ein neues Haus gab es schon seit 2001 und gedacht war an einen Umzug eigentlich schon für 2006. Nachdem sich aber im Verlauf der Planungen und Bauarbeiten allerlei "Archäologisches" und auch noch einige andere Probleme eingestellt hatten, vergingen noch einmal 5 Jahre, bis es im September wirklich soweit sein wird.

Was die neue Spielzeit angeht, stehen neben dem oben bereits erwähnten "Käthchen" von Heinrich von Kleist auch Goethes "Faust" und "die Möwe" von Anton Tschechow auf dem Programmzettel für die kommende Saison. Natürlich wird der Faust keine "Staatstheater-Fassung" werden, aber ein anspruchs- und qualitätvolles Stadttheater-Spiel wird man schon erwarten dürfen, merkt die Intendantin an und fügt hinzu, dass sie es für ausgesprochen wichtig hält, gerade auch im Hinblick auf junge Zuschauer, Schüler und Jugendliche, ein klassisches Angebot bereit zu halten.

Überhaupt ist viel von der Jugend die Rede in diesem Pressegespräch, hat sich doch, so Frau Steinhardt-Unseld, vor kurzem herausgestellt, dass die Kammerspiele Paderborn den Zuschlag bekommen haben, 2012 das Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW auszurichten. Die Begeisterung darüber ist Frau Steingart-Unseld anzumerken und in der Tat spielt bei der Planung des Angebotes der Westfälischen Kammerspiele schon seit geraumer Zeit gerade die junge Generation eine wesentliche Rolle. Im neuen Haus wird jetzt erstmals ein ganzjähriges Kinder- und Jugendangebot präsentiert.

 


Gute Angebote für die Jugend

Jeweils Sonntags um 15:00 wird es ein Programm für Kinder und Jugendliche geben, was je nach Nachfrage auch auf die Woche ausgedehnt werden kann. Einmal im Monat haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, an der Kindertheaterwerkstatt teilzunehmen und auch die Jugendclubs werden fortgesetzt.

Das Studio mit der Werkraum-Bühne wird sich in der kommenden Spielzeit mit Stücken aus der Gegenwart beschäftigen. Bis zu 120 Plätze stehen zur Verfügung und auch "aufwendigere Spielsituationen" werden in Zukunft bewältigt werden können. Thematisch wird sich das Studio der "Jetztzeit" annehmen, die Ausrichtung liegt auf gegenwartsbezogenen, modernen Stücken: Nach der Premiere mit "Leon und Lara" folgen im Oktober und November "Sterne" von Anja Hilling und "Dorfschönheit (Arbeitstitel)" von Judith Kuckert. Die Autorin sei allerdings noch an der Arbeit an diesem Stück.

Das traditionelle Sylvesterstück, diesmal die "Komödie im Dunkeln" von Peter Shaffer, wird in dieser und wohl auch in den kommenden Spielzeiten schon ab Mitte Dezember uraufgeführt. Hintergrund ist hier nicht zuletzt der Gedanke, dass beispielsweise Unternehmen ihre Mitarbeiter statt einer Weihnachtsfeier auch einmal zu einem Theaterabend einladen könnten, so Frau Steinhardt-Unseld.

Bliebe noch der Theatertreff im 4. Stock des Neubaus, eine Einrichtung, die durch das Engagement des Fördervereins möglich geworden ist. Dieser Theatertreff wird nicht nur ein Pausentreff sein, sondern er bildet neben der großen Bühne und dem Studio eine zusätzliche - dritte - Spielstätte. Hier kommen die so genannten "kleineren Formate", Liederabende, Lesungen oder Late Night Aktionen zur Aufführung.

Neben dem Förderverein, der mit seinen Aktivitäten und seiner Sesselverkaufsaktion immerhin über 220.000 € zur Finanzierung des neuen Theaters aufgebracht hat, ist im Übrigen der Energiekonzern EON ein großer Sponsor der Westfälischen Kammerspiele. Sinnvolle Kulturförderung, so die Auffassung des Autors dieser Zeilen, legitimiert die Erwähnung dieses Umstandes durchaus.

Fazit: Insgesamt also wird mit dem Umzug in das neue Theater am Kötterhagen für Paderborn zwar keine neue Theaterära anbrechen, dafür sind in den letzten Jahren die Weichen bereits - insbesondere im Jugendbereich - gestellt worden und der Zug befindet sich trotz der derzeitigen erschwerten Verhältnisse schon auf der Strecke.

Die großzügigeren Bedingungen mit einem ganz neuen Haus bieten aber in Zukunft Möglichkeiten, die sicherlich allen Beteiligten und damit auch den Paderborner TheaterliebhaberInnen, die im Sinne der Auslastung des Hauses sicher auch noch zahlreicher werden dürfen, neue Perspektiven eröffnen werden.

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